Künstlersozialabgabe

Beitragssatz steigt auf 4,1 Prozent

Künstlersozialabgabe: Beitragssatz steigt auf 4,1 Prozent
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Für Aufträge an kreative Freiberufler fallen in der Regel zusätzliche Künstlersozialabgaben an. Vielen Unternehmen ist diese Pflicht nicht bewusst. Udo Reuß führt aus.

31. Jan 2013

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Für das Jahr 2013 müssen Verwerter von künstlerischen Leistungen 4,1 Prozent von den an selbstständigen Künstlern und Publizisten gezahlten Honoraren als Künstlersozialabgabe abführen. Im Vorjahr waren es nur 3,9 Prozent. Bis spätestens zum 31. März müssen der Künstlersozialkasse (KSK) die abgabepflichtigen künstlerisch-publizistischen Leistungen gemeldet werden. Dafür gibt es einen Meldebogen 2012.

„Nicht nur gelegentliche Beauftragung“

Abgabepflichtig sind Firmen, öffentlich-rechtliche Körperschaften und Vereine, die nicht nur gelegentlich Aufträge an selbstständige Künstler erteilen. „Bei mehr als drei Aufträgen an freiberufliche Kreative pro Jahr lauert die KSK“, nennt Ulrich Viefers als Faustformel. Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater der Mönchengladbacher Kanzlei WWS warnt vor den Kontrollen der rund 3.500 Betriebsprüfer der Deutschen Rentenversicherung, die Unternehmen prüfen, dass sie ihre Abgabepflicht erfüllt haben. Viefers: „Prüfer legen das Kriterium nicht nur gelegentlich unter Umständen auch jahresübergreifend an. So droht auch bei Messeauftritten oder Ausstellungen, die turnusmäßig alle 2 oder 3 Jahre stattfinden, die KSK-Pflicht.“

Betriebsprüfungen

Wer seiner Meldepflicht nicht nachkommt, dem droht ein gesetzliches Bußgeld bis zu 5.000 Euro. Da die Prüfung über einen Zeitraum von bis 5 Jahre rückwirkend erfolgt, kann das Bußgeld im schlimmsten Fall sogar 25.000 Euro betragen.

Dabei entsteht die Abgabepflicht recht schnell – und vielen Unternehmen ist dies gar nicht so bewusst. Häufige Praxisfälle sind, wenn selbstständige Künstler oder Publizisten beauftragt werden etwa bei:

  • Gestaltung der Website
  • Textarbeiten für Unternehmenspublikationen
  • Künstlerische Darbietungen bei Kundenveranstaltungen, Messeauftritten oder auch Betriebsfeiern - beispielsweise von Musikern und Discjockeys.

„Die Liste der KSK-pflichtigen Leistungen ist lang. Schon ein geringer kreativer Anteil kann dazu führen, dass der Gesamtauftrag abgabepflichtig wird“, weiß Viefers. Alle Entgelte, die an einen selbständigen Künstler für eine künstlerische Leistung gezahlt werden, müssen aufgezeichnet und an die KSK per jährlichen Meldebogen gemeldet werden. Neben den Honoraren und Lizenzen gehören auch sämtliche Auslagen und Nebenkosten zu den abgabepflichtigen Entgelten (zum Beispiel für Material und Transport). Nicht in die Berechnung einzubeziehen sind die gesondert ausgewiesene Umsatzsteuer und steuerfreie Aufwandsentschädigungen im Rahmen der steuerlichen Grenzen - beispielsweise Reise- und Bewirtungskosten.

Eindeutige Verträge und Dokumentation sind wichtig

Berater Viefers gibt den Tipp, dass sich viele KSK-Abgaben reduzieren oder sogar vermeiden lassen. Bei Auftragsvergabe und Vertragsgestaltung sind abgabepflichtige und sonstige Leistungen zu trennen. Die gründliche Dokumentation der Aufträge, in der die Leistungen aufgelistet werden, dient der Beweisvorsorge. Werden nicht direkt die Künstler beauftragt, sondern professionelle Verwerter wie Künstleragenturen oder Galeristen, dann sind diese für die Zahlungen an die KSK verantwortlich. Keine Sozialabgaben für Unternehmen fallen an, wenn Aufträge an Dienstleister mit der Rechtsform einer GmbH, AG, KG oder GmbH & Co. KG vergeben werden.

Udo Reuß ist freier Wirtschaftsjournalist. Er arbeitet unter anderem als Chefredakteur von bilanz + buchhaltung. Die Fachzeitschrift erscheint im Verlag von Haufe-Lexware. Die letzten Beiträge von Udo Reuß: