
Viel wird derzeit unter dem Schlagwort „Big Data“ über die Bedeutung und den Umgang mit immer größeren, oft wenig strukturierten Datenmengen diskutiert. Doch selbst prominente Experten sind sich aktuell nur in einem Punkt einig: Wir stehen am Anfang einer neuen technischen Entwicklung.
Jedes IT-Jahrzehnt hat seine Technologietreiber und Erzeuger zusätzlicher Datenmengen. War es in den 80er-Jahren der PC, folgten in den folgenden Dekaden das Internet, Ubiquitous Computing (oder "Internet der Dinge") sowie in diesem Jahrzehnt vielleicht die Sensorentechnik, sprich: Chips, die Daten nicht nur aussenden, sondern auch erfassen.
All diese "Big-Data"-Techniken seien der Anfang einer erst ansatzweise erkennbaren Technologieentwicklung der kommenden Jahre, prophezeit der prominente Futurist und promovierte Physiker Dr. Michio Kaku. Auf einem Experten-Panel des Data-Warehouse-Spezialisten Teradata sagte Kaku, dass sich die Wirtschaftswelt auf dem Weg zu einem "perfekten Kapitalismus" befinde, in dem Verbraucher und Vermarkter über unbegrenztes Wissen verfügten.
Für Unternehmen werde es damit zu einer großen Herausforderung, aus dem gesamten Wissen und sämtlichen Erfahrungen praktisch "Weisheit" zu extrahieren, mit der sich die Industrie und der eigene Business-Plan weiterentwickeln lassen. Ansonsten drohe das wirtschaftliche Aus.
Kaku und die übrigen Diskutanten beklagten, dass „Big Data“ mal wieder so ein Marketingbegriff sei, der wenig zur Klärung dieses wichtigen Themas beitrage. „Die schiere Datenmenge ist nicht das spannende Thema, sondern die Vielfalt und unterschiedlichen Strukturen der Daten. Statt Transaktionsdaten werden wir künftig immer mehr "Interaktionsdaten" wie Clickstreams, Social Media und Sensoren analysieren müssen", sagte Stephen Brobst, Chief Technology Officer von Teradata.
Perfekter Kapitalismus bedeute für ihn, dass der Verbraucher einen vollständigen Zugang zu den Daten erhält. Wurden früher Daten in Data Warehouses in erster Linie für die eigenen Mitarbeiter aufgebaut, müssen man künftig beispielsweise Handelspartnern Zugriffe einräumen. In Branchen wie dem Gesundheitswesen oder bei Finanzdienstleistern gebe es bereits solche Ansätze, die Kunden eigene Auswertungen und Planungen gestatten.

Vor zu viel Technikeuphorie warnte indes Data-Warehouse-Miterfinder Barry Devlin. Die Diskussion um Big Data und ihre wachsende Verfügbarkeit werfe bislang ungelöste organisatorische, soziale und moralische Fragen auf. Es sei beispielsweise zu klären, wie und von wem solche Daten genutzt werden sollen. "Sollten wir den Internetdaten genauso trauen wie den eigenen Transaktionsdaten und sie konsistent halten?"
Und wer stelle eigentlich sicher, dass man intern die Daten richtig bewerte, denn seines Wissen gebe es nur wenige ausgebildete Statistiker: "Die meisten können es nicht und werden zu falschen Aussagen kommen", gab Devlin zu bedenken. Ebenso solle man nicht glauben, dass immer mehr Daten und Informationen zu immer mehr Wachstum verhelfen könnten. Es sei endlich an der Zeit, dem Wachstumsglauben abzuschwören und als Unternehmen wieder darüber nachzudenken, was seine eigentlichen Ziele und Aufgaben seien.
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