
Was braut sich da zusammen? Banken leihen sich untereinander kaum noch Geld. Die Kreditbeschaffung für Unternehmen droht neuerlich schwieriger zu werden.
Für CFOs und andere Finanzverantwortliche waren die letzten 24 Monate schwer genug. Hier muss nicht wiederholt werden, was seit der Pleite von Lehman im Herbst 2008 auf den Märkten für Unternehmensfinanzierung los war. In vielen Unternehmen hat man nun nach mühevoller Kleinarbeit das Working Capital optimiert und die Liquiditätsversorgung sichergestellt und glaubte, endlich durchatmen zu können. Nun braut sich am Horizont möglicherweise die nächste Kreditklemme zusammen (siehe auch die Kommentare der KfW zur Kreditvergabe in Deutschland).
Die Anspannungen an den europäischen Geldmärkten haben sich in den letzten Wochen zeitweise wieder deutlich verschärft. Europäische Banken leihen sich untereinander kaum noch Geld und parken ihre Liquidität lieber bei der Europäischen Zentralbank. Dort erreichten die Einlagenfazilitäten an einigen Tagen neue Rekordstände und übertrafen damit das Post-Lehman-Niveau. Marktbeobachter werten die starke Nutzung der Einlagenfazilität als Zeichen mangelnden Vertrauens der Banken untereinander. Trotz der europäischen Milliardengarantien sind die Kreditinstitute also um ihre gegenseitige Bonität besorgt.
Noch ist unklar, ob die Vertrauenskrise sich wirklich massiv auf die Kreditvergabepraxis auswirken wird. Zwar ist der bisher von einigen Auguren befürchtete Kreditschock ausgeblieben, dennoch könnten die Verspannungen am Interbankenmarkt schnell wieder auf den Kapitalmarkt für Unternehmen überspringen. Dazu kommt der in den nächsten Monaten und vor allem Jahren latent steigende Refinanzierungsbedarf, wie etwa langfristige Kreditverträge, Anschlussfinanzierungen von mit Fremdkapital finanzierten Unternehmensübernahmen und vor allem der steigende Eigenkapitalbedarf der Banken.
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