Ratgeber Unternehmensfinanzierung

Liquide durch Factoring

Klemmt es beim Bankkredit oder beim Eigenkaptial kann ein Factoring einen Ausweg eröffnen. Der Verkauf von Forderungen verspricht eine Reihe von Vorteilen.

von Matthias Bommer, am 17. Februar 2010

Viele Unternehmer haben sich bisher vorwiegend über den klassischen Kredit finanziert und sind nun enttäuscht von ihrer Hausbank, wenn es bei neuen Investitionen keine weiteren Darlehen gibt und zusätzliche Sicherheiten oder höhere Konditionen verlangt werden (siehe auch die Umfrage der CFOworld zu den Finanzierungsinstrumenten deutscher Unternehmen).

 

Überblick Unternehmensfinanzierung

Auf der Suche nach alternativen Lösungsansätzen stoßen Firmen auf eine ganze Reihe interessanter und oft komplementärer Finanzierungsformen. Diese stellt CFOworld in Zusamenarbeit mit dem Finanzdienstleister Vantargis in den kommenden Wochen im Rahmen einer Serie vor. Zielgruppe sind dabei insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen.


Hatten wir Ihnen im ersten Teil der CFOworld-Serie zur Unternehmensfinanzierung einen schnellen Überblick über die Finanzierungsformen Lease Back und Factoring gegeben, erfahren Sie nun im zweiten Teil, wie Factoring zur fortlaufenden Forderungsfinanzierung funktioniert, was dabei zu bedenken ist und für wen es sich eignet.

 

So funktioniert Factoring

Beim Factoring verkauft der Unternehmer fortlaufend seine Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an eine Factoringgesellschaft gegen sofortige Zahlung des Kaufpreises. Beim klassischen Full-Service Factoring sind mit Finanzierung, Versicherung der Forderungsausfälle und Debitorenmanagement sämtliche Aspekte des Factorings in einer Dienstleistung vereint. Je nach Art des Unternehmens und den Gegebenheiten gibt es in der Praxis viele weitere Factoring-Modelle.

 

Ausschnittfactoring

Eine beliebte Variante ist zum Beispiel das Ausschnittsfactoring. Dabei können bestimme Kundengruppen wie Schnellzahler im Vorfeld der Zusammenarbeit vom Factoring ausgeschlossen und unnötige Kosten gespart werden. Manchmal kann die Dienstleistung auch nur als stilles Factoring eingesetzt werden. Das wird manchmal notwendig, wenn vor allem große Unternehmen ihren Lieferanten lange Zahlungsziele von 60 oder 90 Tagen vorgeben und diesen dann auch noch durch generelle Abtretungsverbote den Zugang zu Liquidität erschweren. Dabei werden im Gegensatz zum offenen Factoring die Debitoren nicht über die Abtretung der Forderungen an einen Factor informiert.

 

Stilles Factoring

Bei Bedarf können Factoringunternehmen auch einzelne Debitoren bestimmter Branchen im stillen Factoring abwickeln, alle anderen dann jeweils im offenen Verfahren. Generell ist die Zusammenarbeit im stillen Factoring jedoch durch ein besonderes Vertrauensverhältnis gekennzeichnet, denn der Factor kann nicht einfach beim Debitor anrufen und die Echtheit der Forderungen nachprüfen.

 

Factoring ist als Dienstleistung in vielen Branchen einsetzbar, aber nicht überall - während zum Beispiel das Baugewerbe aufgrund der Gewährleistungsfrist nur schwer abbildbar ist, sind Verarbeitendes Gewerbe, Personaldienstleister, Transportgewerbe, IT-Unternehmen, Druckereien oder auch Großhandel klassische Kundengruppen.

 

Finanzierung von Forderungen

Bei den meisten Gesellschaften steht die Finanzierung im Vordergrund für den Einsatz von Factoring. Der Unternehmer erhält einen sofortigen Liquiditätszufluss durch den Verkauf seiner Forderungen. Er muss nicht warten, bis der Debitor die ausstehenden Rechnungen begleicht, sondern bekommt rund 80 Prozent der Summe innerhalb von zwei Werktagen ausgezahlt. Die restliche Summe dient als Sicherheitseinbehalt für den Fall, dass der Debitor die Rechnung kürzt und wird abzüglich einer Gebühr ausgezahlt, wenn der Factor die Rechnungssumme erhalten hat.

 

Liquidität sicherstellen

Die fortlaufende Sicherstellung der Liquidität bringt Vorteile. Ein Unternehmer kann auf diese Weise Rechnungen seiner Lieferanten zeitnah begleichen und so im Einkauf Skonto realisieren. Im Gegenzug kann er seinen Kunden längere Zahlungsziele einräumen, was ihm einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Factoring ist eine umsatzkongruente Finanzierung - der Unternehmer profitiert davon nicht nur im Fall von steigenden Umsätzen, sondern auch bei saisonalen Schwankungen wie beispielsweise in der Konsumgüterbranche.

 

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