Entfernungspauschale

Geänderte Berechnung für Pendler

Entfernungspauschale: Geänderte Berechnung für Pendler
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Pendler, die mehrere Verkehrsmittel nutzen, können Fahrtkosten unter Umständen als Werbungskosten geltend machen. Udo Reuß erklärt das BMF-Schreiben anhand von Beispielen.

24. Jan 2013

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Das Bundesfinanzministerium hat am 3. Januar 2013 ein 16-seitiges Schreiben zur Entfernungspauschale veröffentlicht. Dieses greift die Änderungen durch das Steuervereinfachungsgesetz 2011 und die aktuelle Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs auf. Pendler, die mit verschiedenen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren und gegebenenfalls Park-and-ride nutzen, müssen sich bereits ab dem Jahr 2012 auf eine geänderte Berechnung einstellen. Manche können dadurch weniger Fahrtkosten als bislang absetzen.

Das neue BMF-Schreiben, das zahlreiche Beispiele mit Berechnungen enthält, ersetzt dasjenige vom 31. August 2009. Es ist bereits für die Einkommensteuererklärung 2012 maßgeblich. Die Entfernungspauschale, die Arbeitnehmer für die Strecke Wohnung bis zur regelmäßigen Arbeitsstätte ansetzen können, beträgt weiterhin 30 Cent pro Kilometer.

Geändert hat sich jedoch vor allem die Ermittlung des Betrags, wenn Pendler mehrere Verkehrsmittel nutzen. Grundsätzlich ist auch bei der Nutzung von Bus oder Bahn die Entfernungspauschale anzusetzen. Übersteigen die tatsächlichen Kosten für Fahrscheine die Entfernungspauschale, können diese als Werbungskosten geltend gemacht werden. Wurde bislang bei diesem Kostenvergleich auf jeden einzelnen Arbeitstag abgestellt, gilt ab dem Jahr 2012 das Kalenderjahr als Vergleichsmaßstab.

Beispiel 1

Ein Arbeitnehmer fährt im Kalenderjahr die ersten 3 Monate mit dem eigenen Kraftwagen und die letzten 9 Monate mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur 120 Kilometer entfernten regelmäßigen Arbeitsstätte. Die entsprechende Monatskarte kostet 190 Euro.

Die Entfernungspauschale beträgt bei 220 Arbeitstagen:

220 x 120 km x 0,30 Euro = 7.920 Euro.

Da jedoch für einen Zeitraum von 9 Monaten öffentliche Verkehrsmittel benutzt worden sind, ist hier die Begrenzung auf den Höchstbetrag von 4.500 Euro zu beachten. Die anzusetzende Entfernungspauschale ist deshalb wie folgt zu ermitteln:

165 Arbeitstage x 120 km x 0,30 Euro = 5.940 Euro.

Begrenzt auf den Höchstbetrag von 4.500 Euro zuzüglich

55 Arbeitstage x 120 km x 0,30 Euro = 1.980 Euro

anzusetzende Entfernungspauschale insgesamt 6.480 Euro. Die tatsächlichen Kosten für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel (9 x 190 Euro = 1.710 Euro) sind niedriger; anzusetzen ist also die Entfernungspauschale in Höhe von 6.480 Euro.

Beispiel 2

In manchen Fällen, in denen Arbeitnehmer teilweise oder ganzjährig öffentliche Verkehrsmittel nutzen, können diese weniger Fahrtkosten als noch bis zum Jahr 2011 absetzen. Dies verdeutlicht folgendes Beispiel:

Von der maßgebenden Entfernung von 100 Kilometer entfällt eine Teilstrecke von 30 Kilometer auf Fahrten mit dem eigenen Kraftwagen, so dass sich hierfür eine Entfernungspauschale von

220 Arbeitstagen x 30 km x 0,30 Euro = 1.980 Euro

ergibt. Für die verbleibende Teilstrecke mit der Bahn von 70 Kilometern errechnet sich eine Entfernungspauschale von

220 Arbeitstagen x 70 km x 0,30 Euro = 4.620 Euro.

Hierfür ist der Höchstbetrag von 4.500 Euro anzusetzen, so dass sich eine insgesamt anzusetzende Entfernungspauschale von 6.480 Euro ergibt. Die tatsächlichen Aufwendungen für die Bahnfahrten in Höhe von 2.160 Euro bleiben unberücksichtigt, weil sie unterhalb der für das Kalenderjahr insgesamt anzusetzenden Entfernungspauschale liegen.

Arbeitgeberzuschuss und pauschale Versteuerung

Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Zuschüsse zu den Fahrtkosten zahlen, müssen die neuen Grundsätze berücksichtigen. Eine pauschale Versteuerung der Zuschüsse ist möglich, wenn diese nicht höher sind als der Betrag, den der Mitarbeiter als Werbungskosten geltend machen könnte. Nutzt dieser für die Fahrt zur Arbeit mehrere Verkehrsmittel, dann ist die Pauschalsteuer zunächst auf die als Werbungskosten abziehbare Entfernungspauschale begrenzt. Nur für den Fall, dass die tatsächlichen Aufwendungen für Bahn oder Bus höher als die Entfernungspauschale sind, darf der Arbeitgeber den höheren Zuschuss pauschal versteuern.

Hinsichtlich der Berechnung der Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte stellt das BMF-Schreiben auf ein steuerzahlerfreundliches Urteil des BFH vom 16. November 2011 ab. Zwar gilt grundsätzlich die kürzeste Straßenverbindung, doch wenn der Pendler regelmäßig eine andere, verkehrsgünstigere Strecke nutzt, darf er die hierfür maßgebende Kilometerzahl angeben, auch wenn es mehr sind.

Udo Reuß ist freier Wirtschaftsjournalist. Er arbeitet unter anderem als Chefredakteur von bilanz + buchhaltung. Die Fachzeitschrift erscheint im Verlag von Haufe-Lexware. Die letzten Beiträge von Udo Reuß: