
Jürgen Schulte-Laggenbeck wollte das größte IT-Projekt der Firmengeschichte umsetzen. Nun muss er den Schaden verantworten - sowohl als CFO als auch als CIO.
Zwei Worte reichen dem Hamburger Otto-Konzern als Begründung für das Scheitern eines SAP-Projektes: sehr komplex. Das im Jahr 2009 gestartete Vorhaben, die Anwendungslandschaft mit SAP-Standardsoftware zu zentralisieren, habe sich als sehr komplex herausgestellt. Nun wurde das ehrgeizige Vorhaben mit dem Namen Passion for Performance (P4P) gekippt. Otto hatte es im April vorigen Jahres als größtes IT-Projekt der Firmengeschichte bezeichnet.
Das Unternehmen schnwenkt nun auf Dezentralisierung um. Offiziell heißt es: "Aus Sicht der Otto Group stärkt diese Entscheidung zum dezentralen Management der IT die Schlagkraft und Wettbewerbsfähigkeit der Konzernunternehmen nachhaltig."
Die Otto Group werde nun selbstverständlich in ihre IT investieren und diese dezentral zukunftsfähig ausrichten. Eine zentrale IT-Governance soll dafür sorgen, dass übergreifende Zielsetzungen verfolgt werden können.
Ärger mit P4P zeichnete sich schon länger ab. Bereits im Frühjahr 2011 verließ Thomas Tribius, seinerzeit CIO, den Konzern. Otto rief damals eine Analysephase für das Projekt aus. Diese wurde auf sechs Monate angesetzt und sollte Zeit geben, die Strukturen nochmals zu überdenken. Tribius folgte ein Trio an der IT-Spitze nach: Uwe Kolk, Christoph Möltgen und Michael Picard. Picard wechselte jedoch Anfang 2012 als Personalchef zur Metro. Seine Aufgaben übernahm Inken Stavenhagen.
Diese drei Direktoren des internen IT-Dienstleisters Group Technology Partner (GTP) berichten an Jürgen Schulte-Laggenbeck. Er ist Finanz- und IT-Vorstand der Otto Group. Was das Ende des SAP-Projektes für GTP bedeutet, das wollte ein Sprecher der Otto Group nicht präzisieren. Dafür sei es noch zu früh, so der Sprecher. Eines aber sei klar: "Die GTP wird sich neu positionieren müssen."
Den finanziellen Schaden beziffert der Sprecher auf einen zweistelligen Millionenbereich. Knapp hundert Kollegen hätten an P4P gearbeitet. Dennoch will der Sprecher beim Scheitern des Großprojektes nicht nur negative Folgen sehen: Die Erfahrungen und das gewonnene Wissen nützten dem Konzern.
Keinesfalls sei das Ende von P4P als Entscheidung gegen SAP zu verstehen, so der Sprecher weiter. Einzelne Gesellschaften des Konzerns wie beispielsweise Sport-Scheck und Bon Prix haben sich für SAP entschieden.
Bleiben Sie immer auf dem Laufenden mit dem CFOworld-Newsletter. Einfach E-Mail-Adresse eingeben und auf "Bestellen" klicken.