Bilanzierung

Berichterstattung mit Value Chain

Bilanzierung: Berichterstattung mit Value Chain
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BilMoG, FINREP, XBRL - die Pflichten im Finanz-Reporting nehmen zu. Maciej Piechocki schlägt ein Modell vor, dass Abläufe und Strukturen aus mehreren Perspektiven betrachtet und in Beziehung zueinander setzt.

12. Aug 2012

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Während die Aufsichtsbehörden vor den jüngsten beiden Finanzkrisen die Ansicht vertraten, dass der Markt als Selbstregulierer eine ausreichende Markttransparenz garantiere und Unternehmen alle notwendigen Informationen freiwillig offenlegen würde, müssen jetzt viele Informationen im Rahmen einer präventiven Ausrichtung verpflichtend berichtet werden.

Dieser Paradigmenwechsel führte auf nationaler Ebene zur Neugestaltung des Handelsgesetzbuchs durch das Bilanzmodernisierungsgesetz, zur Einführung der E-Bilanz für die Steuerberichterstattung sowie zu Erweiterungen bei der Jahresberichterstattung für den elektronischen Bundesanzeiger. Auf europäischer Ebene schlägt sich dieser in der COREP-/FINREP- und Solvency-II-Pillar-3-Berichterstattung für Banken und Versicherungen nieder.

Zudem müssen Unternehmensberichte den Bedürfnissen und Anforderungen ganz verschiedener Empfänger entsprechen, seien dies nationale und internationale Aufsichtsbehörden, Investoren, Wirtschaftsprüfer oder andere Finanzinstitutionen. Da Ziele und Governance-Strukturen jener Stakeholder nicht identisch sind, steht die Finanzabteilung vor der Herausforderung, sowohl branchenspezifische als auch branchenübergreifende Berichte aufzubauen. Und schließlich kommen mit der ab 2018 in der EU verbindlichen Nutzung von XBRL als Übertragungsformat technische Neuerungen und Anpassungen im Finanz-Reporting auf Unternehmen und Stakeholder zu.

E-Bilanz und XBRL

Ein derzeit auf nationaler Ebene viel diskutiertes Beispiel für den skizzierten steigenden Aufwand im externen Reporting ist die geplante Einführung der E-Bilanz. Gaben Handels- und Steuergesetz bisher Spielraum zur Interpretation von formalen Richtlinien und Detaillierungsgrad, fällt dieser Spielraum mit den neuen Taxonomien zur E-Bilanz gänzlich weg. Jedes Konto des Unternehmens, das mindestens eine Buchung aufweist, muss zwingend genau einer Position der Taxonomie zugeordnet werden. Zudem gibt es innerhalb der Taxonomien sogenannte Muss-Positionen, das heißt Positionen, die meldepflichtig sind, egal wie aufwendig es für das Unternehmen ist, diese Informationen beizubringen. Und auch hier stellt die Übertragung der Steuererklärung per XBRL eine zusätzliche technische Hürde dar.

Auf internationaler Ebene ist aktuell die Finanzberichterstattung für Banken gemäß FINREP ein gutes Beispiel für ein fachlich anspruchsvolles und vor allem technisch komplexes Reporting. Auch hier bedeuten Implementierung, Validierung und Übermittlung der Berichte im XBRL-Format eine große technische Herausforderung, die durch die von der European Banking Authority (EBA) verlangten „Data Point Models“ (DPM) an fachlicher Komplexität gewinnt.

Oragnisation der Berichterstattung

Bislang legen die meisten Unternehmen die zu berichtenden Daten in separaten Datensilos ab. Grund hierfür sind zum einen die unterschiedlichen Anforderungen der Regulatoren, zum anderen aber auch die Tatsache, dass innerhalb des Unternehmens verschiedene Abteilungen, beispielsweise Investor Relations, Finanzmeldewesen oder die Steuerabteilung, zu den Berichten beitragen.

Dabei greifen diese Abteilungen oft auf unterschiedliche Datenquellen zurück und verfolgen zugleich unterschiedliche Zielsetzungen. Datensilos und eine verteilte Bearbeitung führen daher in der Praxis zu Datenredundanzen und -inkonsistenzen und damit zu erhöhten Risiken und Kosten.

Auch am Beispiel der Berichterstattung für IASB und EBA lässt sich die Problematik sehr gut darstellen. Beide Regulatoren haben ihr Standardwerk nach IFRS grundlegend überarbeitet und erweitert. Die EBA geht aber im Detaillierungsgrad und Umfang der zu berichtenden Informationen sehr viel weiter als der IASB. So verlangt etwa der IASB keine explizite Kategorisierung der Finanzinstrumente, während die EBA im FINREP-Reporting hierzu eine detaillierte Darstellung fordert. Zudem muss an die EBA mithilfe von standardisierten Templates und Data Point Models gemäß ITS berichtet werden.

Reporting Value Chain

Wie nun können sich Organisationen auf diese Anforderungen besser einstellen? Die geschilderten Faktoren führen dazu, dass Unternehmen ihre Berichtsprozesse überarbeiten und optimieren müssen, damit eine zeitgerechte, korrekte und kosteneffiziente Berichterstattung gewährleistet ist.

Hierbei bietet sich eine Prozessbetrachtung unter dem „Reporting-Value-Chain-Ansatz“ an. Im Gegensatz zur traditionellen Prozessanalyse werden hier Abläufe und Strukturen aus mehreren Perspektiven betrachtet und in Beziehung zueinander gesetzt. Interessant ist dabei, dass nicht nur Daten, Prozesse / Funktionen und Personen betrachtet werden, sondern auch Kommunikation, Zeit sowie Motivation Dimensionen sind.

 

Dieser Ansatz wird daher der Komplexität eines Berichterstattungsprozesses in hohem Maße gerecht und kann ihn optimieren helfen. (Anmerkung der Redaktion: Allgemein versteht man unter einem Value Chain Controlling einen Ansatz, der Ideen aus der wertorientierten Unternehmensführung, auch Value Based Management genannt, auf – auch über das Unternehmen hinausgehende – Wertschöpfungsketten bezieht.) Im Markt finden sich heute viele technische Lösungen für die Reporting Value Chain, mit denen sich Berichte effizienter erfassen und verwalten lassen, wobei die großen Softwareanbieter das Feld beherrschen. Die Reporting-Tools werden von diesen Unternehmen selbst oder von Partnern entwickelt.

Maciej Piechocki ist Director Disclosure Management und XBRL bei der cundus AG.