
Was die vereinbarungsgemäße Zahlung von Rechnungen oder zumindest die schnelle Nachzahlung bei Verzug betrifft, sind deutsche Unternehmen derzeit äußerst zuverlässig. Gerade im Süden der Republik ist man besonders zahlungswillig.
87,74 Prozent aller deutschen Unternehmen waren im letzten Quartal in der Lage, ihre Rechnung vereinbarungsgemäß zu bezahlen. Ein Rekordwert, so der Anbieter von Wirtschaftsinformationen Dun & Bradstreet (D&B), der diese Zahlen seit einigen Jahren quartalsweise im Rahmen der Bonitätsbewertung errechnet. Dabei werden nach eigenen Angaben allein in Deutschland jährlich mehr als 700 Millionen Rechnungsinformationen ausgewertet.
Demnach habe die Zahlungsmoral im vierten Quartal 2011 bisher unerkannte Höhen erreicht, und auch die Zahl der Verzugstage sei die geringste seit Beginn der Auswertungen. Wenn Unternehmen ihre Rechnungen verspätet zahlten, dann mussten die Gläubiger im Bundesdurchschnitt nur 6,4 Tage über das vereinbarte Ziel hinaus auf ihr Geld warten, so D&B (Lesen Sie auch unsere Tipps zum Forderungsmanagement).
Vor allem der starke Export und die "solide" Binnennachfrage hätten gutes Geld in die Kassen der Unternehmen gespült und deren Liquidität gesichert. Die Unternehmen machten 2011 gute bis sehr gute Umsätze und nutzten ihre liquiden Mittel auch weiter umgehend, um Rechnungen zu begleichen und wiederum selbst zu investieren. Von Ausgabenkürzungen, Zurückhaltung und dem Ausweiten von Lieferantenkrediten war keine Spur zu finden.

Im Einzelnen betrachtet zeigte sich in den Auswertungen der Rechnungsinformationen ein bereits vertrautes Bild: Vor allem die stark konjunkturabhängigen Branchen wie das Baugewerbe und der Transportsektor profitierten vom guten Wirtschaftswachstum. Ihre Zahlungsmoral verbesserte sich überdurchschnittlich sowohl gegenüber dem 3. Quartal als auch gegenüber dem 4. Quartal 2010.
Nach Bundesländern sortiert, hätte sich ebenfalls das gewohnte Bild gezeigt. So seien Unternehmen aus Bayern in punkto Zahlungsmoral die zuverlässigsten Kunden, denn ganze 90,49 Prozent der Firmen hätten im vergangenen Quartal ihre Rechnungen pünktlich bezahlt – ein Allzeithoch für die Bayern. Auf den weiteren Plätzen folgen Unternehmen aus Baden-Württemberg (88,38 Prozent) und Sachsen (88,06 Prozent). Schlusslichter sind weiterhin die Unternehmen in Berlin, Bremen und Hamburg.
D&B sieht aktuell keine Anzeichen dafür, dass die Eurozone 2012 ein Wirtschaftswachstum verzeichnen wird. Vor allem die deutsche Exportwirtschaft könne damit zumindest aus den Ländern der Eurozone auf wenig Impulse hoffen (siehe auch wie sich die Zahlungsmoral in Europa war).
Doch aufgrund der guten Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen auf dem Weltmarkt sowie der stabilen Binnenkonjunktur werde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr absehbar um 0,4 Prozent wachsen. Das ist deutlich weniger als im Vergleich zum Vorjahr, aber alles andere als eine Rezession, wie sie Ende 2011 noch von einigen Experten aus Politik und Wirtschaft befürchtet wurde. Aktuell sprechen die Experten von einer Wachstumsdelle. Die Zeichen stehen also auf Wachstum in Deutschland und damit ist und bleibt Deutschland weiterhin der Wirtschaftsmotor in Europa.
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