
Die Wertsteigerungen der Portfolio-Gesellschaften seien den Verbesserungen der operativen Performance zu verdanken, die die Beteiligungen unter Private-Equity-Ägide erreichen, so Ostheim. Die Studie zeigt: Von 2005 bis 2011 haben die Unternehmen in PE-Besitz in Westeuropa insgesamt ihre Produktivität (gemessen als EBITDA je Mitarbeiter) im jährlichen Durchschnitt um 6,9 Prozent gesteigert. In Deutschland waren es sogar 13,5 Prozent. Gleichzeitig nahmen die Beschäftigtenzahlen – sowohl in Westeuropa als auch in Deutschland – um durchschnittlich 2,2 Prozent im Jahr zu.
„Die Beteiligungsunternehmen sind nicht nur fitter geworden, sondern haben überdies noch neue Arbeitsplätze geschaffen“, unterstreicht Ostheim. „Das wird auch an der Wertentstehung deutlich: „Zum 3,6-fachen Ertrag, den die PE-Engagements im Vergleich zu börsennotierten Unternehmen erbringen, tragen operative und strategische Verbesserungen allein 45 Prozent bei. Die so häufig ins Feld geführte Leverage, also die höhere Verschuldung der Firmen im PE-Besitz, liefert nur 27 Prozent.“
Besonders deutlich zeigen sich die Ergebnisse der Bemühungen der verantwortlichen PE-Manager bei den kleineren Unternehmen: In der Kategorie der Firmen mit einem Einstiegswert zwischen 150 und 500 Millionen Euro sind fast zwei Drittel der Wertsteigerung durch internen Verbesserungen entstanden, und nur 13 Prozent durch Leverage (Erfahren Sie hier mehr zur Bewertung der Ziele in kleineren Unternehmen). Im Bereich zwischen 500 Millionen und einer Milliarde ist es umgekehrt: Auf die bessere Performance entfallen nur noch 27 Prozent, auf die Leverage 42 Prozent.
Die aktuellen konjunkturellen Unsicherheiten und die kritische Lage an den Finanzmärkten dämpfen derzeit zwar auch die Transaktionsaktivitäten im PE-Bereich, doch derzeit seien in Deutschland fünf bis sieben größere Deals in Vorbereitung, erklärt E&Y-Manager Ostheim. "Aber wann die realisiert werden, wird stark von den Auswirkungen der Schuldenkrise in Europa abhängen. In Zeiten so großer Ungewissheit überlegen sich alle potenziellen Übernehmer und ihre Finanziers dreimal, ob sie neue Engagements eingehen sollen“, erklärt er. Es sei jedoch noch starke Aktivität in den Euro-freien Ländern Großbritannien, Irland und den nordischen Ländern zu verzeichnen.
Insgesamt sieht Ostheim gerade in Deutschland noch großes Potenzial für die Arbeit der Private-Equity-Unternehmen. Dafür liefert die Studie ebenfalls Anhaltspunkte: Sie ermittelt eine Marktdurchdringung, gemessen im Verhältnis der Einstiegswerte von Unternehmen in PE-Besitz zum Bruttoinlandsprodukt. Nach diesem Maßstab weisen Großbritannien und Irland mit 1,9 die höchste PE-Quote aus, während die drei deutschsprachigen Länder mit 0,7 noch deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 1,0 liegen. Die mediterranen Länder bildeten mit 0,4 das Schlusslicht.
„Wir haben hierzulande einen unternehmerischen Mittelstand, wie es ihn in kaum einem anderen Land gibt“, stellt Ostheim fest. „Diese mittelständischen Unternehmen haben sich bislang mehrheitlich eher auf Distanz zu Private Equity gehalten. Je schwieriger es aber wird, Mittel von anderen Finanzierungsquellen, etwa von Banken, zu bekommen, umso mehr wächst die Bereitschaft, sich auch mit dieser Alternative auseinander zu setzen, vor allem, wenn absolut seriöse Angebote zur Verfügung stehen.“ Daran werde es aber nicht mangeln. Denn: „Spätestens mit der Krise hat Private Equity seine Goldgräberzeiten hinter sich gebracht.“
Die gesamte Studie (in englischer Sprache) finden Sie hier zum Download.
Bleiben Sie immer auf dem Laufenden mit dem CFOworld-Newsletter. Einfach E-Mail-Adresse eingeben und auf "Bestellen" klicken.