Teil 1 - Motive und Fahrplan

Alles zur E-Bilanz

2012 wird es Ernst mit der elektronischen Übermittlung der Jahresabschlüsse an die Steuerverwaltung. Wir stellen Ihnen in einer dreiteiligen Serie alles Wissenswerte zur E-Bilanz vor.

von Stephan Kraemer, am 7. Juli 2011

Für die meisten deutschen Unternehmen bedeutet die Übermittlung einer elektronischen Steuerbilanz eine undankbare Mehrbelastung. Anforderungen wie der Aufbau einer steuerlichen Gewinn- und Verlustrechnung kommen nach Ihrer Meinung zur Unzeit.

Beste Absichten der Finanzverwaltung

Die Deutsche Finanzverwaltung sieht hingegen in der so genannten E-Bilanz ein zeitgemäßes Vorhaben: Bürokratieabbau und Kosteneinsparung bei gleichzeitiger Optimierung der Fallbearbeitung sind aus ihrer Sicht die E-Bilanz-Ziele.

Weniger Papier und automatische Plausibilitätsprüfungen zum Aufbau eines Risikomanagementsystems sind Stichworte, die Finanzbehörden auch anderswo in Europa aufhorchen lassen und zum Teil schon in unverbindliche Pilotprojekte münden.

Strafen bei mangelhafter E-Bilanz

Nach § 5b EStG gilt für Abschlüsse nach HGB bilanzierender Unternehmen, dass die Steuerbilanz ab dem Geschäftsjahr 2012 nach vorgegebenem Datenschema elektronisch zu übermitteln ist. Stehen die Angaben fehlerhaft oder unvollständig in der E-Bilanz, kann die Finanzverwaltung Zwangsgelder gegen die entsprechenden Unternehmen verhängen oder unangenehm intensive Betriebsprüfungen machen.

Es wird also Ernst mit der E-Bilanz. In unserer kleinen Serie stellen wir Ihnen daher noch einmal Informationen rund um das Vorhaben zusammen:

  • Der hier vorliegende erste Teil gibt Ihnen einen Überblick und Hintergründe zum Vorhaben und schildert, warum es bislang Verzögerungen im Fahrplan gab;
  • Der zweite Teil geht näher auf technische und organisatorische Fragen bei der Umsetzung der Anforderungen in der eigenen IT und Fachabteilung ein;
  • Der dritte Teil zeigt auf, welche Chancen und Hürden sich bezüglich der Prozesse und Daten ergeben.

 

Nachfolgend also der Überblick und Hintergründe:

ELSTER und ERIc

Auf der technischen Ebene baut die E-Bilanz auf der bekannten ELSTER-Schnittstelle auf und ergänzt sie um den ELSTER Rich Client (ERIc). In ERIc erfolgt die Umwandlung der ELSTER Daten im XML Format in die Xtensible Business Reporting Language (XBRL). Bei XBRL handelt es sich um ein aus den USA stammendes Format zur Übertragung von Finanzberichten, das weltweit an Bedeutung gewinnt und in Deutschland beispielsweise schon zur Übertragung an den Bundesanzeiger genutzt werden kann.

XBRL noch kein europäischer Standard

Aufgrund der zahlreichen laufenden Projekte im EU Raum – die XBRL Organisation Europa listet 50 laufende Projekte in Europa auf – wird die Verbreitung von XBRL von der Europäischen Kommission kritisch gewürdigt. XBRL ist aber noch kein offizieller europäischer Standard für die Übertragung von Steuerbilanzen und die Deutsche Finanzverwaltung nimmt in enger Zusammenarbeit mit dem XBRL Deutschland e.V. eine Vorreiterrolle ein (Zur Diskussion über XBRL finden Sie hier mehr Informationen).

Ob damit auch Maßstäbe für den europäischen Raum gesetzt werden ist offen. Die Folgen liegen auf der Hand: Die finanzstarken international orientierten Softwarehersteller und ERP-System-Anbieter scheuen Investitionen in rein nationale Lösungen und der Markt für E-Bilanz Produkte ist dementsprechend noch in der Entwicklungsphase.

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