
Der Sturm der Entrüstung über vermeintlich gierige Vorstände hat sich etwas gelegt. Doch was war eigentlich geschehen? Und vor allem: war die Kritik immer gerechtfertigt?
Vikram Pandit kommt aus Mumbai und verdient pro Jahr nur einen einzigen Dollar. Klingt nach einer traurigen Geschichte – ist es aber nicht. Denn Vikram Pandit kommt genauer gesagt aus einem reichen Vorort Mumbais, und er ist auch kein armer Straßenjunge, der seinen Dollar abgeben muss. Vikram Pandit ist CEO der amerikanischen Großbank Citigroup und dürfte als solcher sogar einiges mehr einnehmen.
Doch sein Gehalt ist ein Symbol, eine Stellungnahme gegen den Vergütungs-Wahnsinn, der vor dem Hintergrund der Finanzkrise ein nie da gewesenes Aufsehen erregt. Manager und Banker werden in einen Topf geworfen, der die Aufschrift "Volksfeind Nr.1" trägt und am besten gleich einem Kannibalenstamm aufs Feuer gestellt werden sollte. Doch so einfach kann es nicht sein.
Die Meinungen zum Thema Vergütung sind so unterschiedlich wie die Ausgestaltung der Gehälter selbst. Das zeigt allein das Beispiel der Citigroup: Während Vikram Pandit auf sein Gehalt verzichtet, bis die Bank wieder profitabel ist, sollen an Finanz-, Investmentbanking- und Verwaltungsratsvizechef zusammen über 7,5 Millionen Euro ausgeschüttet werden. Doch politischer und gesellschaftlicher Druck sind zu hoch, Mitte Januar rudert die Bank zurück. So geschieht es in den folgenden Wochen auch bei anderen Großbanken, die dabei aber immer eine Frage quält: Wo liegt die Grenze zwischen Maßlosigkeit und Gefahr – der Gefahr, das Top-Management an die Konkurrenz zu verlieren?
Rückblick: In den 60er Jahren beginnt die Kienbaum Consultants International GmbH damit, regelmäßige Vergütungsstudien durchzuführen, darunter auch Studien zum Thema Managementvergütung. 1976 liegt das durchschnittliche Grundgehalt eines Top-Managers zwischen 100.000 und 140.000 Mark, 80 bis 85 Prozent dieses Gehalts sind fix.
1983 verdient man in der Chefetage etwa 225.000 Mark, zehn Jahre später durchschnittlich 424.400 Mark. Managergehälter steigen in diesem Zehnjahreszeitraum um mindestens 60 Prozent, während normale Angestellte einen Zuwachs von 30 bis 40 Prozent erfahren.
Das liegt hauptsächlich an den variablen Vergütungsanteilen, die in diesen Jahren an Bedeutung gewinnen. Dienstwagen, Aktienoptionen, Gewinnbeteiligungen – bereits Anfang der Achtziger machen Tantiemen gut 30 Prozent eines Vorstandsgehaltes aus. Um Anreize setzen zu können, um die Besten für das eigene Unternehmen zu gewinnen. Bis heute ist das ein legitimes Instrument der Personalakquise, bis heute geht das Konzept für viele Unternehmen auf.
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