
Controller und CFO müssen ihren Umgang mit Kunden und Kollegen verbessern. ICV und Controlling-Experte Peter Horváth wollen nun Lebenshilfe leisten.
CFOworld: Herr Professor Horváth, Sie leiten seit einigen Monaten eine so genannte Ideenwerkstatt beim Internationalen Controller Verein (ICV), die sich mit „Verhaltensorientiertem Controlling“ beschäftigt. Ist es nicht selbstverständlich, dass CFOs oder leitende Controller neben ihren Zahlen auch zwischenmenschliche Themen bei ihrer Arbeit beherrschen müssen?
Peter Horváth: Die Praxis zeigt häufig ein anderes Bild. Deshalb wollen wir uns des Themas Verhaltensorientierung annehmen. Wir brauchen mehr wissenschaftlich gestützte Hinweise, wie man das Verhalten der Controller und Finanzchefs und ihrer Kunden einordnen kann (zum Beispiel wie CFO und CIO sich besser verstehen lernen).
CFOworld: Was ist denn ein typisches Controllerverhalten, an dem man arbeiten muss?
Horváth: In Unternehmen werden manchmal aussichtslose Projekte hartnäckig weitergeführt und zu spät aufgegeben. Hier könnte der Controller für mehr Rationalität sorgen. In meiner Stiftung haben wir diesbezüglich gerade die beste Controlling-Dissertation des Jahres 2009 prämiert. Ihr Titel lautet "Eskalation des Commitments bei scheiternden Projekten".
CFOworld: Stellen Controller Sachverhalte zu sehr aus formaler betriebswirtschaftlicher Sicht dar?
Horváth: So ist es. Wir haben in letzter Zeit viele Forschungsarbeiten, die sich mit dem menschlichen Verhalten im betriebswirtschaftlichen Bereich auseinandersetzen. Es gibt inzwischen sogar ein Forschungsgebiet "Behavioural Accounting", welches das Risiko- und Informationsverarbeitungsverhalten des Menschen und dessen Rationalität untersucht.
CFOworld: Wo sehen Sie weitere Schmerzpunkte? Wie könnten Controller erfolgreicher arbeiten?
Horváth: Der wachsende Wettbewerb, kurze Produktlebenszyklen, der Preisdruck und die Globalisierung erhöhen die Anforderungen an das Controlling. Der Controller sollte sich zum Beispiel schon in der Entwicklungsphase eines Produkts stärker einbringen und internationale Standards und lokale Rahmenbedingungen im Rechnungswesen kennen. Hierzu muss er sein Verhalten ändern, indem er neue Sprachen lernt oder sich für andere Mentalitäten und Arbeitsweisen öffnet. Allerdings muss er auch Vorschriften machen können.

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