
Die Umsetzung von Solvency II verzögert sich, als Pflichttermin steht nun der Januar 2014 im Raum. CFOworld sprach mit Eva Dewor, Versicherungsexpertin bei Accenture, über Konsolidierungen am Markt, den politischen Druck und das Ringen um vermeintlich unwesentliche Details.
CFOworld: Frau Dewor, die Umsetzung von Solvency II scheint sich zu verzögern. Offenbar sollen die Vorgaben nun erst ab Januar 2014 offiziell gelten.
Dewor: Der Pflichttermin für das „Going live“ verschiebt sich. Die Komplexität wird allen Beteiligten erst jetzt, bei der intensiven Beschäftigung mit den Vorgaben, wirklich bewusst. 2007 befragten wir 40 europäische Versicherungskonzerne zu den erwarteten Aufwendungen für Solvency II. Schätzten damals nur vier Prozent, dass die Arbeiten mehr als 26 Millionen Euro verschlingen könnten, sind aktuell 30 Prozent der Versicherungsmanager dieser Ansicht.
CFOworld: Wird deshalb mittlerweile öffentlich über das Verfahren gestritten?
Dewor: Es gibt einige „fundamentale Stellschrauben“, deren Funktionsweise noch nicht ausreichend geklärt ist. Hierzu gehören vor allem die Modellierung der langfristigen Zinskurven und der Proportionalität sowie die Anforderungen an das Berichtswesen. Die in der zweiten Jahreshälfte 2010 durchgeführte fünfte Quantitative Auswirkungsstudie für Solvency II (QIS 5) basierte auf anderen Annahmen als die des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft sowie des ursprünglichen Standardrisikomodells. So angewendet könnte eine punktuelle Betrachtung des Modells zu „temporären Insolvenzen“ führen.
Bleiben Sie immer auf dem Laufenden mit unseren Newslettern. Einfach Email-Adresse eingeben und auf "Bestellen" klicken.