Basel III

Weitere Billionen in Staatsanleihen

Basel III: Weitere Billionen in Staatsanleihen
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LCR und NSFR entwickeln sich zum Hauptproblem für die Unternehmensfinanzierung: Kredite lassen sich notfalls nicht schnell liquidieren. Dirk Elsner berichtet von einer Fachtagung.

27. Sep 2012

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Auf einer Fachtagung des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) zum Thema Finanzierung spielte die bevorstehende Einführung von Basel III eine große Rolle. Zwar ist die rechtliche Umsetzung der Empfehlungen des Baseler Bankenausschusses in Europa noch immer nicht unter Dach und Fach, dennoch stellen sich Banken und Unternehmen trotz großer Bedenken auf das neue Regelwerk ein.

Jochen Flach von der Deutschen Bundesbank stellte noch einmal klar, dass die EU im Gegensatz zu den eigentlichen Empfehlungen die Risikogewichte für Mittelstandskredite um 30 Prozent absenkt. Banken müssen also etwas weniger Eigenkapital als ursprünglich vorgesehen für diese Kredite vorhalten.

Die finale technische Umsetzung von Basel III werde sich voraussichtlich noch einige Monate hinziehen. Flach sprach davon, dass die derzeit in der Abstimmung befindlichen Vorschläge der EU-Kommission für die Richtlinie und Verordnung weiterhin Ermächtigungen enthielten für 72 technische Regulierungsstandards, 36 Durchführungsstandards und 19 Leitlinien.

Die öffentliche Diskussion über die Umsetzung von Basel III dreht sich meist um die Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen an Banken und die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung. Ich habe bereits im letzten Jahr darauf hingewiesen, man müsse ebenfalls auf die Liquiditätsstandards achten - siehe: Liquiditätsstandards nach Basel III. Dr. Thomas Poppensieker von der Unternehmensberatung McKinsey untermauerte diese Einschätzungen auf der Tagung mit Daten, die den Einfluss der neuen Liquiditätskennzahlen auf die Unternehmensfinanzierung zeigen.

Zusätzliche Staatsanleihen in Billionenhöhe

Die Liquidity Coverage Ratio (LCR) zur kurzfristigen Liquiditätssicherung fordert von Banken, dass sie so viel Liquidität bereithalten sollen, um großen unerwarteten Liquiditätsabflüssen für einen bestimmten Zeitraum standhalten zu können. Dafür schreiben die Vorschriften vor, dass Teile der Aktivseite so liquide gehalten werden müssen, dass diese Anforderungen schnell erfüllt werden können.

Der Einfluss auf die Unternehmensfinanzierung liegt damit auf der Hand: Kredite an Unternehmen gehören nicht zu den Aktiva, die sich im Notfall schnell liquidieren lässt. Dazu gehören nur bestimmte Asset-Klassen, vor allem aber Staatsanleihen. Nach einer Berechnung von McKinsey müssten Banken, wollen sie die Anforderungen erfüllen, für 1,3 Billionen Euro zusätzliche Staatsanleihen kaufen. Ein weiterer Vorteil europäischer Staatsanleihen ist ja bekanntlich, dass sie nicht auf die Risikoaktiva nach Basel III angerechnet werden und damit nicht mit Eigenkapital unterlegt werden brauchen.

Zusätzlich erfordert die Net Stable Funding Ratio (NSFR) für den längerfristigen Liquiditätshorizont künftig eine stärkere Fristenkongruenz der Refinanzierung. Verkürzt dargestellt bedeutet dies, langfristige Kredite müssen auch langfristig finanziert werden (goldene Bankregel). Wenn Banken die gegenwärtige Kreditstruktur aufrecht erhalten wollen, dann würden sie ebenfalls nach Berechnung von McKinsey sich für 2,3 Billionen Euro zusätzliche langfristige Refinanzierung beschaffen müssen. Das aktuelle Problem der Banken ist aber, dass kaum jemand bereit ist, ihnen langfristig Geld zu Verfügung zu stellen.

Suche nach Alternativen geht weiter

Beide Zahlen sind grobe Schätzungen. Außerdem ist vermutlich nicht berücksichtigt, dass sie zum Teil gegenläufige Wirkungen haben. Wenn etwa die langfristige Refinanzierung erhöht werden kann, dann muss auch weniger hochliquide Aktiva bereit gehalten werden. Dennoch unterstreichen diese Daten die Wirkungen auf die Finanzierung für Unternehmen.

Banken müssen zwar die Anforderungen zur LCR und NSFR zunächst nicht erfüllen, sondern diese Kennzahlen nur berichten - eine Überprüfung ist erst ab den Jahren 2015 respektive 2016 vorgesehen. Sie werden sich aber bereits jetzt strategisch darauf einstellen und ihre Bilanzen schrittweise entsprechend anpassen. Dazu gehört insbesondere:

  1. Die Veränderung der Kreditstruktur in Richtung kürzerer Laufzeiten
  2. Die Anpassung der Refinanzierungsstruktur durch die Förderung von Verbriefungen

In jedem Fall lässt sich schon heute feststellen, dass die Liquiditätsregeln große Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung haben werden. Für Finanzvorstände ist dies ein weiteres Argument dafür, ihre Bemühungen über alternative Finanzierungsformen nicht nachzulassen.

Dirk Elsner war mehrere Jahre Bereichsleiter einer Bank und Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensgruppe. Heute berät er für die Innovecs GmbH Banken und mittelständische Unternehmen. Daneben betreibt er privat das preisgekrönte Finanzblog Blick Log. Sie erreichen ihn per E-Mail unter dirk.elsner(at)innovecs.de. Die letzten Beiträge von Dirk Elsner: