Mobile Payment

Newcomer bremsen sich aus

Mobile Payment: Newcomer bremsen sich aus
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Im Mobile Payment hat der Wettkampf der Systeme begonnen. Wenn die Newcomer strategische Allianzen schließen, dann bringen sie die Banken in Bedrängnis. Derzeit stehen sie sich jedoch noch selbst im Weg.

23. Jul 2012

von Dirk Elsner

Ich habe in den bisherigen Beiträgen dieser Serie einen Überblick über die Produkte sowie die Akteure im Mobile Payment gegeben - siehe die Übersicht am Ende dieses Beitrags. In den Spielfeldern tummeln sich sowohl traditionelle Banken als auch Zahlungs- und Kartendienstleister sowie Unternehmen, die zur IT- und Telekommunikationsbranche gehören. Die vermeintliche Dominanz der Newcomer ist vor allen Dingen ihrer öffentlichen Darstellung geschuldet. Eine überlegene Strategie ist indes nicht erkennbar. Dies hat vorrangig zwei Gründe: Sie genießen noch nicht das Vertrauen der großen Zahl, und außerdem bremsen sie sich gegenseitig aus.

Genießen die Newcomer das Vertrauen der Kunden?

Banken genießen in Umfragen weiterhin großes Vertrauen, obwohl sie in den letzten Jahren merklich an Reputation einbüßten. Insbesondere Kunden aus dem Unternehmensbereich halten zu den Banken, wenn es um finanzielle Dinge geht. Die neuen Dienstleister besitzen zwar ein modernes Image, aber das bedeutet noch lange nicht, dass Kunden ihnen deswegen ihr Geld überlassen.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG fand heraus, dass 56 Prozent der Konsumenten am ehesten ihren Finanzdienstleistern zutrauen, mobile Services sicher zu handhaben. Hingegen würden nur 7 Prozent ihren Einzelhandelsunternehmen vertrauen, bei Telekommunikations- oder Webunternehmen sind es nur 6 Prozent. Immerhin: 30 Prozent der Befragten vertrauen PayPal - wie auch immer dies gemessen wurde. Die starke Präferenz für Finanzinstitute, so die Vermutung, rührt daher, dass sich viele Kunden weiterhin um ihre Daten sorgen, sprich: um die Sicherheit, wenn es um finanzielle Transaktionen geht.

Freilich sollten sich Finanzinstitute nicht zu sehr auf diese Untersuchung verlassen: Laut einer anderen Studie könnten sich 43 Prozent der befragten Nutzer von Apple-Produkten vorstellen, auch Finanzdienste über Apple abzuwickeln - natürlich vorausgesetzt, dass Apple einen solchen Dienst anbieten wird.

Fragmentierung bremst aus

Die Newcomer strotzen vor Selbstbewusstsein. Google, Amazon, PayPal, Facebook, Microsoft, ebenso einige Telekommunikationsanbieter und vielleicht bald Apple - sie alle wissen, wie man kundenfreundliche Leistungen entwickelt. Für Ebay entpuppt sich das elektronische Bezahlen über PayPal mittlerweile zu einer Goldgruppe: Man verwalte mittlerweile 110 Millionen Nutzerkonten, schrieb das Handelsblatt.

Selbstverständlich werden nicht alle derzeitigen Spieler dauerhaft ihren Platz in dem lukrativen Markt finden. Trotz der vielen Vorzeigeprojekte stehen sich die Telekommunikations- und Internetunternehmen nämlich gerade selbst im Wege. So ambitioniert beispielweise Google an den Start ging, so schwer fällt es nun, die Wallet zu verbreiten - siehe hierzu: Google Wallet said to be seeking more mobile carriers.

Auch um mpass, das gemeinsame Angebot von O2, Vodafone und T-Mobile, ist es wieder still geworden. André M. Bajorat schriebt dazu auf Mobile Zeitgeist, dass O2 zwar Mitte des Jahres 2012 eine erste Version der mobilen Wallet veröffentlichen möchte, eine gemeinsame Strategie der drei Anbieter jedoch nicht zu erkennen sei.

Erschwerend für die neuen Zahlungsmechanismen ist, dass sie untereinander nicht kompatibel sind. Wenn ich also per Amazon Pay meine private Rechnung begleichen will, dann funktioniert das nur, wenn der Empfänger ebenfalls Kunde bei Amazon ist. Ein Übertrag hin zu Google Wallet ist nicht möglich. Die traditionelle Finanzbranche hat hier mit ihrem etablierten Zahlungsverkehrsinfrastruktur, die dank der Single Euro Payment Area (SEPA) nun EU-weit verfügbar sein wird, eine stabile Position, die nicht so einfach aufgebrochen werden kann.

SEPA als Katalysator für das New Payment?

Ich möchte an dieser Stelle die Diskussion über SEPA nicht vertiefen. Die EU-weite Umstellung auf einheitliche Kontonummern (IBAN) und Bankleitzahlen (BIC) soll den Zahlungsverkehr vereinfachen. Sie verursacht aber in Unternehmen erst einmal einen sehr hohen Aufwand: Spricht man mit mittelständischen Unternehmen über SEPA, dann wollen sie nicht viel davon wissen. Ich habe den Eindruck, dass sich nicht dazu motiviert sind, um tausende von Kundendaten dem neuen Verfahren anzupassen. Dies dürfte erst recht für Unternehmen gelten, die Geschäfte nur im Inland machen.

Aufgrund von SEPA könnten weitere Teile des webbasierten Inlandszahlungsverkehrs auf neue Plattformen abwandern. Im Retailgeschäft wird kaum ein Kunde Lust haben, Überweisungsträger oder Onlineformulare mit 22-stelliger Kontonummer auszufüllen, die dann IBAN heißt, und 11-stelliger Bankkennung, die dann BIC heißt. Kunden, die es gewohnt sind, die Bezahlung einfach über das Internet abzuwickeln, könnten sogar vom Installateur oder Dachdecker erwarten, dass er seine Rechnungen über die bequemeren Zahlwege begleichen kann. Wo immer es möglich sein wird, werden viele Kunden, so meine feste Überzeugung, auf alternative Zahlungsverfahren ausweichen. Und dazu gehört auch das Mobile Payment.

Dieser Effekt könnte sich noch intensivieren, sobald sich Unternehmen erst einmal mit den teilweise sehr komplizierten Feinheiten der verschiedenen SEPA-Lastschriften (SEPA Direct Debit) befassen - siehe hierzu: Regelwerke für die SEPA-Basislastschrift und SEPA-Regelwerke für die SEPA-Firmenlastschrift.

Es wird sich freilich erst zeigen, ob und in welchem Umfang es den Webunternehmen und Telekommunikationsanbietern gelingen wird, sich zu etablieren. Unternehmen wie PayPal gelten gerade für Unternehmen als vergleichsweise teuer - siehe zur Preispolitik von PayPal: Mit diesen Gebühren müssen beide Seiten beim PayPal rechnen. Stefan Schneider twitterte vom EHI-Kartenkongress, dass der Weg für PayPal in den stationären Handel wegen der hohen Preise noch steinig sei. Und insbesondere im traditionell für Banken interessanteren Wholesale-Segment des Zahlungsverkehrs spielen die Newcomer gar nicht erst mit.

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