
Bisher beteiligten sich Privatpersonen, die kleinere Beträge investieren möchten, über Aktien oder Fonds. Ein deutsches Startup entschied sich hingegen für crowdfunding. Dirk Elsner stellt es vor.
In diesen Zeiten gestaltet sich die Unternehmensfinanzierung keineswegs einfach.
Das gilt erst recht, wenn man Eigenkapital beschaffen will und insbesondere für Gründen (siehe hierzu auch folgender Artikel von Dirk Elsner:
Eigenkapitalbeschaffung im Mittelstand - Wieso das Geld nicht fließt).
In Deutschland sind nun erstmals
Neugründung per crowdfunding via Internet erfolgreich finanziert worden.
Crowdfunding gilt als ein neues Modell der Risikofinanzierung. Dabei suchen die
Gründer nicht einige wenige Kapitalgeber. An deren Stelle tritt eine Vielzahl von Geldgebern, die durch kleinere Beträge in der Regel stille Beteiligungen erwerben und so das Riskio untereinander aufteilen.
Als erstes junges Unternehmen in Deutschland ist es dem Online-Shop Cosmopol gelungen, sich durch crowdfunding mit kleinen Beträgen von Privatpersonen zu finanzieren. Seit dem 1. August 2011 konnte sich jeder auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch an dem Shop, der sich auf den Verkauf von Lifestyle-Produkten aus über 70 Ländern spezialisierte, mit einer Investition ab 250 Euro beteiligen.
Mit 130 Anleger schaffte Cosmopol die selbst gesetzte Untergrenze von 80.000 Euro und konnte diese sogar überschreiten. Seedmatch ist somit nach eigenen Angaben die erste deutsche Online-Plattform, auf der ein Startup erfolgreich durch viele kleine Investments finanziert wurde.
Das Konzept von Seedmatch, übrigens selbst als Startup erst im Frühjahr gestartet ,
rechne ich zur
Eigenkapitalfinanzierung 2.0, also einem Web 2.0 basierten Ansatz (lesen Sie hierzu auch zwei Beiträge zur Eigenkapitalfinanzierung 2.0 auf blicklog.com). Jens-Uwe
Sauer, Gründer und Geschäftsführer von Seedmatch, ist zufrieden mit den ersten
Finanzierungen. Er sieht darin ein klares Interesse an Startup-Beteiligungen
mit kleinen Beträgen. Crowdfunding, so Sauer weiter, würde für Startups in Deutschland funktionieren.
Gründer stellen ihre Konzepte in
einem Video vor und präsentieren darüber hinaus ihren Geschäfts- sowie
Finanzplan, der nur für registrierte und eingeloggte Interessenten sichtbar
ist. Anleger können sich mit der Zeit ein
individuelles Portfolio zusammenstellen. Die Finanzierung muss in einem
bestimmten Zeitfenster erfolgen, in dem die einzelnen Investitionen einen vom
Startup festgelegten Mindestbetrag erreichen oder besser überschreiten müssen.
Anderenfalls erhalten alle bisherigen Investoren ihr Geld vollständig zurück. Bei erfolgreicher Finanzierung sind die Investoren an möglichen Gewinnausschüttungen beteiligt, profitieren vom Wertwachstum, tragen aber natürlich ebenfalls das Beteiligungsrisiko.
Crowdfunding ergänzt das Besteck der Startup-Finanzierung. Die Entwicklung ist konsequent und nutzt die Möglichkeiten des Webs für geschäftliche Anwendungen. Ich würde jedoch nicht so weit gehen wie Seedmatch selbst, die in einer Presseerklärung davon sprechen, dass crowdfunding das Potenzial habe, den Beteiligungskapitalmarkt zu demokratisieren. Letztlich geht es auf Seiten der Gründer und Investoren immer ums Geschäft. Aber crowdfunding senkt die Kosten für die Beteiligungsfinanzierung erheblich und eröffnet sogar Privatpersonen den Beteiligungsmarkt.
Ich weiß aus meiner Beratungspraxis, dass Eigenkapital für kommerzielle Investoren erst ab einer bestimmten Größenordnung interessant wird, weil der Prüfungs-, Abwicklungs- und Kontrollaufwand für das professionelle Management sonst nicht lohnt. Auf der anderen Seite suchen mittlerweile Private alternative Investmentmöglichkeiten.
Bisher konnten sie sich mit kleineren Beträgen nur über Aktien oder Fonds beteiligen. Dabei verpasst man möglicherweise interessante Chancen. Freilich ist auch das Risiko der Startup-Finanzierung deutlich höher, als bei der Anlage in einen traditionellen DAX-Konzern. Aber gerade deswegen möchten Anleger ja lieber kleinere und verschmerzbarere Beträge riskieren.
Über den Autor: Der Bielefelder Unternehmensberater Dirk Elsner war mehrere Jahre Bereichsleiter einer Bank und Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensgruppe. Heute berät er für die Innovecs GmbH Banken und mittelständische Unternehmen unter anderem zu Finanzierungsthemen, Liquiditätsmanagement, Regulierungsfragen, Planungsanforderungen und Themen des kaufmännischen Managements. Er schreibt regelmäßig für die CFOworld.
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