Gisbert Rühl, Klöckner & Co SE

„Ich kenne keinen, der nur an Boni denkt“

Der CFO des Stahlhändlers Klöckner wundert sich über das Bild von Vorständen in der Öffentlichkeit. Auch hält er Forderungen nach Nachhaltigkeit oder Transparenz für überflüssig Das sei sowieso Standard. Raffkes im Vorstand kenne er persönlich nicht. Und als designierter CEO wird Rühl bei Klöckner im November die Arbeit erfolgreich fortsetzen.

von Horst Ellermann, am 8. Oktober 2009


CFOworld: Herr Rühl, haben Grundsätze wie Nachhaltigkeit oder Transparenz heute einen anderen Stellenwert bekommen für Finanzvorstände?

Rühl: Was das Thema Nachhaltigkeit betrifft, so kenne in meinem Bekanntenkreis niemanden, der nur auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Und ich kenne auch persönlich keinen, der nur an Boni denkt. Da nimmt jeder für sich in Anspruch, nachhaltig zu handeln, auch wenn das in der Öffentlichkeit anders gesehen wird.

 

CFOworld: Halten Sie ein explizites Bekenntnis zu Transparenz also für überflüssig?

Rühl: Wenn Sie börsennotiert sind, geht das gar nicht anders. Das ist gesetzlich schon so geregelt. Wer gegen Ihr Leitbild verstößt, handelt gesetzeswidrig.

 

Mehr Transparenz in der Lieferkette

 

CFOworld: Trotzdem erleben wir immer wieder Verstöße, oder zumindest Vorstöße in eine Grauzone.

Rühl: Ja, aber das wird abnehmen. Der Druck, sich an ethische Grundsätze zu halten, nimmt zu. Bei uns geht er zwar weniger von den Kunden aus, dafür aber zunehmend von Investoren. Die Investoren erwarten zum Beispiel Nachweise, dass bei uns und in der gesamten Zulieferkette keine Kinder arbeiten. Wir können das innerhalb unseres Unternehmens natürlich leicht belegen, aber bei Zulieferern aus China wird das schon schwieriger.

 

CFOworld: Reichen da die Nachweise, die der Gesetzgeber von Unternehmen erwartet? Hat Compliance schon eine ausreichende Bedeutung?

Rühl: Die Bedeutung von Compliance hat enorm zugenommen, was bei Klöckner auch zu strukturellen Veränderungen geführt hat. Compliance war auch in der Vergangenheit ein wichtiges Thema für uns, allerdings mit einer unterschiedlichen Intensität in den einzelnen Landesgesellschaften. Unsere neu geschaffene Compliance Organisation ist jetzt von der Holding aus bis tief in die Landesgesellschaften verankert. Diese Struktur haben wir mit Hilfe von externen Beratern nach Best-Practice etabliert.

 

CFOworld: Also reichen die gesetzlichen Auflagen?

Rühl: Ja.

 

CFOworld: Haben sich Ihre persönlichen Aufgaben in den letzten Jahren geändert?

Rühl: Die sind immer mehr Kapitalmarkt getrieben. Insbesondere auf der Equity- aber auch auf der Debt-Seite erfordert das immer mehr Zeit. Ich schätze, dass das im Augenblick 30 bis 40 Prozent meiner Arbeitskraft in Anspruch nimmt.

 

Investoren wollen die Strategie verstehen

 

CFOworld: Ist der Umgang mit Investoren ein anderer geworden?

Rühl: Der Dialog mit den Investoren hat gegenüber früher deutlich an Intensität und Breite zugenommen. Als Sprachrohr des Unternehmens zu den Investoren reicht es heute nicht mehr, sich im Detail in seinen Finanzen auszukennen. Strategische Weichenstellungen sowie die Dynamik des Marktes werden dabei immer mehr zum Schwerpunkt in den Gesprächen. Daran machen Investoren fest, ob Sie dem Management ihr Geld anvertrauen.

 

CFOworld: Macht das generell einen guten CFO aus?

Rühl: Im Vergleich zu früher muss ein CFO sehr viel breiter aufgestellt sein. Wenn Sie Ihre Stärke nur im Accounting sehen, dann sind Sie fehl am Platz. Als CFO von Klöckner sollten sie zum Beispiel auch wissen, wie der Stahlhandel in China funktioniert, auch wenn sie dort selbst kein Geschäft betreiben.

 

CFOworld: Anscheinend traut man Ihnen dieses Wissen zu. Im November werden Sie der CEO der Klöckner & Co SE sein. Sind da irgendwelche Änderungen zu erwarten?

Rühl: Der heutige CEO Dr. Ludwig und ich haben das Unternehmen über weite Strecken gemeinsam geführt, seit dem letzten Jahr haben wir eine zusätzlichen Kollegen. Wenn ich jetzt alles ändern würde, müsste ich mich Fragen, was ich in den letzten Jahren gemacht habe. Die grundsätzliche Strategie über Akquisitionen zu wachsen und intern die Effizienz fortlaufend zu steigern wird sich nicht ändern. Wir werden aber die Strategie selbstverständlich adjustieren, wenn es der Markt erfordert.

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