
Der Handel mit Gebrauchten stagniert, eCars sind Ladenhüter, zudem verkleinern Firmen ihre Flotten. Dennoch verzeichnen die Autobanken ein Rekordjahr. Der Drei-Jahres-Tender der Europäischen Zentralbank kam dabei gelegen.
Details zur Umsetzung von Basel III? Ein großes Thema, auch für Autobanken, behaupten Klaus Bentz und Michael Reinhardt, die beiden Sprecher der Banken und Leasinggesellschaften der Automobilwirtschaft (AKA). Sie mühen sich darum, die Aufmerksamkeit auf das operative Ergebnis zu lenken. Zur eigenen Finanzierung verlieren sie kaum ein Wort – auch auf die Fragen der Journalisten nicht: Drei-Jahres-Tender der EZB? Man habe ihn in Anspruch genommen. Trotz angeblich hoher Bonität? Die Refinanzierungssituation der Autobanken sei positiv.
So wie überhaupt das vergangene Jahr: Man verzeichne Rekorde – entgegen verhaltener Prognosen. Über 1,3 Millionen Neuwagen wurden Verträge abgeschlossen, eine Steigerung um 10 Prozent zum Vorjahr. Hinzu kommen durchschnittlich 1,6 unterzeichnete Dienstleistungsverträge pro Auto, also 2,1 Millionen in der Summe. Darüber hinaus könne man erste Erfolge vorweisen im Handel mit Gebrauchtwagen und elektronischen Mobilen, auch eCars genannt.
Der AKA ist die Dachorganisation aller herstellerverbundenen Finanzdienstleistungsgesellschaften in Deutschland, insgesamt 33 Automobilmarken gehören ihr an. Laut eigener Angabe zählen sie gemeinsam mehr als zehn Millionen Kunden, sowohl aus dem privaten als auch aus dem gewerblichen Umfeld. Diese nehmen wahlweise Kredite der Autobanken in Anspruch, um ihr Automobil zu finanzieren, oder schlossen Leasingverträge ab. In Summe schlagen diese Geschäfte derzeit mit fast 90 Milliarden Euro zu Buche.
Seit dem Jahr 2009 beträgt der Anteil von Leasing an den gesamtwirtschaftlichen Anlageinvestitionen konstant 15 Prozent – die sogenannte Leasingquote. Anders ausgedrückt: Die bundesweiten Anlageinvestitionen und das Neugeschäft der Leasinggesellschaften nehmen im Gleichschritt zu. Etwa 7 Prozent betrage aktuell das Wachstum, so das ifo-Institut unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamts.
Von diesem Wachstum profitiert insbesondere die Automobilbranche: Laut dem Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) entfallen jährlich etwa zwei Drittel des besagten Neugeschäfts auf Straßenfahrzeuge. Der AKA beansprucht in diesem Segment die Marktführerschaft, zwei von drei nicht bar bezahlten Autos werden durch Autobanken finanziert oder vermietet.
Der eigene Marktanteil sei seit Jahren weitgehend stabil, sagt Bentz. Es kamen zuletzt zwar weitere Anbieter hinzu, aber sie würden eher den Wettbewerb unter den Non-Captives stärken, also den herstellerunabhängigen Vertretern am Markt. Konkurrenz ist demnach so schnell nicht zu befürchten. Man begrüße aber den Wettbewerb, und man beobachte ihn sehr genau – „er hält uns wach“, sagt Bentz.
Wenn überhaupt Gefahr besteht, dann geht sie von den eigenen Kunden aus: Trotz aller neu zugelassenen Wagen konnten sowohl die privaten als auch die gewerblichen Abgänge nicht kompensiert werden – der Bestand sank insgesamt um vier Prozent.
Das ifo-Institut beobachtete zuletzt, wie Unternehmen ihre Flotten dauerhaft verkleinern. Zwar behalten sie auch weiterhin einige Leasingfahrzeuge im Bestand, ergänzen diese jedoch, je nach Bedarf, um kurzfristig gemietete Fahrzeuge – wahlweise mittels Car Sharing oder der sogenannten Nutzwertmiete. Unternehmen senken dadurch ihre Fixkosten und erhöhren die Auslastung der eigenen Flotte. Ebenso sei der Trend zum Downsizing zu beobachten. Dabei werden Fahrzeuge gegen leistungsgleiche, aber verbrauchsgünstigere Modelle ausgetauscht.
Bentz hält dagegen: „Der Bestand hat zwar abgenommen, aber das Vertragsvolumen ist größer geworden“. Um sechs Prozent sei es im Jahr 2011 gestiegen, man könne Forderungen über fünf zusätzliche Milliarden Euro vorweisen. Die Kosten für neu zugelassene Fahrzeuge sind demnach gestiegen. Bentz spricht von einem natürlichen Wertzuwachs: „Der Neuzugang ist höherwertig als die abgelösten Modelle“.
Davon abgesehen würden die Unternehmen derzeit den Nachholbedarf in ihren Fuhrparks erkennen und auch decken. Bentz verweist auf 600.000 geleaste Neuwagen, die seit vorigem Jahr von gewerblichen Kunden in Anspruch genommen werden – im Jahr 2010 konnte man insgesamt 512.000 Leasing-Verträge abschließen, demnach ergibt sich ein Zuwachs um etwa 17 Prozent. Im Gegenzug stagniert der gewerbliche Kauf auf Kredit, bereits im Vorjahr wurden etwa 122.000 Fahrzeuge finanziert.
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