
Bei der IT-Balanced-Scorecard (IT-BSC) handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Balanced Scorecard. Diese wurde Anfang der 1990er eingeführt und diente ursprünglich als strategisches Instrument für die Messung von Unternehmensleistung und Unternehmensplanung.
Die Balanced Scorecard wurde von den Harvard-Professoren Robert Kaplan und David Norton ab 1992 im IT-Bereich als Mittel zur Risikobewertung für IT-Unternehmen zur Anwendung empfohlen. Im Rahmen des "Dotcom-Booms" entstand der Bedarf an einer genaueren Einschätzung der Entwicklung neuer IT-Firmen und -Anbieter. Neue Informationstechniken lösen bei ihrem Erscheinen meistens einen "Hype" aus, der zu überzogenen Gewinnerwartungen führt. Danach folgt eine Phase der Ernüchterung, in deren Verlauf das Potenzial einer Technologie oft unterbewertet wird. Die IT-BSC wurde mit dem Ziel eingeführt, eine objektivere Bewertung zur realistischen Ermittlung von Wert und Zukunftsfähigkeit einer neuen Technologie im Informationsbereich durchführen zu können.
Mit der IT-BSC werden sowohl finanzielle als auch nicht finanzielle Ziele geprüft. Traditionell stehen vier Themenbereiche im Vordergrund:
- finanzielle Aspekte (z.B. Kennzahlen und Investitionskapital)
- Kundenbelange (z.B. Rückgang der Kundenzufriedenheit)
- interne Geschäftsabläufe (z.B. verbesserte Produktionsbedingungen) und
- Innovation und Wachstum (z.B. Expansionsmöglichkeiten, Rekrutierung neuer Facharbeiter). Die IT-BSC wird aber auch zur Unternehmenssteuerung genutzt, um Fortschritte und Erfolge dokumentieren zu können.
Im Laufe der Zeit wurde es üblich, die IT-BSC um eine größeren Anzahl von Handlungs- und Umsetzungsempfehlungen zu ergänzen. Sie enthält mittlerweile sehr spezifische Informationen und überprüft einzelne Komponenten der traditionellen Themenbereiche wie Ressourcenplanung, Service- und Wissensmanagement.
Zudem wird die IT-BSC dazu genutzt, verschiedene IT-Unternehmen miteinander zu vergleichen. Viele Firmen schätzen diese Methode, um sich mit Konkurrenten aus der Branche zu messen, oder nutzen die IT-BSC anderer Firmen als Fallbeispiele, um Folgen von Veränderungen in der eigenen Organisation besser vorhersagen zu können.