
Wie vernetzt und effizient sind Finanzabteilungen und ihre CFOs? IBM hat weltweit nachgefragt. Thomas Hillek, Managing Partner und Finanzexperte, erläutert vorab die Ergebnisse.
CFOworld: In ihrer "CFO Study 2010" wollte IBM von 1900 Finanzverantwortlichen aus 81 Ländern wissen, für wie leistungsfähig sie ihre Finanzorganisation, -instrumente und -prozesse halten, um damit einen Wertbeitrag zum Unternehmen leisten zu können. Herr Hillek, Sie waren an der Befragung und Auswertung der Ergebnisse beteiligt. Welchen Eindruck haben Sie aus den Gesprächen mit CFOs weltweit mitgenommen?
Hillek: Die Studie startete Anfang 2009, also mitten in der Wirtschaftskrise. Damals steuerten die CFOs ihre Abteilung nur noch "auf Sicht", das heißt es wurde maximal monatlich geplant. Mittlerweile hat sich die Stimmung aufgehellt, wenngleich kaum ein Finanzvorstand ambitionierte Wachstumsprognosen abgeben will. Viele rechnen damit, dass das Umsatzniveau von Ende 2008 erst 2012 wieder erreicht werden wird, dass sie weiter Kosten optimieren müssen und weitere Restrukturierungen folgen.
CFOworld: Sind alle Finanzabteilungen gleichermaßen von der Krise betroffen?
Hillek: Es gibt zwei Gruppen: Zum einen Unternehmen, die auch während der Krise insgesamt robust und erfolgreich agieren, sprich: profitabel wirtschaften und hierbei sogar Übernahmen durchführen. Zum anderen gibt es Unternehmen, die bereits vor der Krise ihre Hausaufgaben bezüglich Finanzmanagement und Refinanzierung nicht gemacht hatten und nun massiv unter Druck stehen.
CFOworld: Woran liegt das?
Hillek: Erstens tun sich viele Finanzabteilungen immer noch schwer, ihre Finanzprozesse zu bündeln und in Shared Service Centern zu betreiben beziehungsweise sie auszulagern. Ferner haben sie zwar alle Abläufe wie Order-to-Cash, Purchase-to-Pay und Record-to-Report implementiert, doch enden die Prozesse meist an der Abteilungsgrenze. Einen durchgängigen und sauber aufgesetzten Auftragsabwicklungsprozess, der vom Vertrieb bis in die Finanzabteilung reicht, findet man nur selten. Drittens bleibt die technische Integration zwischen den Abteilungen ein Manko. Finanzbuchhaltung, Planung, Vertrieb - jeder arbeitet für sich. Eine integrierte Planung haben gerade einmal zehn Prozent aller befragten Unternehmen.
Allerdings zeigt die aktuelle Studie im Vergleich zur letzten Umfrage von 2008 eine erfreuliche Entwicklung: Es gibt eine Gruppe von Finanzabteilungen, die diese Hürden erfolgreich überwunden haben und sich zunehmend mit anderen Unternehmensbereichen zu vernetzen beginnen, und dass sowohl technisch als auch organisatorisch. Der CFO tritt dabei als interdisziplinärer Berater auf. Wir bezeichnen diese neue Rolle der Finanzabteilung als die eines "Value Integrator".
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