
Als eine Ursache der Finanzkrise gelten die mangelhafte Datenanalyse und ungeeignete Werkzeuge. Doch das ist laut Karsten Oehler nur ein Teil der Wahrheit.
Ich werde häufig gefragt: "Sie schreiben doch so viel Positives über Business Intelligence. Hätte man damit nicht die allgegenwärtige Krise voraussehen müssen? Sind Unternehmen, die solche Werkzeuge im Einsatz hatten, wirklich geringer von der Krise getroffen?"
Da schwingt natürlich ein wenig fatalistisch motivierter Triumph mit: die ganzen schönen Werkzeuge sind sinnlos in Anbetracht solcher scheinbar unvermeidbaren Urgewalten. Kurzum: Viel investiert und wenn es drauf ankommt, hilft es auch nicht.
Eine schwierige Frage. Oder auch ganz einfach: Gute Werkzeuge haben fehlende Prozesse noch nie ersetzen können und die fehlende Beschäftigung mit den Zusammenhängen von Ursache und Wirkung noch nie kompensieren können. Soweit ist die Informationstechnologie (leider) noch nicht. Allerdings kann Informationstechnologie dazu eingesetzt werden, Prozesse neu zu gestalten und die Informationsversorgung zu verbessern. Der Anstoß kommt aber vom Menschen, nicht von der Software.
Das bedeutet aber auch: Wenn man es gewollt hätte, hätte man schon früh realisieren können, was da auf uns zurollt. Warnende Stimmen gab es genug. Die Signale waren so deutlich, dass es keiner ausgefeilten Architektur bedurft hätte. Der Vergleich mit dem Scheunentor drängt sich auf. Natürlich hätte man mit tollen Werkzeugen die Zahlen bunter gestalten können, aber darum geht es bei der Unternehmenssteuerung nicht (Lesen Sie hier mehr über Corporate Performance Management).
Aber wer wollte es wahrhaben und die möglichen Konsequenzen genauestens durchdenken? So ist das leider mit den Risiken. Keiner beschäftigt sich gerne damit. In zukünftigen Erfolgen zu schwelgen macht einfach mehr Spaß. Es ist erstaunlich, wie zäh der Risiko-Prozess in vielen Unternehmen läuft – nämlich als gesetzlich oktroyierte Pflicht und daher auch als Schattenprozess, der nur bedingt was mit dem scheinbar "wirklichen" Leben zu tun hat.
Für mich stellt sich die Frage, warum sich gerade das Controlling nicht auf diese Problemstellung stürzt. Dem Controller wird immer die Innenorientierung nachgesagt. Ein stärkerer Fokus auf externe Risiken wäre ein ideales Feld um zu beweisen, dass er auch anders kann.
Und dazu sind nicht mal wirklich neue Systeme notwendig. Die Zusammenführung der beiden Sichten (Controlling und Risiko) bringt bereits eine ganze Menge, ohne dass die bestehenden Systeme grundlegend auf den Kopf gestellt werden müssen (Lesen Sie hier gute Gründe, warum Riskio und Controlling zusammengehören). Warum sind die als wichtig erachteten Risiken nicht ganz selbstverständlich in jedem Controllingteilsystem enthalten? Warum brauchen Unternehmenslenker überhaupt ein eigenes Risiko-Dashboard? Gehört das nicht in jede Steuerungssicht automatisch mit rein?
Vielleicht hat die Krise ja auch in der Hinsicht was gutes, dass man nun doch stärker auf die externen Signalen achtet und die Mühe nicht scheut, dies mit den vertrauten Instrumenten zu verbinden.
Fazit: Business Intelligence in diesem Sinne richtig angewendet hätte schon helfen können. Dazu hätte es auch keiner neuen Systeme gebraucht. Die bestehenden müssen nur stärker verzahnt werden. Es ist also wie fast überall: Würde man einfach nur bisschen mehr miteinander reden (der Informatiker sagt hierzu Integration), würden sich viele Probleme besser in der Griff bekommen lassen.
Karsten Oehler ist Leiter Solutions Presales/ Competence Centers bei der IBM Deutschland GmbH. Seine Kolumnen rund um das Thema Business Intelligence erscheinen künftig regelmäßig auf CFOworld. Sie geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
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