Credit Management, Finanzplanung

Betriebe umgehen Bankkredite

Dirk Elsner ist der Meinung, dass die Hürden für Bankkredite deutlich höher liegen, als es vor vier Jahren noch der Fall war. Diese These stützt nun die Bundesbank: Im Monatsbericht September nennt sie alternative Finanzierungsquellen.

von Dirk Elsner, am 2. November 2011

In den vergangenen Wochen habe ich mit einigen Beiträgen die zunehmende Kreditknappheit thematisiert (Lesen Sie ebenfalls von Dirk Elsner: Erneute Kreditverknappung droht). Aus Bankenkreisen wird mir gern entgegnet, dass es keine Anzeichen für Kreditklemmen gäbe: Unternehmen, die gut aufgestellt seien, würden keine Finanzierungsprobleme bekommen.

Sofern die Banken einem Unternehmen die Finanzierung verweigern, läge es daran, dass etwas mit dem Unternehmen nicht stimme oder die Besicherung nicht passe. Die Banken hätten außerdem die richtigen Schlussfolgerungen aus der Doppelkrise der letzten vier Jahre gezogen: Ihre Kreditvergabebedingungen würden nun der geänderten Risikoneigung und den aufsichtsrechtlichen Vorschriften Rechnung tragen.

Bundesbank nennt Quellen

Die Argumentation ist plausibel. Gleichwohl wird damit eingeräumt, dass die Hürden, die Unternehmen für Bonität und Sicherheiten erfüllen müssen, mittlerweile deutlich höher liegen als noch vor vier Jahren. Daher wird die weitere Entwicklung in den nächsten Jahren interessant sein, nämlich hin zu alternativen Finanzierungsquellen, die nicht direkt durch das Banksystem erfolgen.

Die Bundesbank fand im Monatsbericht September bereits Anzeichen dafür, dass Unternehmen ihr Finanzierungsverhalten ändern. Die Analysten der Bank identifizierten dabei drei Gruppen von Finanzierungsquellen, denen der private Unternehmenssektor seine gute Finanzausstattung zu verdanken hat:

1. Das ist zunächst einmal der Klassiker aus „verdienten“ Abschreibungen und einbehaltenen Gewinnen.
2. Neben der Innenfinanzierung greifen Unternehmen verstärkt auf alternative Formen der Außenfinanzierung zurück. Als Alternative zum Bankkredit vermuten die Bundesbankern vor allem die Aufnahme von Krediten bei in- und ausländischen Nichtbanken im Konzernverbund.
3. Finanzierung über Handelskredite.

Innerhalb der externen Finanzierungsquellen, so schreibt die Bundesbank, haben seit dem Frühjahr 2009 vor allem die Kredite, die im Konzernverbund vergeben werde sowie die Handelskredite enorm an Bedeutung gewonnen und stellen aktuell die wichtigste externe Finanzierungsquelle dar. Die kapitalmarktorientierte Finanzierung spielt dagegen bisher eine untergeordnete Rolle. (Lesen Sie auch: Alternative Finanzierungsquellen gesucht)

Trend wird sich fortsetzen

Dass gerade die Handelskredite so sehr an Bedeutung gewonnen haben, dürfte nicht besonders überraschen: Sie stellen nicht nur eine vergleichsweise einfache Form der Kreditvergabe dar, sondern werden auch von Vertriebsverantwortlichen gemocht, weil sie den Absatz fördern. Zunehmend arrangieren sich auch CFOs mit diesem Instrument, weil einige bereits den Handelskredit als zusätzliche Einnahmequelle für Liquidität ansehen. Zudem senkt ein professionelleres Credit- und Bonitätsmanagement das Risiko.

Ich erwarte daher, dass sich der Trend bei den Handelskrediten weiter fortsetzen wird und Unternehmen ihn als zusätzliche Finanzierungsquelle ausbauen werden.

Dirk Elsner war mehrere Jahre Bereichsleiter einer Bank und Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensgruppe. Heute berät er Banken und mittelständische Unternehmen u. a. zu Finanzierungs-, Planungs- und weiteren Themen des kaufmännischen Managements. Er schreibt regelmäßig für die CFOworld.

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