
Kurt Joachim Lauk wuchs als Sohn eines Pfarrers in Stuttgart auf und trat mit dem Theologiestudium zunächst in die Fußstapfen des Vaters. Heute ist er selbst Vater von vier Kindern, Vorsitzender des CDU-Wirtschaftsrates, Abgeordneter des EU-Parlaments und seit Beginn des Jahres auch Berater der Société Générale Corporate & Investment Banking. Der neue „Chairman of the Advisory Board“ bringt über 30 Jahre Erfahrung im Top-Management mit – Zeit für einen Rückblick.
CFOworld: Professor Lauk, 1978 schlossen Sie mit einer Hand voll Kollegen die Türen der "neuen" Boston Consulting Group auf, es folgten Vorstandssitze bei Audi und Mercedes. Sie haben viele Veränderungen erlebt - den Wandel vom Finanzvorstand zum CFO, das Sterben der "nützlichen Aufwendung", die Geburt von IFRS und Co. Inwiefern hat sich die Arbeit von Finanzvorständen geändert?
Lauk: CFOs mußten in den vergangenen Jahren in viele Sonderrollen hineinwachsen, zum Beispiel als Gatekeeper für das Risiko-Assessment oder als Controller für die Ausgabenseite. Eine der problematischsten Veränderungen ist die zunehmende Formalisierung und Verrechtlichung aller Aufgaben der Vorstände, insbesondere des Finanzvorstandes. Der „common sense“ und „good business judgement“ werden immer mehr durch Paragraphen ersetzt. Gleichzeitig wird der CFO immer häufiger als Mittler zwischen der Unternehmensstrategie und den Bedürfnissen der Kapitalmärkte gefordert und muss vor diesem Hintergrund die Bilanzierung erläutern.
CFOworld: Bevor Sie Ihr BWL-Studium in Stanford (Kalifornien) aufnahmen, folgten Sie Ihrem Vater und erlangten in München den Magister in Theologie und Geschichte. Sinneswandel oder sinnvolle Ergänzung?
Lauk: Für mich ganz klar eine sinnvolle Ergänzung, weil Wirtschaft ohne Werte nicht funktioniert.

CFOworld: Hat die Arbeit eines CFOs mit Nächstenliebe zu tun?
Lauk: Der CFO trägt eine besonders hohe Verantwortung, denn Geldströme zu steuern hat zweifellos auch eine ethische Dimension: Wo wird investiert? Wo werden Arbeitsplätze geschaffen? Welche Löhne werden in Entwicklungsländern gezahlt?... und viele andere Fragen mehr. Nächstenliebe, im Sinne des Respekts vor dem Anderen, ist eine wichtige Charaktereigenschaft, um diese Aufgabe angemessen ausfüllen zu können. Übrigens nicht nur für CFOs.

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