
Deutsche Unternehmen liegen bei der Kapitalbindungsdauer weit über der europäischen Konkurrenz. Nur DAX-Unternehmen senken den Schnitt etwas.
Bis auf wenige Ausnahmen konnten DAX-Unternehmen im vergangenen Jahr ihr Working Capital verbessern. Zu diesem Schluss kommt jetzt eine Studie von REL Consultancy, eine Tochter des Beratungsunternehmens The Hackett Group.Kapitalbindung im Schnitt bei 68 TagenREL hatte für die Studie 933 europäische Unternehmen untersucht, darunter 133 aus Deutschland. Danach zeigte sich, dass die untersuchten DAX-Konzerne ihren DWC-Wert (Days Working Capital – Kapitalbindung des Umlaufvermögens in Tagen) 2009 von 70 auf 62 Tagen verbesserten. Sie liegen damit besser als der Gesamtdurchschnitt aller 133 Unternehmen, der sich von 64 auf 68 Tage verschlechtert hat.Marktstellung und Ressourcen entscheidenLaut REL ist das Ergebnis wenig überraschend, da DAX-Unternehmen gegenüber Kunden und Lieferanten eine stärkere Marktmacht besäßen als kleinere Unternehmen und daher bessere Konditionen erzielen könnten (lesen Sie auch unsere Tipps zum Forderungsmanagement). Hinzu komme laut Bernhard Wenders, REL-Direktor Deutschland, dass die personellen und finanziellen Ressourcen für Projekte im Bereich des Working-Capital-Management bei den DAX-Konzernen einfach größer sind."Deutschland weit abgeschlagenInsgesamt lasse sich das Working-Capital-Management deutscher Unternehmen noch erheblich verbessern. „Deutschland rangiert im europäischen Vergleich auf dem drittletzten Platz und damit ganz klar hinter den Spaniern, die mit rund 22 Tagen ihre Kapitalbindungsdauer im Nettoumlaufvermögen sehr gering halten und die Liste anführen“, erläutert REL-Direktor Wenders (lesen Sie unsere Tipps zur Verbesserung des Working Capital).Geld für Investitionen fehltDieser Zustand führt zu einem klaren Wettbewerbsnachteil für den Wirtschaftsstandort Deutschland, weil das im Umlaufvermögen gebundene Kapital den Unternehmen für selbstfinanzierte Investitionen und andere Wachstumsmaßnahmen fehlt.Mehr Effizienz in EuropaInsgesamt haben 551 der 933 analysierten europäischen Unternehmen ihr Umlaufvermögen im vergangenen Jahr effizienter gesteuert als 2008. Ein Trend, der vermutlich nicht anhalten wird. "Nach wie vor wird Profitabilität ein höherer Stellenwert eingeräumt als Liquidität", resümiert Wenders.
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