
Ein gutes Datenmanagement stellt für Unternehmen eine Herausforderung dar. Doch es hilft nicht nur CFOs bei der Entscheidungsfindung.
„Datenmanagement ist für jedes Unternehmen ein Kampf“, äußerte ein Entscheider gegenüber den Analysten von Aberdeen in einer Studie zur Datenqualität und -integration. Die Studie zeigt die enorme Kluft zwischen herausragenden und weniger engagierten Unternehmen in Bezug auf Datenmanagement. Das zeigt: Es lohnt sich, diesen Kampf anzunehmen. Denn es macht durchaus einen Unterschied, ob bis zur Integration neuer Daten 12 oder 143 Tage verstreichen.
Für den Erfolg von Projekten in Bereichen wie Business Intelligence (BI) ist hochwertiges Datenmanagement essentiell. Denn ohne dieses können CFOs und ihre Mitarbeiter keine Entscheidungen auf der bestmöglichen, weil verlässlichen und optimal gesteuerten Datenbasis treffen (Lesen Sie hier auch, welche Folgen fehlendes Vertrauen in die Datenqualität haben kann).
Aberdeen wählt zur Illustration ein Bild aus der Welt der Technik. Die BI-Systeme sind demnach der analytische „Motor“, der mit dem hochwertigen „Kraftstoff“ Information am Laufen gehalten werden muss.
Wie von Aberdeen gewohnt, unterteilt die Studie die 370 untersuchten Unternehmen in drei Kategorien: Das Fünftel der besonders erfolgreichen „Klassenbesten“, den Durchschnitt und die 30 Prozent der „Trödler“, die am schlechtesten abschneiden.
Die Unterschiede zwischen den Gruppen sind beträchtlich. So dauert es bei den im Hinblick auf das Datenmanagement mustergültigen Unternehmen im Schnitt zwölf Tage, bis eine neue Datenquelle ins BI-System integriert ist. Die mittlere Gruppe braucht dafür 60 Tage, Trödler benötigen sogar 143 Tage (Lesen Sie hier, woran BI-Projekte häufig scheitern).
93 Prozent der Klassenbesten geben an, Informationen stets im gewünschten Zeitfenster zu erhalten. In der Gruppe der Schlusslichter sagen das lediglich 34 Prozent. Naheliegenderweise tut sich in der Zufriedenheit mit dem BI-Umfeld eine Kluft auf: 82 Prozent auf der einen, nur acht Prozent auf der anderen Seite.
Zum Teil erklären sich diese Unterschiede bereits auf der technologischen Ebene. So richten drei Viertel der "Musterschüler" Data Integration Tools ein, aber nicht einmal die Hälfte der Trödler. Bei Data Modelling Software ist das Verhältnis zwei Drittel zu 30 Prozent, bei Data Cleansing Tools zwei Drittel zu etwa einem Drittel.
Für unsere Schwesterpublikation Computerwoche interpretierte Martin W. Angler von der Europäischen Akademie Bozen die Resultate. Worauf es im Ergebnis beim Datenmanagement ankommt, fasst er folgendermaßen zusammen: „BI-Projekte sind dann erfolgreich, wenn Anwender zum richtigen Zeitpunkt - dann nämlich, wenn Entscheidungen zu treffen sind - auf möglichst alle relevanten Datenquellen zugreifen können. Je mehr die Analysedaten zu einem Self-Service-Buffet für Geschäftsanwender werden, desto besser ist das Datenmanagement.“
„Das ideale BI-Management bereitet also die Informationen nach Relevanz und mit hoher Geschwindigkeit auf. Die Anwender können diese aufbereiteten Daten autonom auswerten und geschäftsrelevante Schlüsse daraus ziehen“, so der Experte weiter.
Damit dies gelingt, bedarf es mehr als nur der richtigen Tools. So überprüfen die erfolgreichen Unternehmen laut Aberdeen-Studie zu zwei Dritteln systematisch die Nutzung der BI-Werkzeuge im Unternehmen. Sie heben sich vom Rest auch dadurch ab, dass mehr als die Hälfte die Erfordernisse der Anwender in einem formalisierten Prozess feststellt.
Erfolgskritisch sind ferner die Organisations- und die Wissensebene. So geben überdurchschnittlich viele Firmen aus der ersteren, erfolgreichen Gruppe an, dass sich die Unternehmensleitung verstärkt mit dem BI-Thema beschäftigt. 70 Prozent berichten von einer Organisationskultur, in der Entscheider den Wert unterstützender Daten akzeptieren. 86 Prozent stellen fest, dass die Geschäftsführung eine optimierte Übersichtlichkeit der für Entscheidungen relevanten Daten fördert.
„Auf der Organisationsebene hat sich gezeigt, dass eine datengetriebene Unternehmenskultur in der Führungsriege ihren Ursprung nehmen und hierarchisch nach unten durchgesetzt werden muss“, kommentiert Angler weiter. „Voraussetzung sind Richtlinien, die alle Mitarbeiter zu datengetrieben Entscheidungen auffordern und so die Qualität der Analyse-basierenden Entscheidungen verbessern.“
Das Wechselspiel zwischen dem Geschäftserfolg und solchen Richtlinien ist offensichtlich: In der Kategorie der Unternehmen, die am weitesten mit der Entwicklung vorangeschritten sind, ist eine faktenbasierende und datengetriebene Entscheidungskultur 2,7mal so wahrscheinlich wie in jener der Unternehmen, die noch keinen so starken Fokus auf das Datenmanagement legen.
Die Nachzügler haben indes durchaus Möglichkeiten, zur Spitzengruppe aufzuschließen. Ein erster Schritt ist die Bereinigung der Datenlandschaft, die in diesen Firmen zu Excel-lastig ist. Förderlich ist eine konsequente Benchmark-Orientierung im Bereich „time to information“, was eine kontinuierliche Messung der Abläufe voraussetzt (Mehr zur Notwendigkeit von guter Qualität der Daten).
Weitere Maßnahmen wären Investitionen in geeignete Tools, der Aufbau einer durchgängigen Return-on-Investment-Methodik beim Datenmanagement und der Schritt zu einem ganzheitlichen Datenmanagement durch die Einrichtung von abteilungsübergreifenden Teams.
Ein Kampf wird es vermutlich immer bleiben, wie im Eingangszitat beschrieben. Alleine schon deshalb, weil die Datenflut laut Aberdeen-Studie immer weiter steigt: von 2008 bis 2009 um 28 bis 31 Prozent, im Folgejahr sogar um 36 bis 43 Prozent.
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