Strategische Unternehmenssteuerung

Dynamische Systeme verstehen lernen

Strategische Unternehmenssteuerung: Dynamische Systeme verstehen lernen
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Die Welt verläuft nicht immer linear. Betriebswirtschaftliches Werkzeug, das die Dynamik außer Acht lässt, scheitert zwangsläufig. Eric Schreyer empfieht eine systemische Denkweise.

30. Jan 2013

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Der Evolutionssystemiker Matthias Horx fordert, etablierte Denkweisen zu durchbrechen. In einem Interview mit Sascha Alexander sagte er, dass die Welt nicht linear verläuft, im Sinne von: Immer mehr Menschen, immer höherer Rohstoffverbrauch. Wir haben es vielmehr mit dynamischen Systemen zu tun, deren Parameter sich ständig verändern.

Er hat recht. Eine systemische Denkweise hilft, Komplexität auf eine Art und Weise gedanklich zu durchdringen, die strukturelle Zusammenhänge und Funktionsprinzipien unversehrt lässt. Die Systemtheorie trägt dazu bei, immer noch vorherrschende Denkmodelle zu überwinden, die zwar analytisch gut gehandhabt werden können, aber die Wirklichkeit nur unzureichend abbilden. So steckt beispielsweise auch die Balanced Scorecard immer noch in ihren Anfängen.

Systemtheorie

Die Systemtheorie ist inzwischen zur grundlegenden Wissenschaft der allgemeinen Managementlehre geworden. Das Institut für Betriebswirtschaft der Universität St. Gallen hat sich schon früh damit befasst, systemtheoretische Erkenntnisse auf die Ökonomie anzuwenden. Hans Ulrich und Gilbert J.B. Probst definieren ein System

als ein dynamisches Ganzes, das als solches bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen besitzt. Es besteht aus Teilen, die so miteinander verknüpft sind, dass kein Teil unabhängig ist von anderen Teilen und das Verhalten des Ganzen beeinflusst wird vom Zusammenwirken aller Teile.

Unternehmen können als Teil eines Supersystems oder selbst als Systeme interpretiert werden. Weitere Teile des Ganzen sind beispielsweise Kunden, Lieferanten sowie Eigenkapital- und Fremdkapitalgeber. Subsysteme finden sich als Abteilungen, Funktionsbereiche oder Projektgruppen. In der strategischen Unternehmenssteuerung gilt es, sowohl die strukturelle als auch die prozessuale Dimension der Unternehmenskomplexität zielgerichtet zu handhaben.

Balanced Scorecard

Die Komplexität eines Systems kann durch Steuerung und Regelung reduziert werden. Mit Hilfe der Steuerung will man erreichen, dass sich das System in einer bestimmten Art verhält und ein Ziel erreicht. Die Balanced Scorecard folgt dieser Überlegung, indem sie aus dem unternehmerischen Generalziel alle Teilziele, Anweisungen oder auch Kennzahlen ableitet. Dadurch macht die Balanced Scorecard ein Unternehmen der ganzheitlichen (systemischen) Steuerung zugänglich.

Im Unterschied zur Steuerung ist die Regelung eine informelle Rückkopplung, um festzustellen, ob das gewünschte Verhalten oder Ziel erreicht worden ist. Das durch Rückkopplung entdeckte Ergebnis wird an die Steuerungsstelle gemeldet, um gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu ergreifen. Die Balanced Scorecard greift auch diese Idee durch „strategisches Feedback und Lernen“ auf. Beim regelmäßigen Einsatz der Balanced Scorecard achtet man auf einen geschlossenen Kreislauf mehrfacher Rückkopplungsschleifen. Rückkopplungs- und Lernprozesse, sogenannte double loops, sorgen immer wieder dafür, Zielabweichungen festzustellen und gleichzeitig Anpassungsprozesse auszulösen. Ein Unternehmen lässt sich mithilfe der Balanced Scorecard ganzheitlich respektive systemisch regeln.

Markenmanagement

Im Zeitalter globalisierter Märkte mit austauschbaren Produkten ist das Markenmanagement eine zentrale Funktion zur Sicherung der langfristigen Überlebensfähigkeit von Unternehmen. Die heutigen Erkenntnisse zum Markenmanagement sind allerdings nur durch stichprobenartige Erfahrungen gekennzeichnet. Es fehlt ein theoretischer Bezugsrahmen. Das Steinbeis Center of Strategic Management arbeitet daran, auf Grundlage systemtheoretischer Überlegungen ein Markenrahmenkonzept zu entwickeln, das ein effektives und effizientes Markenmanagement im dynamischen Umfeld ermöglicht.

Eric Schreyer arbeitet als Manager auf Zeit sowie als beratender Unternehmer. Er war viele Jahre als Geschäftsführer in mittelständischen Unternehmen tätig. Zuvor stand er 18 Jahre bei der Deutsche Bank AG unter Vertrag. Schreyer ist gelernter Bankkaufmann und diplomierter Ökonom. Er schreibt ebenso für seinen Blog Valuation-in-Germany sowie für das Handbuch Unternehmensbewertung im Bundesanzeiger-Verlag. Sie errreichen ihn unter es.mittelstandsberatung(at)googlemail.com. Die letzten Beiträge von Eric Schreyer: