
Spanien wird internationale Hilfe für das Bankenwesen erhalten. Sowohl die Bedingungen als auch die Höhe stehen noch offen. Dirk Elsner bezweifelt jedoch, dass es dabei bleibt: Bisher folgte jeder Staatshilfe eine weitere Marktstütze. Womöglich ist die Krise unendlich.
Nun sollen es also die spanischen Banken sein: Am vergangenen Wochenende hat sich die spanische Regierung dazu durchgerungen, unter einen aktuellen europäischen Rettungsschirm zu schlüpfen und in der Höhe noch nicht bekannte Milliardenhilfe für den Bankenrettungsfonds FROB zu beantragen. Damit sollen vor allem die Banken des Landes rekapitalisiert werden – die genauen Bedingungen sind ebenfalls noch offen.
An den Finanzmärkten wurde dieser Schritt erwartet, obwohl die spanische Regierung ihn noch vor wenigen Wochen bestritt. Freilich ist noch unklar, ob der bestehende Rettungsfonds EFSF oder der künftige ESM in Anspruch genommen werden sollen.
Über die Höhe der Inanspruchnahme wird spekuliert – dies ist angesichts der Fülle an beteiligten “Fachleuten” erstaunlich. Nach einer Stresstestschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden Hilfen von mindestens 40 Milliarden Euro benötigt. Die Denkfabrik Centre for European Policy Studies rechnet dagegen mit deutlich höheren Verlusten: Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg kommt sie auf 250 Millarden Euro.
In der Finanzbranche und in Unternehmenskreisen wird man mit Erleichterung auf die Maßnahmen reagieren, denn niemand weiß genau, welche Konsequenzen ein weiteres Taumeln für die europäische Finanz- und Realwirtschaft gehabt hätte. Wäre der spanische Finanzsektor nicht stabilisiert worden, hätten auch deutsche Kreditunternehmen über Zweit- und Dritteffekte deutliche Probleme bekommen – dies dürfte unstrittig sein. Aus dem Finanzbericht 2011 der Deutschen Bank (pdf, 448 Seiten) erfährt man etwa, dass das Nettokreditrisikoengagement gegenüber spanischen Institutionen, also gegenüber Banken, Unternehmen und dem Staat 16,321 Milliarden Euro per Ende 2011 betrug (siehe Seite 71 f.).
Es ist offen, ob und für wie lange sich mit diesen Maßnahmen das Vertrauen der Finanzmärkte zurück gewinnen lässt. Die Unternehmenspraxis hält sich unter anderem wegen der unterschiedlichen Schätzungen mit Optimismus zurück. Außerdem, so kritisierte am Wochenende ein Finanzmanager, hätten die vergangenen Jahre gezeigt, dass jeder Staatshilfe eine weitere Marktstütze folgte.
Daneben hat Spanien in den letzten Jahren bereits einige Male das Bankensystem reformiert. Jedes Mal, so das Handelsblatt, “verkündete der jeweilige Finanzminister, mit der Umsetzung der jetzigen Reform seien die Banken nun wirklich grundsaniert und gegen alle denkbaren Risiken geschützt.” Für Entwarnung gibt es also keinen Anlass.
Für Skepsis sorgt außerdem, dass weiterhin unklar ist, welche weiteren Risiken in den Bilanzen internationaler Banken schlummern. Die mittlerweile stark umstrittenen Bilanzierungsmethoden (siehe exemplarisch: Schluss mit dem Bewertungsunfug bei Banken) sorgen für Unsicherheit bei vielen Finanzmanagern großer Unternehmen. Sie sind weiterhin sehr stark gefordert, wenn es um das Liquiditätsmanagement geht: Viele Institutionen parken große Summen mittlerweile lieber zu geringen oder gar negativen Zinsen beim Bund, weil sie dort die höchste Sicherheit erwarten.
Mit einem Ende der seit dem Jahr 2007 andauernden Bankenkrise rechnet kaum jemand. Man ärgert sich in vielen Unternehmen verständlicherweise darüber, dass trotz massiver Stützungen, sowohl direkte als auch indirekte, die Finanzbranche selbst nicht in der Lage ist, ihre Probleme aufzuarbeiten – geschweige denn sie zu lösen. Daneben steht offen, wie es mit Spanien selbst am Kapitalmarkt weiter geht. Einige Fachleute erwarten, dass Spanien selbst nun für die nächsten benötigten Kredite die Unterstützung des künftigen ESM benötigt.
Dirk Elsner war mehrere Jahre Bereichsleiter einer Bank und Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensgruppe. Heute berät er für die Innovecs GmbH Banken und mittelständische Unternehmen. Daneben betreibt er privat das preisgekrönte Finanzblog Blick Log. Sie erreichen ihn per E-Mail unter dirk.elsner(at)innovecs.de.
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