
Dicke Luft in deutschen Unternehmen. Zwar fallen Gehaltskürzungen im europäischen Vergleich noch moderat aus, doch sollte die Geschäftsleitung schleunigst etwas gegen wachsenden Frust tun.
60 Prozent der europäischen Firmen haben die Gehälter im vergangenen halben Jahr eingefroren. Wie eine Umfrage des Beratungsunternehmens Watson Wyatt Heissmann ergab, passten nur 30 Prozent der Unternehmen ihre Vergütungsstrategie an. Lediglich 27 Prozent kommunizierten die Vergütungsstrategie ihren Mitarbeitern systematisch. Führungskräfte tun sich also schwer damit, Angestellten die Folgen der Wirtschaftskrise für die Gehaltsentwicklung zu erklären. Genau das wäre allerdings gefragt.
"Die Firmen sollten hier noch wesentlich mehr tun", sagt Sascha Kamp, Senior Consultant bei Towers Watson (dem zwischenzeitlich aus der Fusion von Towers Perrin und Watson Wyatt hervorgegangenen Unternehmen). Laut der Umfrage sind außer Kostensenkungen Umstrukturierungen derzeit eines der wichtigsten Themen in den Betrieben. Durch neue Strukturen veränderten sich die Rollen vieler Mitarbeiter, so Kamp. Der in diesem Zusammenhang wichtigen Kommunikation an die Mitarbeiter tragen die Firmen allerdings bisher nur unzureichend Rechnung, wie die Studie ergab.
"Denkbar wäre beispielsweise, dass ein klassischer Außendienstmitarbeiter nach Restrukturierungen nun neue beziehungsweise andere Aufgabenschwerpunkte hat", erklärt der Berater. An seine neue Rolle müssten dann auch die Funktionsinhalte, also die Positionsbeschreibung, die Leistungsindikatoren sowie das Vergütungsmodell definiert und angepasst werden, so Kamp.
Er spricht sich dafür aus, dass Firmen gute Leistungen entsprechend belohnen. Gleichzeitig sei eine Differenzierung nötig, um in der Krise gute Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden (mehr zum Problem der Haltekosten finden Sie hier).
Außer im Top-Management sind variable Vergütungsanteile Kamp zufolge mittlerweile bis in den Tarifbereich hinein nicht unüblich. Derzeit seien viele Firmen damit beschäftigt, Leistungskriterien für variable Vergütungsanteile anzupassen. Gehaltssteigerungen "nach dem Gießkannenprinzip" gäbe es immer seltener, stattdessen versuche man, Positionen mit Schlüsselrollen und "Top-Leister" zu identifizieren.

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