
Sowohl Discounted-Cash-Flow-Verfahren als auch Kennzahlen des Performance Managements fokussieren die operative Entwicklung. Die benötigten Daten müssen jedoch oftmals abgeleitet werden.
Die Rechenwerke des Jahresabschlusses erlauben keine robuste Beurteilung der aktuellen und künftigen operativen Entwicklung eines Unternehmens: Die Gewinn- und Verlust-Rechnung trennt das operative Ergebnis nicht scharf von außerbetrieblichen Einflüssen und Finanzierungseffekten. Zudem werden in der Bilanz betriebliche Aktiva mit nicht betriebsnotwendigem Vermögen vermischt. Die detaillierte Neuordnung des Zahlenmaterials ist ein aufwendiges Verfahren.
Beispielsweise müssen Angaben aus den Anhängen herangezogen werden, um betriebliche von außerbetrieblichen Komponenten zu unterscheiden. Die Durchführung grundlegender Anpassungen ist jedoch entscheidend, um ein verzerrtes Bild durch Doppelzählungen oder künstlich erhöhte Performance durch vernachlässigte Verschuldung zu vermeiden.
Zwei Größen sind dabei sowohl für die Unternehmensbewertung als auch für das Performance Measurement von zentraler Bedeutung: Die Vermögensgröße des investierten Kapitals (Invested Capital, IC), die das im betrieblichem Vermögen gebundene Kapital erfasst, sowie die Erfolgsgröße Net Operating Profit Less Adjusted Taxes (NOPLAT) als Ergebnis aus betrieblicher Tätigkeit nach Abzug von Ertragsteuern, jedoch vor kapitalgeberbezogenen Zahlungen wie Zinsen und Dividenden. So setzt der Return on Invested Capital (ROIC) als zentrale Kennzahl der Kapitalrentabilität das NOPLAT ins Verhältnis zum investierten Kapital.
Im Rahmen der Unternehmensbewertung mittels des Discounted-Cash-Flow-Verfahrens errechnet sich der Free Cash Flow einer Periode als NOPLAT abzüglich des Nettozuwachses des investierten Kapitals. Der Unternehmenswert ergibt sich also zunächst als Barwert aller Zahlungsströme, die aus dem betriebsnotwendigen Vermögens erzielt werden. Nichtbetriebsnotwendige Aktiva werden gesondert bewertet und hinzuaddiert, da diese nicht dazu beitragen, den Cash Flow zu erwirtschaften - beispielsweise überschüssige Liquidität, un- oder fremdgenutzte Grundstücke und Wertpapiere zu Spekulationszwecken.
Die Übergewinngröße Economic Value Added (EVA) hat sich zu einem bekannten Instrument des Wertemanagements im Rahmen des Shareholder-Value-Konzepts entwickelt. Der EVA ist definiert als Differenz zwischen dem betrieblichen Ergebnis und den mit dem Kapitaleinsatz verbundenen Kapitalkosten. Es wird somit die Veränderung des Unternehmenswertes bezogen auf einzelne Geschäftsperioden ermittelt, die im Rahmen des Performance Managements als Steuerungsgröße im Ziel- und Anreizsystem des Managements dienen kann. Um ausschließlich den vom Management erwirtschafteten Beitrag zu erfassen, bildet die Abgrenzung der operativen Komponenten die Ausgangsbasis.
Um eine wirtschaftliche Sicht auf die operative Performance zu erhalten, müssen demnach die aus der externen Berichterstattung eines Unternehmens entnommenen Daten vielfältig angepasst werden. Dabei ist es von großer Bedeutung, sowohl Vermögens- als auch Ergebnisgrößen in drei Kategorien aufzuteilen: Betriebliche Komponenten, außerbetriebliche Komponenten und Finanzierungseffekte.
Anpassungen sind dabei in allen Rechenwerken in konsistenter Weise vorzunehmen: Wird beispielsweise Vermögen, das für den Betrieb nicht notwendig ist, aus der Bilanz eliminiert, so sind zugeordnete Erträge und Aufwendungen nicht im Ergebnis zu berücksichtigen. Mit einer sorgfältigen Abgrenzung der beiden zentralen Größen – IC und NOPLAT – wird somit ist eine wichtige Voraussetzung für Unternehmensbewertung und Performance Management geschaffen.
Stefan Gros ist gegenwärtig als Chief Financial Officer der getgoods.de AG und Senior Advisor für KPMG tätig. Zudem lehrt er Corporate Finance und Business Valuation an der Universität Eichstätt-Ingolstadt. Er ist ehemaliger Finanzvorstand börsennotierter Konzerne, ehem. Senior Advisor von BOOZ & Company, Mitglied des Deutschen Rechnungslegungsstandard Committees und Beirat der Deutsche Bank AG. Weiteres zur Person unter www.stefan-gros.de.
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