
Für Michael Rödel, CFO beim Pharmahersteller Bionorica und Beirat der CFOworld, haben Investitionen in umweltfreundliche und energiesparende Techniken strategische Bedeutung.
CFOworld: Letztes Jahr hat Bionorica seine Verwaltung in Neumarkt in ein umweltfreundliches Gebäude verlegt. Lohnt sich das?
Rödel: Wir betreiben jetzt ein Blockheizkraftwerk, aus dem auch der Strom für das neue Rechenzentrum kommt. Die IT läuft also mit Holzpellets und Pflanzenöl. Damit schaffen wir eine natürliche und autarke Versorgung. Wir wollten nicht von Lieferanten abhängig sein.

CFOworld: Sicher ein gutes Gefühl, unabhängig von Öl und Gas zu sein. Aber lohnt sich das auch finanziell?
Rödel: Ich gehe davon aus, dass wir zumindest im neuen Rechenzentrum die Hälfte der Energie einsparen und in zwei bis drei Jahren die Kosten amortisiert haben.
CFOworld: Die Einsparungen liegen aber nicht allein am Blockheizkraftwerk, oder?
Rödel: Natürlich nicht. Im alten Rechenzentrum hatten wir die Server nicht virtualisiert, Blade Server nur in Ansätzen im Einsatz und die Kühlsysteme noch nicht an das Blockheizkraftwerk angeschlossen. Heute haben wir drei Viertel der Server virtualisiert und schaffen so eine viel bessere Auslastung der Rechner.
CFOworld: Wenn der Return on Invest in zwei bis drei Jahren zu erzielen ist, wieso machen das nicht alle Unternehmen?
Rödel: Weil Unternehmen im Augenblick Investitionen aller Art scheuen. Außerdem gibt es beim Umweltschutz Dinge, die sich nie rechnen werden: Durch Verzicht auf PVC ist unser Rechenzentrum um etwa 20 Prozent teurer geworden.
CFOworld: Warum haben Sie trotzdem darauf verzichtet?
Rödel: Wir wollen Umweltschutz so umsetzen, wie ihn der Enkel des Unternehmensgründers und jetzige CEO Professor Michael Popp in der Unternehmensphilosophie verankert hat. Das bedeutet für uns, Energie zu sparen, Emissionen zu verringern und Abfälle zu vermeiden. Gegenüber fossilen Brennstoffen sparen wir im Jahr rund 1100 Tonnen C02 ein.
CFOworld: Ein schöner, altruistischer Ansatz.
Rödel: Wenn Sie bedenken, dass wir zu jeder Zeit – unabhängig von Klimakapriolen oder anderen Naturkatastrophen – Arzneipflanzen in einer herausragenden Qualität und spezifischen Quantität benötigen, ist das gar nicht so altruistisch.
CFOworld: Die Klimakapriolen werden sich vermutlich in den nächsten Jahren fortsetzen, auch wenn Ihr Unternehmen vorbildlich produziert.
Rödel: Natürlich können wir die Welt alleine auch nicht retten, aber wir werden trotzdem unseren Weg konsequent weiter gehen. Es gibt Themen, die jenseits der alleinigen Kostenbetrachtung liegen.
CFOworld: Haben Sie weitere Beispiele, wie ein Unternehmen Geld sparen kann, wenn es umweltgerecht handelt?
Rödel: Da fallen mir gleich drei ein: Erstens haben wir Thin Clients eingeführt. Das spart uns viel Energie und erhöht obendrein den Lifecycle der Geräte. Was zwar nicht alle Mitarbeiter so gut fanden, aber Wartung und Verbrauchsmaterial reduziert: die Einführung von Abteilungsdruckern. Und drittens haben wir Videokonferenz-Systeme eingeführt.
CFOworld: Lässt sich das Einsparpotential von solchen Maßnahmen überhaupt errechnen?
Rödel: Das ist immer schwierig, aber ich behaupte: Das positive Image hat uns sicher nicht geschadet, auch wenn ich es nicht quantifizieren kann. Ich erlebe aber häufiger, dass Bewerber zu uns kommen, weil sie unser Engagement für die Umwelt gut finden.
CFOworld: Haben Bewerber in Neumarkt überhaupt die freie Wahl eines Arbeitsplatz?
Rödel: Eine Wahl hat jeder. Auch wenn Neumarkt nicht mit einer Metropole vergleichbar ist, ist die Stadt trotzdem ganz schnuckelig. Die Landschaft in der Umgebung ist wunderschön und es gibt eine gute Infrastruktur. Ganz sicher ist unser Umweltengagement ein wichtiger Aspekt für Bewerber und Mitarbeiter.
CFOworld: Sie erwähnten eben, dass Unternehmen im Augenblick jede Investition scheuen. Wie hat sich Ihre Arbeit seit Beginn der Krise verändert?
Rödel: Das Working Capital Management ist wichtiger geworden. Ich habe die Gespräche mit den Banken intensiviert. Das hat früher vielleicht zehn bis fünfzehn Prozent meiner Arbeit ausgemacht. Mittlerweile dauert das doppelt so lange. Die Liquiditätsnachweise werden immer aufwendiger.
CFOworld: Obwohl sie nicht vom Aktienmarkt abhängig sind?
Rödel: Wenn Sie einer Quartalsberichterstattung oder Private Equity unterliegen, dann sieht die Welt viel schlimmer aus. Dagegen haben wir den großen Vorteil, mit Professor Popp einen privaten Investor zu haben.
CFOworld: Leiden Sie darunter, jetzt als CFO eines mittelständischen Unternehmens mit in Sippenhaft für Finanzjongleure genommen zu werden.
Rödel: Ich will nicht diejenigen in Schutz nehmen, die in der Finanzbranche Mist gebaut haben, aber viele haben doch in der Boomphase eine Rendite von 15 Prozent erwartet.
CFOworld: War das überzogen?
Rödel: In guten Zeiten ist das nicht überzogen. Es wirkt nur nicht besonders glaubwürdig, wenn man sich nachher daneben stellt und sagt: Eigentlich arbeite ich aber nachhaltig.
CFOworld: Der Erwartungsdruck mit den 15 Prozent ist bei den Banken schon längst wieder etabliert. Wird es wieder zum Crash kommen?
Rödel: Solange wir diejenigen zum Manager des Jahres machen, die die höchste Rendite erwirtschaften und nicht nach den eingegangenen Risiken und der Nachhaltigkeit fragen: Ja.
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