Crowdinvesting

Durchbruch der magischen Schallmauer

Crowdinvesting: Durchbruch der magischen Schallmauer
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Die Hürde von 100.000 Euro je Projekt galt dank Prospektpflicht als unüberwindbar. Aber es geht: Lothar Lochmaier über kreative Geschäftsmodelle und deren Erfolgschancen.

28. Jan 2013

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Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, könnte das Bankwesen auch mithilfe von Finanz-Apps neu bereichern, beispielsweise durch Partnerschaften wie dem „Like-Programm“ von Loyal3. Dabei handelt es sich um eine Art „Mitmach-Aktie“, die sich über Facebook am Markt platzieren lässt. Die im Netzwerk versammelten Fans einer Marke ordern ihre Unternehmensanteile dabei direkt per Mausklick und via Facebook-Zugang.

Die Einstiegshürden sind bewusst niedrig gehalten, um die Anleger zum Mitmachen zu verführen: Jedermann soll mit Anteilen ab 10 Dollar einsteigen. Spezielle Vorkenntnisse sind laut Anbieter nicht erforderlich. Auf Gebühren möchte der Anbieter sogar ganz verzichten. Wenngleich der rechtliche Rahmen von direkt über soziale Netzwerke vermakelten Unternehmensanteilen noch wenig konsistent erscheint, so stellt der unmittelbar über Facebook & Co. gesteuerte Geldkreislauf doch keine reine Zukunftsmusik mehr dar.

USA: Jobs Act gibt grünes Licht

In den USA hat Präsident Barack Obama mit dem umstrittenen Jobs Act eine erste rechtliche Grundlage geschaffen, um die Plattformbetreiber von Crowdfunding einerseits zu regulieren, aber den Betreibern auch neue Chancen zu eröffnen, die Kreditvergabe auf größere Teilbeträge auszuweiten. Dadurch sollen sich unterschiedliche, also auch private Investoren, am Geld- bzw. Kreditkreislauf beteiligen können, in den USA üblicherweise als Equity Crowdfunding bezeichnet. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die weltweit prominenteste Crowdfunding-Plattform Kickstarter noch stärker auf den Zug der Wagniskapitalfinanzierung von Unternehmen aufspringt, orakelt jedenfalls IT-Nachrichtendienst Techcrunch.

In der Regel erfolgen derartige Crowdinvestments an einem Unternehmen allerdings gemeinsam mit weiteren Partnern - teilweise aus der Private Equity, teilweise aus dem klassischen Bankenmilieu. Dabei fungiert eine Online-Plattform beziehungsweise ein Dienstleister als Mittelsmann gegen Vermittlungsprovision, die in der Regel bis zu 10 Prozent vom vermittelten Kreditvolumen beträgt. Die Einstiegshürden für die privaten Investoren sind bei den einzelnen Plattformen analog zu der Facebook-Vision von Loyal3 meist niedrig angesetzt, mit Beträgen im drei- bis niedrigen vierstelligen Bereich.

Es kristallisieren sich zudem bereits unterschiedliche Klassen, Zielgruppen und Marktsegmente zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting heraus. So hat die deutsche Plattform Innovestment kürzlich stille Beteiligungen gestartet. Seedmatch hat die spezifische Gruppe der Existenzgründerinnen entdeckt. Weitere Kooperationen und Spieler auch aus dem klassischen Finanzmilieu dürften folgen, um die Wertschöpfungskette vertikal wie horizontal zu erweitern. All diese Spezialisierungen gilt es, mit rechtlich fundierten Geschäftsmodellen auszustatten.

Offen bleibt die Frage, ob Banken den Trend zum professionellen Crowdinvesting ignorieren oder sich rechtzeitig anpassen, indem sie Teile davon ihre Wertschöpfungskette integrieren. Wenngleich derartige Instrumente die klassische Kreditvergabe alles andere als ersetzen, so eröffnet Crowdinvesting zumindest eine Reihe komplementärer Gestaltungselemente.

Aber: Was beim Social Sponsoring via soziale Medien noch als durchaus realistische Option erscheinen mag, scheint doch insgesamt von begrenzter Wirkung. So dürften neben kulturellen Hemmnissen vor allem haftungsrechtliche Herausforderungen die allzu rasche Integration von neuen Beteiligungsvarianten in das Kreditwesen von Banken via Crowdinvesting zumindest hinauszögern.

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