
Europäische Unternehmen kürzten ihre Reisekosten in den letzten zwei Jahren massiv. Gut jeder zweite Geschäftsreisende gab an, komplett auf Geschäftsreisen verzichtet zu haben, etwa genauso viele landeten wenn überhaupt in einer geringeren Hotelkategorie. Doch Deutschland ist die beliebteste Tagungsdestination Europas und verzeichnet dadurch weniger Einbußen im Veranstaltungsmarkt.
Quelle: Statista, Europäischen Instituts für Tagungswirtschaft
Europäische Unternehmen haben ihre Angestellten seit 2007 wesentlich weniger reisen lassen. Das belegt das vom Europäischen Institut für Tagungswirtschaft durchgeführte „Meeting- und Eventbarometer 2009“. Neben über 500 Veranstaltungszentren, Tagungshotels und Eventlocations gaben auch 79 Experten aus Fachverbänden, Fachpresse, Reiseunternehmen, Tourismusorganisationen und Forschungsinstituten Auskunft ihre Beobachtungen am Veranstaltungsmarkt. Für Tagungen wurden demzufolge in 2008 nur noch 25.000 bis 100.000 Euro ausgegeben, 2007 waren es noch 100.000 bis 500.000 Euro gewesen. Dennoch: Deutschland gilt weiterhin als der beliebteste Austragungsort von Veranstaltungen, die hauptsächlich wirtschaftlichen, politischen oder kulturellen Hintergrund haben.
Top-Bewertungen erreichte Deutschland sowohl für die Infrastruktur als auch für Sicherheit, hohen Standard und touristische Attraktivität. Damit steht es in der Beliebtheit auf Platz 1 vor Spanien, Österreich und der Schweiz. Die Top 5 der Bundesländer bleibt dabei unverändert: Bayern vor NRW, Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die beliebtesten Großstädte sind Berlin, München und Frankfurt am Main, das Rhein-Main-Gebiet ist beliebteste Metropolregion. Außerdem waren 82,3 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass sich das Image Deutschlands als Tagungs- und Veranstaltungsdestination weiter verbessern wird.
Ob die positive Beurteilung auch eine wirtschaftlich positive Zukunft bringt, ist noch fraglich. Nur gut ein Fünftel der befragten Experten glaubten Mitte des Jahres daran, dass die Zahl von Veranstaltungen außer Haus zunehmen würde. Viele maßen Incentives und Events wesentlich weniger Bedeutung zu als Meetings und Seminaren – und die kann man schließlich auch im eigenen Haus oder zumindest in der Nähe durchführen.
Auch Flugreisen wurden drastisch gekürzt, ebenfalls jeder zweite befragte Experte berichtete von ausgefallenen Geschäftsreisen. Nur ein Drittel habe sich dagegen vom Flugzeug auf die Bahn verlagert. Trotzdem scheint es vielen Unternehmen neuerdings verstärkt um Klimaschutz zu gehen: Nach Meinung der Experten stufen mehr als die Hälfte der Veranstalter (58 Prozent) die Klimaschutzziele als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ ein.
Für die weitere Zukunft gehen Experten nicht von einer Steigerung der aufgewendeten Mittel aus: Nachdem 2008 noch mehr als die Hälfte der Experten eine Steigerung der Ausgaben prognostiziert hatte, klangen die Stimmen von nur noch 8,9 Prozent Mitte dieses Jahres sehr verhalten. . Das deckt sich mit dem Trend, den die Deutsche Zentrale für Tourismus aktuell feststellt: „Zum Ende dieses Jahres sind die Geschäftsreiseaktivitäten nach wie vor rückläufig“, so eine Sprecherin. Für 2010 aber hoffe man wegen des internationalen Aufschwung auf eine Wiederkehr zum Wachstum wie in 2007. Das nächste „Meeting- und Eventbarometer“ wird voraussichtlich im Mai 2010 vorgestellt.
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