Management

Die 3 Dimensionen des Entscheidens

Management: Die 3 Dimensionen des Entscheidens
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Wovon hängt der Erfolg von unternehmerischen Entscheidungen ab? Andreas Zeuch führt ihn auf das vorhandene Wissen und Nichtwissen im eigenen Betrieb zurück.

14. Mär 2013

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Erfolge und Misserfolge eines Unternehmens hängen direkt mit der Qualität der vielen kleinen und wenigen großen Entscheidungen zusammen. Alle diese Entscheidungen, ob im täglichen Arbeitsleben der Mitarbeiter oder in größeren Zyklen der Unternehmensführung sind in irgend einer Weise an das vorhandene Wissen oder Nichtwissen Einzelner, Gruppen oder der ganzen Belegschaft geknüpft.

Der erfolgreiche Umgang mit beidem, Wissen und Nichtwissen, hat dabei drei Dimensionen: Eine individuelle, kulturelle und instrumentelle. Wer mehr Erfolg fürs Unternehmen will, sollte sich deshalb mit folgenden drei verschiedenen Perspektiven unternehmerischen Entscheidens auseinandersetzen:

  1. Individuelle EntscheidungsKompetenz - die Fähigkeit jedes einzelnen, die eigene Rationalität, Intuition und Emotion für nachhaltig erfolgreiche Entscheidungen zu nutzen.
  2. Unternehmerische EntscheidungsKultur - die bewussten und unbewussten Entscheidungsregeln in einem Unternehmen.
  3. Operatives EntscheidungsDesign - die verschiedenen Instrumente und Methoden sowie deren Kombination, um Entscheidungen zu treffen.

Niemand ist eine Insel

Um dauerhaft die Entscheidungsqualität zu verbessern, reicht es nicht aus, nur an einer dieser Dimensionen zu arbeiten. Jeder, der in irgendeiner Weise entscheidet, braucht für erfolgreiche Entscheidungen die Fähigkeit, mit Daten, Informationen, Wissen und - noch wichtiger - mit Nichtwissen umzugehen. Letzteres bedeutet mit anderen Worten: Entscheiden unter Unsicherheit. Da unsere Arbeitswelt zunehmend komplexer und dynamischer wird, ist gerade das Entscheiden unter Unsicherheit eine zukunftsrelevante Fähigkeit.

Aber wie entscheidet man, wenn man nicht weiß? Wenn Zahlen, Daten und Fakten fehlen? Oder wenn sie im Übermaß vorhanden sind, wenn sie, wie im Fünfeck-Eck des Nichtwissens abgebildet, unverständlich, widersprüchlich oder nicht vertrauenswürdig sind? Genau dann wird Intuition als professionelle EntscheidungsKompetenz zunehmend wichtiger. Deshalb ist sie neben der Fähigkeit zu Analysieren und Informationen bewusst zu verarbeiten Teil der individuellen EntscheidungsKompetenz.

Nun ist aber niemand eine Insel. Einzelne Personen entscheiden immer im Rahmen der EntscheidungsKultur innerhalb eines Unternehmens oder einer Organisation. Dabei ist es maßgeblich, welche Entscheidungsregeln bewusst gestaltet und unbewusst verankert sind. Konkret betrifft das Fragen wie: Wer darf was entscheiden? Herrscht ein eher defensiver oder offensiver Entscheidungsstil? Müssen alle Entscheidungen mit Zahlen, Daten, Fakten untermauert werden? Werden Entscheidungen ausgesessen, delegiert, oder aktiv angegangen?

Der Einzelne kann dabei immer nur soweit erfolgreich entscheiden, wie es der Rahmen der jeweiligen EntscheidungsKultur zulässt. Wenn ein Manager ein großes intuitives Gespür hat, aber Entscheidungen rational begründet sein müssen, wird er dieses Gespür nicht nutzen. Denn früher oder später würde er sich selbst damit in Teufels Küche bringen, sobald ihn einmal seine Intuition täuscht. Dann kann er nicht nachvollziehbar erläutern, warum er so und nicht anders entschieden hat. Der Misserfolg bleibt dabei allerdings der gleiche, egal ob rational begründet oder intuitiv erspürt.

Intuitiv-emotionale Entscheidungsfindung

Letztlich spielen die jeweils genutzten Instrumente und Methoden der Entscheidungsfindung eine Rolle. Zumeist sind nur Instrumente und Methoden bekannt, die die rationale Entscheidungsfindung ansprechen, nutzen und fördern. Dies wurzelt in der Historie unserer Betriebswirtschaft, die bis heute eine anachronistische und wissenschaftlich längst überholte rein rationale Entscheidungstheorie zu Grunde legt. Demzufolge werden Instrumente wie SWOT-Analyse, Kosten-Nutzen-Analyse, Entscheidungsmatrizen und dergleichen mehr verwendet.

Diese Instrumente haben ihre volle Berechtigung. Nur sind sie nicht alleine ausreichend. Denn sie sind völlig unnütz, wenn die intuitiv-emotionalen Anteile der Entscheidungsfindung genutzt werden sollen. Wer nur einen Hammer hat, sieht in allem einen Nagel und versucht mit mehr desselben Lösungen auch Schrauben in die Wand zu hämmern. Wenn das nicht funktioniert, wird eben stärker, häufiger und schneller geschlagen. Am Ende des Tages ist dann im besten Falle nur die Schraube kaputt, eher aber auch noch die Wand. Und das Bild hängt immer noch nicht.

Um diesem Misserfolg vorzubeugen, ist es ratsam, die drei Säulen unternehmerischen Entscheidens im eigenen Unternehmen auf ihre Funktionalität zu prüfen. Sollten Sie zum Ergebnis kommen, dass sie noch flexibler und damit robuster gestaltet werden können, werden Sie hier künftig fündig.

Andreas Zeuch promovierte in Erwachsenenbildung über das Training professioneller Intuition. Er arbeitet seit dem Jahr 2003 als freiberuflicher Berater, Trainer, Coach und Speaker mit dem Schwerpunkt unternehmerischer Entscheidungen und Managementinnovation.Die letzten Beiträge von Andreas Zeuch: