Finanzplanung, Bankkredit

Defizite im Kreditprozess

Dirk Elsner betreut einen Klienten, der sein Unternehmen am liebsten gänzlich ohne Banken finanzieren würde. Es sei ihm sogar egal, wenn die Kosten deswegen etwas zunehmen. Seine Bank mute ihm im Kreditprozess einiges zu, vieles sei vermeidbar. Über die Klagen aus der Praxis.

16. Apr 2012

von Dirk Elsner

Bereits im Februar habe ich über die stark abgenommene Bedeutung des Bankkredits für die Unternehmensfinanzierung geschrieben - der Beitrag erschien unter dem Titel Beteiligung statt Bankkredit. Der Anteil der Kreditfinanzierung über Banken betrug nach einer Untersuchung der Bundesbank im Monatsbericht 1/2012 im Jahr 1991 noch 32 Prozent und ging bis 2010 auf 18 Prozent zurück. Mittlerweile dürfte dieser Anteil noch weiter gesunken sein. Nach einem Bericht des Wall Street Journals haben sich im ersten Quartal des laufenden Jahres europäische Unternehmen mehr Geld an den Kapitalmärkten verschafft als von Banken.

In der öffentlichen, vorrangig aus makroökonomischer Sicht geführten Debatte wird die abnehmende Bedeutung der klassischen Bankenfinanzierung meist mit der Finanzkrise und den verschärften Eigenkapitalanforderungen durch Basel II und Basel III begründet. Eher selten wird auf die Mikroseite der Unternehmensfinanzierung betrachtet: Tatsächlich werden zumindest in Deutschland viele Banken ihre für Kredite zur Verfügung stehenden Mittel gar nicht mehr los.

Eine Ursache für die abnehmende Bedeutung der klassischen Kreditfinanzierung könnte auch darin liegen, dass viele Unternehmen die Vergabeprozesse nicht mehr praxis- beziehungsweise bedürfnisgerecht beurteilen und daher verstärkt Alternativen suchen. Tatsächlich überlagern sich gerade bei den Determinanten der Kreditvergabe verschiedene makro- und mikroökonomische Einflussfaktoren, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nur schwer erklären lassen.

Drei Klagen aus der Praxis

In meiner beruflichen Praxis arbeite ich nicht nur mit Banken zusammen, sondern auch mit Unternehmen, die mit Banken zusammen arbeiten müssen. Und viele Unternehmen sind seit Jahren immer weniger von der Zusammenarbeit mit ihren Finanzinstituten begeistert. Neulich sagte mir ein Unternehmer, wenn er könnte, würde er seine Finanzierung ganz ohne Banken machen. Ihm wäre es dabei übrigens egal, ob die Finanzierungskosten um ein oder zwei Prozent zunehmen würden.

Über mindestens drei Punkte klagt die Unternehmenspraxis, wenn es um Finanzierung geht:

  1. Unzuverlässige Absprachen
  2. Übertriebene Besicherung
  3. Zu wenig Kenntnis der Banken über Geschäftsmodelle

Besonders fallen diese Defizite im Kreditprozess auf. Hier ärgern sich Unternehmen über alle drei Punkte. So können Bankbetreuer oft keine klaren Kriterien nennen, die Voraussetzung für eine Kreditvergabe sind. Dazu kommen viel zu lange Entscheidungszeiten und immer wieder Verweise der Betreuer, man könne leider nicht mehr selbst entscheiden, sondern sei abhängig von der sogenannten Marktfolgeprüfung.

Unternehmen möchte viel eher die Kriterien wissen, die zur Einstufung in die jeweilige Risikoklasse führen. Sie wollen wissen, welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen, um ihre Einstufung zu verbessern.

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