
Mitarbeiter sagen über ihre Vorgesetzten aus, dass sie die eigenen Ideen nicht unterstützen würden. Die Führungskräfte glauben das Gegenteil - trotz aller Kontrollen.
Sich einbringen, kreativ sein und vor allem die eigene Idee vorantreiben: 73 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland können das in ihrem Unternehmen nicht. Dies ergab die Studie Leadership im Topmanagement deutscher Unternehmen von Rochus Mummert, die dazu 220 Mitarbeiter und Führungskräfte großer und mittelständischer Unternehmen befragte. Die Angestellten sehen die Topmanager in der Verantwortung: Sie fühlen sich von ihnen ausgebremst.
Führungskräfte sehen das jedoch ganz anders: Je weiter ein Mitarbeiter in seiner Position vom Topmanagement entfernt sei, desto unterschiedlicher seien die Ansichten. Knapp zwei Drittel der befragten Topmanager glauben, dass sie auf die Ideen der Mitarbeiter setzen und ihnen Freude am Erfolg vermitteln. Leitende Angestellte fühlen sich zu 42 Prozent in ihren Ideen ernst genommen. Bei den Fachkräften liegt der Wert unter einem Drittel.
Uneinigkeit herrscht auch darüber, wie es die Unternehmen mit der Eigenverantwortlichkeit halten. Drei von vier Verantwortlichen glauben, den Mitarbeitern viel Spielraum bei Entscheidungen zu lassen. Diese Ansicht teilen die Mitarbeiter aber nur zu 25 Prozent. Angesichts der Ergebnisse bestehe großer Handlungsbedarf: Der Erfolg eines Unternehmens hänge auch davon ab, wie sehr die Mitarbeiter hinter dem Management stehen.
Ausprobieren, ein Risiko eingehen und auch mal Fehler machen - das gibt es in deutschen Firmen aus Sicht der Mitarbeiter zu selten. Nur jeder zehnte der Befragten gab an, dass seine Firma ihn bei risikoreicheren Projekten unterstütze. Die Topmanager glauben indes zu 38 Prozent, dass sie ihren Angestellten besagte Fehler zustehen.
Obwohl die Geschäftsführer glauben, dass sie einen Fehlerspielraum zulassen: Ein Drittel setzt lieber auf Kontrolle. Und fast ebenso viele (27 Prozent) gaben an, dass es Vertrauen nur unter Kollegen gibt. Dabei lohne es sich, den Mitarbeitern Verantwortung zu geben: Erfolgreiche Unternehmen sowie Unternehmen, die gute Karriereperspektiven bieten, würden Verantwortung überdurchschnittlich oft an Mitarbeiter übertragen. Mehr Handlungsspielraum und Raum für eigene Ideen schlägt sich folglich im Erfolg eines Unternehmens nieder.
Meistens liegen die Probleme, so das Fazit der Studie, am Kommunikationsverhalten der Führungsebene: Die Unternehmensführung sei zugleich Ursache und alleiniger Problemlöser. Es sei schwierig, eine neue Kultur im Unternehmen zu verankern - wenn die Führungsebene nicht vorbildlich verhalte, müssen es die Mitarbeiter tun. Ihnen fällt dies jedoch oftmals schwer, denn Freiräume in der Gestaltung müssen hart erkämpft werden. Viele würden schlicht nicht ankommen. Ebenso viele würden kurzen Prozess machen und das Unternehmen wechseln. Somit verlieren die Unternehmen ausgerechnet die Mitarbeiter, die sie eigentlich halten wollten.
Dieser Beitrag erschien zuvor auf CIO.de.
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