
Damit werden große Rechner unter dem Schreibtisch überflüssig: Thin Clients gaukeln den vollen Arbeitsplatz am Schreibtisch vor, sind in Herstellung, Anschaffung und Wartung aber wesentlich günstiger als ihre dicken Brüder. Das ökonomische und ökologische Potential wird gerade erkannt – Dr. Frank Lampe, Autor der Buches „Green IT, Virtualisierung und Thin Clients“ erklärt warum.
CFOworld: Herr Dr. Lampe, wie müssen wir uns Thin Clients und Virtualisierung vorstellen?
Lampe: Thin Clients sind kleine Geräte zur Datenein- und -ausgabe, die die großen Arbeitsplatzrechner, die sogenannten Fat Clients ersetzen. Ein Thin Client wiegt maximal zwei Kilogramm und verweist nur noch auf einen persönlichen virtuellen Desktop, der als einer von vielen auf dem zentralen Server läuft.
CFOworld: Warum sollte das CFOs interessieren?
Lampe: Die Technik verspricht Kostenersparnisse. Kleine Unternehmen, die relativ hohe Strompreise zahlen, profitieren mit 50 oder 60 Prozent Energieeinsparung unmittelbar. Und bei großen Unternehmen macht es die Masse. Mit einem Thin Client lassen sich neben dem Gewicht von ungefähr sieben Kilo auch Energiekosten von zehn bis 15 Euro pro Gerät und Jahr einsparen – den zusätzlichen Kühl- und Stromaufwand für den zentralen Server eingerechnet.
CFOoworld: Sie sprechen von bis zu 70 Prozent Einsparpotential allein beim Wartungsaufwand für Arbeitsplatzrechner, über 50 Prozent soll bei Strom und CO2-Ausschuss durch Thin Clients abfallen. Woher kommen diese Zahlen?
Lampe: Wir haben zusammen mit dem Fraunhofer Institut UMSICHT in Oberhausen Studien durchgeführt, die sogar sehr konservativ angesetzt waren. In vielen Fällen liegt da sogar Potential von bis zu 90 Prozent.
CFOworld: Gibt es, abgesehen vom Strom, weitere Kostenentlastungen?
Lampe: Ja, sogar ganz simple. Der geringe Lizenzerwerb für Software zum Beispiel: In der Praxis sind von 100 Mitarbeitern nie alle gleichzeitig im Haus, viele Rechner und die daran gebundenen Lizenzen bleiben täglich ungenutzt. Mit einem zentralen Rechner werden Lizenzen unabhängig, statt 100 werden etwa nur 90 benötigt. Genauso brauchen Sie nur noch einen Virenscanner und eine Firewall, denn Ihre Mitarbeiter betreten das Internet einheitlich über den zentralen Server.
Außerdem altert das System nicht so schnell. Einen normalen PC müssen Sie nach drei bis vier Jahren entsorgen, wenn er das neue Betriebssystem nicht mehr fassen kann. Mit Thin Clients wird nur der Server aufgerüstet, die Arbeitsplätze und Desktops bleiben. Das bringt auch dramatisch weniger Elektroschrott mit sich. Ohnehin entstehen bei der Herstellung wesentlich weniger Emissionen – da liegt viel ökologisches Potential.
CFOworld: Die Idee der Thin Clients ist aber doch nicht ganz neu. Welche Schwierigkeiten haben in der Vergangenheit im Weg gestanden?
Lampe: Den Ursprung bildeten die Terminals – typischerweise mit grün- oder bernsteinfarbener Oberfläche, auf der nach gefühlten drei Minuten endlich ein Buchstabe erschien. Das ist Geschichte. Per Desktop-Virtualisierung können heute sehr gute Terminal-Lösungen für viele gleichzeitig arbeitende Leute bereitgestellt werden – mit wenigen Ausnahmen. Zum Beispiel wenn eine Software vorschreibt, welche Grafikkarte benutzt werden muss. Dann ist es meist noch einfacher, den Fat Client zu behalten und die Karte einzustecken.
CFOworld: Aber wo Rechner abgebaut werden, muss ein einziger, leistungsstarker Server die Arbeit der anderen übernehmen. Die Anschaffung dessen ist teuer. Welche Investitionen stehen den Einsparungen gegenüber?
Lampe: In der Praxis haben sogar die kleinsten Unternehmen schon einen zentralen Server, über den die Anwender auf gemeinsame Festplatten und Daten zugreifen. Bei kleinen Unternehmen, reicht der sogar schon aus. Für eine Firma mit 70 Mitarbeitern haben wir zuletzt Prozessoren mit 2,6 GHz Leistung, 18 GB RAM und sechs Festplatten zu 146 GB eingesetzt. Für Firmen ab 300 Mitarbeiter empfiehlt Fraunhofer mindestens 64 Megabyte RAM pro Benutzer, 512 MB Speicher für das Betriebssystem pro Benutzer bei einem Basisprozessor mit 3,4 GHz Leistung.
CFOworld: Und das kostet mich als CFO dann was?
Lampe: Beim kleineren Beispiel haben wir sechs Server eingesetzt: einen für die Telefonanlage, zwei für die Infrastruktur, drei zur Bereitstellung von je 35 virtualisierten Desktops. Die Server kosten etwa 2000 Euro, die Prozessoren 250 und die Festplatten 300 Euro. Einen guten Thin Client bekommt man für 300 Euro, dazu kommen noch Lizenzen, Bestell- und Installationskosten. Hochgerechnet auf sechs Server und 70 Mitarbeiter landet man bei etwa 50.000 Euro. Für 300 Mitarbeiter würden sich unterm Strich etwa 150.000 Euro ergeben.
CFOworld: Wann lohnt sich dann also eine Umstellung?
Lampe: Bezüglich der Userzahl gibt es zwei Studien – eine Diplomarbeit und eine Studie des Fraunhofer Instituts. Erste kommt auf eine Zahl von sieben Mitarbeitern, zweite je nach Anwenderszenario auf zehn bis 15 Angestellte. Zeitlich gesehen würde ich die Umstellung dann empfehlen, wenn sowieso eine Überholung der IT vorgesehen ist, die alten Geräte also weitgehend abgeschrieben sind.
Dr. Frank Lampe ist Marketing Director des Hardware-Herstellers Igel Technology GmbH und Herausgeber des Buches "Green IT, Virtualisierung und Thin Clients", erschienen im Vieweg+Teubner Verlag, ISBN 978-3-8348-0687-1
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