
Wie meistern Finanzvorstände den Spagat zwischen Informationspflicht und Offenlegung? Ernst & Young stellte Regeln zusammen: Risiken sollten offen zur Sprache kommen.
Investoren wollen aktuell und verständlich informiert werden. Finanzvorstände stehen dabei vor der Aufgabe, den Spagat zwischen Informationspflicht und Offenlegung zu meistern. Ernst & Young rät im Rahmen der Studie The Master CFO Series 2012 dazu, folgende Kommunikationsregeln zu beachten.
Der klassische Geschäftsbericht ist überholt. Vielen Investoren – das zeigt die Studie – ist er nicht aktuell genug. Sie wollen nicht über Vergangenes, sondern über die Zukunftsaussichten informiert werden. Und vor allem dann, wenn gegenwärtig etwas passiert ist. Ein sicheres Indiz für Handlungsbedarf ist, wenn mehrfach die gleiche Frage auftaucht. Aber Vorsicht: Investoren sollten zwar aktuelle Informationen erhalten, jedoch sollten sie nicht mit unnötigen Details bombardiert werden.
Wichtig ist, gerade wenn es Probleme gibt, Vertrauen aufzubauen und zu erklären, wieso und welche Maßnahmen eingeleitet werden. Wenn die Investoren die Vorgänge besser verstehen, sind sie auch weniger verunsichert und haben mehr Vertrauen in das Unternehmen. Das gilt auch für rosige Zeiten: Jetzt zählt es, von den erzielten Erfolgen zu berichten und damit bei den Investoren zu punkten.
Investoren zweifeln vor allen Dingen dann an Unternehmen, wenn das Vertrauen gebrochen wird oder es an Transparenz mangelt. Die Anleger wollen nicht nur die Quellen der Finanzierung kennen, sondern auch die Risiken verstehen, die das Unternehmen eingeht. Je eindeutiger und konsequenter die Maßstäbe im Unternehmen gesetzt sind, desto verständlicher sind sie für Außenstehende. Hierbei gilt: In Kontakt bleiben und Investoren vor großen Entscheidungen einbinden.
Der CFO ist die Kontaktstelle zu den Investoren, sollte aber nicht der einzige Ansprechpartner bleiben. Weitere Ansprechpartner im Vorstand oder im Aufsichtsrat zu nennen, macht deutlich, dass der CFO Rückendeckung im Unternehmen hat und bietet den Investoren die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren. Zudem lohnt es, Vertreter aus dem lokalen Management zu Veranstaltungen für Investoren einzuladen oder Niederlassungen von Unternehmen in einem schnell wachsenden Markt zu besuchen.
Bevor tatsächlich etwas schief geht, sollten die Investoren über die eigene Risikobereitschaft in Kenntnis gesetzt werden: Wie reagiert das Unternehmen auf unvorhersehbare Entwicklungen? Wie geht man mit Verlusten um? Wie weit investiert ein Unternehmen weiter, bevor das Projekt endgültig für gescheitert erklärt wurde? Kurzum: Finanzvorstände sollten einen Plan B vorbereiten.
Laut Studie glaubt die Mehrheit der Finanzvorstände und Investoren, dass eine stärkere Ausrichtung auf schnell wachsende Märkte wegen der größeren Risiken wahrscheinlich zu höheren Fluktuationen bei den Anlegern führt. Dagegen hilft nur, sich für das Informieren der Investoren genügend Zeit zu nehmen, um die Strategie des Unternehmens verständlich zu kommunizieren.
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