
Die Finanzierung über Banken stockt bis auf Weiteres. Dabei bleiben die Konditionen für erstklassig besicherte Unternehmen günstig. Dirk Elsner nennt Zahlen und Gründe.
Die Lage an den Märkten für Unternehmenskredite ist weiterhin durchwachsen. Während ich aus Gesprächen mit der Wirtschaftspraxis nicht unter dem Eindruck stehe, dass sich eine finanzmarktinduzierte Liquiditätsnot ausbreitet, sieht es bei der Vergabe von Neukrediten an Unternehmen immer noch holprig aus. Viele Unternehmen haben aber aus den schlechten Erfahrungen in der Finanz- und Wirtschaftskrise gelernt: Sie passten ihr Liquiditätsmanagement an und bildeten ausreichende Reserven. Sie fragen sich angesichts der anhaltenden Schulen- und Bankenkrise, wie im letzten Beitrag skizziert, wie sie ihre Liquidität managen sollen.
Natürlich besteht weiterhin ein Finanzierungsbedarf über Banken - trotz der Liquiditätshortung und der Zunahme alternativer Finanzierungsmittel. Die Kreditvergabeprozesse werden aber, wie zuletzt im Beitrag Defizite im Kreditprozess beschrieben, immer noch als ausgesprochen zäh empfunden: Vielen Unternehmen schmecken die langen und umständlichen Entscheidungsprozesse nicht. Zudem empfinden sie Auflagen für die Besicherung zum Teil als Knebelung.
Freilich kann ich die Positionen der Banken verstehen, denn
Die Finanzierung über Banken wird also bis auf Weiteres stocken. Die vom Ifo-Institut monatlich ermittelte Kredithürde für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im Juli 2012 wieder leicht um 1,3 Prozentpunkte angestiegen. Von den befragten Unternehmen, so informierte das Institut, berichteten 21,2 Prozent von einem restriktiven Zugang zu Krediten. Dies sind aber immerhin weniger Firmen als noch vor 12 Monaten. Die Finanzierungsbedingungen für die deutsche Wirtschaft dagegen bezeichnet das Institut als immer noch extrem günstig. Diese Sicht teilen freilich nicht alle Unternehmen.
Eine Umfrage der Deutschen Bank unter mittelständischen Unternehmen bestätigt das Bild von den schwieriger werdenden Kreditbedingungen. Allerdings ging es bei dieser Umfrage um mittelfristige Veränderungen durch Basel III. Die Bank untermauert in ihrer Erklärung zu der Studie meine hier in zahlreichen Beiträgen dargestellte Wahrnehmung aus der Praxis: Viele Unternehmen haben ihre Finanzierungsquellen diversifiziert und ihre Eigenkapitalbasis gestärkt. 73 Prozent der befragten Unternehmen wollen ihr Rating durch eine Reduzierung der Verbindlichkeiten verbessern.
Insgesamt würde ich die Finanzierunglage für „normal“ ausgestattete, mittelständische Unternehmen derzeit zwar als angespannt im Vergleich zum Jahr 2007 aber als kontrollierbar bezeichnen. Anders sieht es bei großen Finanzierungen aus. Die Finanzierung große Projekte, wie Schiffe und Immobilien- oder industrieller Projekte ist deutlich anspruchsvoller geworden - wenn man es positiv ausdrückt. Das Handelsblatt schrieb Mitte Juli 2012, dass die deutsche Immobilienwirtschaft Alarm schlage: Die Branche habe Angst vor einer Kreditklemme, weil sich Banken zunehmend aus der gewerblichen Immobilienfinanzierung ganz oder teilweise zurückziehen. Ähnliche Sorgen macht man sich in der Schifffahrt breit, nachdem die Commerzbank aus der Schiffsfinanzierung ausgestiegen ist.
Es gibt keinen Anlass, um sich zurückzulehnen, auch nicht für erstklassig besicherte und mit reichlich Eigenkapital ausgestattete Unternehmen. Es bleibt eine Binsenweisheit, dass für CFOs die Lage je nach individueller Unternehmenssituation weiter angespannt bleibt. Die Suche nach alternativen Finanzierungsquellen wird weitergehen.
Dirk Elsner war mehrere Jahre Bereichsleiter einer Bank und Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensgruppe. Heute berät er für die Innovecs GmbH Banken und mittelständische Unternehmen. Daneben betreibt er privat das preisgekrönte Finanzblog Blick Log. Sie erreichen ihn per E-Mail unter dirk.elsner(at)innovecs.de.
Die letzten Beiträge von Dirk Elsner:
Bleiben Sie immer auf dem Laufenden mit dem CFOworld-Newsletter. Einfach E-Mail-Adresse eingeben und auf "Bestellen" klicken.