
Die neue europäische Finanzaufsicht EBA (European Banking Authority) will heute die Kriterien für die europäischen Stresstests veröffentlichen. Experten winken ab.
Schon im Vorfeld wird, wie übrigens im vergangenen Jahr, heftig über die Aussagekraft der neuen Testreihe gestritten. Die European Banking Authority (EBA) hat durch ihre Verbesserungsvorschläge bereits indirekt eingeräumt, dass die Tests im vergangenen Jahr wenig aussagekräftig waren, was damals Regierungen und Aufsichtsbehörden bestritten hatten (siehe auch die harrsche Kritik des Center for European Policies an dem geplanten Stresstest).
Stresstests sollen ja bekanntlich die Wirkungen von extremen Finanzmarkt- und Wirtschaftssituation auf die Solvenz und Zahlungsfähigkeit von Banken prüfen. Die neue Testreihe gibt aber keine Auskunft darüber, ob eine Bank wirklich sicher ist, weil Extremszenarien ausgeklammert werden. Daneben werden hier die sensiblen Liquiditätswirkungen kritischer Situationen gar nicht erst untersucht (siehe dazu das Handelsblatt-Interview mit Franz-Christoph Zeitler, Vizepräsident der Bundesbank), sondern nur Auswirkungen auf das Eigenkapital. Liquiditätsstresstest werden in einem separaten Verfahren mit deutlich weniger öffentlicher Aufmerksamkeit geprüft.
Die Finanzhäuser müssen auf Basis der von der EBA vorgegebenen Eckpunkte deren Wirkungen auf ihre Bilanzen ermitteln. Bisher sickerte zu den Eckpunkten u.a. durch, dass im "Extrem-Szenario" die Wirkung eines Einbruchs des europäischen Wirtschaftswachstums um 0,5% simuliert werden soll. Nur zur Erinnerung, während der Finanz- und Wirtschaftskrise brach das Wachstum um über 5% ein. Daneben lassen solche Daten den Instituten viel Spielraum, weil sich aus ihrer Vorgabe der Umfang von Kreditausfällen und Abschreibungen nicht eindeutig ableiten lässt.
Es überrascht mittlerweile nicht mehr, dass der Ausfall bzw. der Schuldenschnitt (= Haircut) eines Staatsschuldners offenbar wieder nicht vorkommt in den Planspielen. Dies ist angesichts der öffentlichen Diskussion über die Zahlungsfähigkeit Griechenlands und anderer Staaten schon jetzt ein zentraler Kritikpunkt.
Erstaunlich, dass diesmal erstmalig die Wirkungen steigender Zinsen auf die Refinanzierung untersucht werden. Das könnte gerade für die Institute unangenehm werden, die langfristige Ausleihungen kurzfristig refinanzieren und sich nicht gegen steigende Zinsen abgesichert haben.
Lesen Sie weiter wie es in den Tests um das so genannte Bankbuch bestellt ist und wieso die Finanzhäuser wenig zu befürchten haben..

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