
Die komplexen Bilanzierungsregeln überfordern viele deutsche Unternehmen. Ein Viertel schludert laut der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR).
Laut Bilanzprüfungen der DPR, die hierzulande den Spitznamen "Bilanzpolizei" trägt, liege die Fehlerquote bereits seit einigen Jahren in diesem Bereich. In einem Bericht des "Manager Magazins" wies DPR-Chef Herbert Meyer jedoch den naheliegenden Verdacht der gezielten Manipulation der Bilanzen in den meisten Fällen zurück und kritisierte vielmehr die komplexen Anforderungen der International Financial Accounting Standards (IFRS). "Eine Hauptmaßnahme zur Verringerung der Fehler ist eine Vereinfachung von IFRS. Der Standard verlangt, was in der Praxis kaum zu leisten ist", sagte der ehemalige Finanzvorstand von Heidelberger Druck gegenüber dem Blatt. Vor allem die Regeln zur Bewertung gekaufter Firmen seien kaum durchschaubar.
Insgesamt habe man in 24 Prozent der bis September geprüften Bilanzen Fehler entdeckt (2008: 27). Deren Ursprung liegen allerdings aufgrund der langwierigen Verfahren meist schon länger zurück: So bezogen sich von den 90 abgeschlossenen Prüfungen in diesem Jahr nur 20 auf das Jahr 2008.
Trotzdem bestehe der Verdacht, dass vor allem Firmen, die unter Ertragsdruck stehen, derzeit bilanziell nachhelfen. Unter ihnen findet sich auch ein Dax-Unternehmen, dessen Namen und genaues Vergehnen Meyer nicht nannte. Die betroffenen Unternehmen müssen die Rüge selbst veröffentlichen. Weigern sie sich, greift die Finanzaufsicht Bafin ein. In diesem Jahr waren unter anderem Borussia Dortmund, der Baumarktbetreiber Praktiker und der inzwischen insolvente Modehersteller Escada aufgefallen.
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