Finanzinvestoren setzen auf Deutschland

Aufschwung im Private-Equity-Markt

Im ersten halben Jahr 2011 hat die Zahl der Unternehmenskäufe im Vergleich zu 2010 zugenommen - dank des Aufschwungs. Millarden-Deals blieben aus, doch die Investitionsvolumina haben ebenfalls zugenommen.

8. Aug 2011

von Rebecca Fischer

Deutschland ist wieder ein günstiger Markt für Finanzinvestoren, denn Zahl der Unternehmenskäufe stiegen im ersten halben Jahr 2011 von 46 auf 52 Käufe, ebenso wie der Wert der Transaktionen, der sich - verglichen mit der zweiten Hälfte in 2010 - auf vier Millarden Euro erhöhte. Dies ergab jüngst eine Studie zum Private-Equity-Markt in Deutschland des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young.

Private-Equity-Markt erholt sich

Investoren nutzten demnach das positive Investitionsumfeld und trennten sich von 43 Unternehmensbeteiligungen mit einem Gesamterlös von 8,8 Millarden Euro - rund 6,7 Millarden Euro mehr als im Halbjahr zuvor. Damit scheit die Talsohle auf dem deutschen Private-Equity-Markt durchschritten zu sein, so Joachim Spill von Ernst & Young.

Als Hauptgrund der Erholung wird der Aufschwung vermutet. So wären immer mehr Industrieunternehmen dank gut gefüllter Kassen wieder bereit und in der Lage, Konkurrenten aus dem Portfolio von Finanzinvestoren zu übernehmen und dafür akzeptable Preise zu zahlen, so Joachim Spill.

Millarden-Deals als Ausnahme

Große Transaktionen sind in den ersten Monaten in 2011 jedoch ausgeblieben - keine  überstieg die Marke von 1 Milliarde Euro. Der Verkauf des Carbon Black-Geschäft von Evonik an den Finanzinvestor Rhône Capital führte mit einem Volumen von mehr als 900 Millionen Euro die Spitze an.

Doch Milliarden-Deals werden laut Studie vermutlich auch mittelfristig die Ausnahme bleiben, da es derzeit an attraktiven größeren Kaufobjekten fehlt.  Außerdem verunsichere die Volatilität der Finanzmärkte in Europa und den USA potentielle Investoren.

Investoren aus Schwellenländern

Die größten Chancen witterten Beteiligungsunternehmen derzeit in Schwellenländern. Der Trend geht eindeutig in Richtung Emerging Markets: Erstmals kann ein steigendes Interesse von Investoren aus den Schwellenländern an deutschen Unternehmen beobachtet werden. So sind beispielsweise Automobilzulieferer, wie Preh, Saargummi oder KSM Castings von Private-Equity-Gesellschaften häufig an chinesische Unternehmen verkauft worden.

Private-Equity-Geschäft hinter M&As

Trotz des Aufschwungs bleibt die Zahl der Private-Equity-Transaktionen deutlich hinter dem Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) zurück. Hier wuchs das Transaktionsvolumen um 43 Prozent auf 23,2 Millarden Euro im ersten Halbjahr. Hauptverantwortlich für diesen Anstieg war die Übernahme von MAN durch Volkswagen, die allein ein Volumen von 11, 2 Mrd. Euro ausmachte (Sehen Sie hier, welche M&As mit deutscher Beteiligung im Juli zu den Top 10 gehörten).