Finanzplanung

Beziehungen mit Sollbruchstellen

Finanzplanung: Beziehungen mit Sollbruchstellen
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Banken geraten unter Druck, allerdings nicht allein wegen der anhaltenden Flut an Meldungen. Dirk Elsner nennt zwei Szenarien, die zum Bruch der Beziehung zum Kunden führen könnten.

2. Aug 2012

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In den letzten Monaten und Jahren hat eine nahezu unerträgliche Welle von Skandalen das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Finanzwelt nachhaltig erschüttert. Diese Feststellung bedarf heute keiner besonderen Anstrengung mehr. Der gerade hoch kochende Skandal um die Manipulation des auch für die Unternehmensfinanzierung relevanten Referenzzinssatzes London Interbank Offered Rate (LIBOR) markiert hier lediglich einen weiteren Meilenstein.

Der der aktuelle Zustand für die Gesellschaft und für Bankkunden ist deshalb unerträglich, weil die Finanzwelt seit Jahren direkt oder indirekt mit Billionenbeträgen gestützt und subventioniert wird, ohne das auch nur in Ansätzen erkennbar ist, wie sich die Finanzbranche künftig ihren eigenen Wertbeitrag für die Realwirtschaft vorstellt. Vollmundige Worthülsen, man müsse etwas und sich ändern, blieben bisher ohne Beleg.

Flut an Meldungen verstärkt Zweifel

Die Beteiligung der Banken an der Debatte über Erneuerung des Finanzsystems ist eingeschlafen - wenn sie überhaupt je eigene Beiträge leisteten. Freilich hört man in der Praxis, dass die öffentlichen Schlagzeilen deutlich negativer sind als die persönlichen Eindrücke, die viele Kunden aus Gesprächen mit den Bankern ihres Vertrauens mitnehmen. Und dennoch: Auch in Unternehmenskreisen rumort es. Die Flut an Meldungen verstärkt die ohnehin erheblichen Zweifel in den Finanzabteilungen von Unternehmen an den Kompetenzen der Finanzbranche - etwa Meldungen über schlechte Beratung, mangelhaft gesteuerte Börsengänge, Manipulationen von Zinssätzen, Unterstützung krimineller Vereinigungen oder auch mangelnder Fähigkeit, die eigenen Risiken zu managen.

Nach meinen Eindrucken aus vielen Gesprächen und Beratungsmandaten steigt in Unternehmen derzeit deutlich die Bereitschaft, unabhängiger von Banken zu werden. Die Gründe dafür liegen aber nicht zwingend in der Skandalwelle: Vielmehr haben die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt, dass die Beziehungen zwischen Banken und Unternehmen neuerdings durch zwei Sollbruchstellen unter Druck geraten und brechen könnten.

Sollbruchstelle 1: Banken ziehen sich zurück, wenn ihre Kunden schwächeln. Dieses Verhalten hat zahlreiche Unternehmen in den letzten Jahren verschreckt. Während sich früher Unternehmer und Manager darauf verlassen konnten, dass ihre Hausbanken mit ihren langjährigen Kunden auch Durststrecken durchstehen, hat dieses Vertrauen in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen stark gelitten.

Sollbruchstelle 2: Unternehmen können sich nicht auf ihre Bank verlassen, wenn sie schwächelt. Dieses Szenario existierte bis zur Finanzkrise im Prinzip nicht. Eine schwache Bank gab es im Vokabular der Unternehmenspraxis nicht. Mittlerweile wurde deutlich, dass Banken sehr schwach werden können und in der Folge die Unternehmensfinanzierung einschränken oder sich aus bestimmten Geschäftsbereichen zurückziehen, wie man dies gerade am Beispiel der Schiffsbauindustrie beobachten kann.

Finanzverstände kalkulieren neuerdings die potenziellen Konsequenzen dieser Doppelschwäche. Banken selbst tun sich nach meinem Eindruck weiter ausgesprochen schwer, glaubhafte Antworten auf diese für Unternehmen wichtigen Szenarien zu finden. Das ist erstaunlich, weil gerade das Finanzierungsgeschäft mit mittelständischen Unternehmen wieder in den Fokus der Bankstrategen rückt. Viele Unternehmen sind daher gespannt, wie sich die Finanzbranche künftig positionieren will.

Dirk Elsner war mehrere Jahre Bereichsleiter einer Bank und Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensgruppe. Heute berät er für die Innovecs GmbH Banken und mittelständische Unternehmen. Daneben betreibt er privat das preisgekrönte Finanzblog Blick Log. Sie erreichen ihn per E-Mail unter dirk.elsner(at)innovecs.de. Die letzten Beiträge von Dirk Elsner: