DIW: Frauenmangel im Vorstand und Aufsichtsrat

Männerwirtschaft

Die Vorstände deutscher Großunternehmen bleiben laut einer aktuellen Studie eine absolute Männerdomäne. Nun wird der Ruf nach Vielfalt, sprich: Frauen, lauter.

von Sascha Alexander, am 27. Januar 2010

Der Frauenanteil im Topmanagement der 100 umsatzstärksten Firmen sank im vergangenen Jahr sogar von 1,3 Prozent auf 0,9 Prozent, meldet jetzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Barbara Kux, Vorstand, Siemens AG

Die derzeit einzige Vorstandsfrau in einem DAX-Unternehmen: Barbara Kux, Siemens AG.

Laut Auswertungen des Instituts waren 2009 nur vier von 441 Führungsposten von Frauen besetzt. Einziges weibliches Vorstandsmitglied im Deutschen Aktieindex (Dax) ist die Siemens-Managerin Barbara Kux.

Aufsichtsräte mit höherem Frauenanteil

In den Aufsichtsräten ist die Lage prozentual etwas besser. So liegt der Frauenanteil in den Top200-Unternehmen laut DIWr seit Jahren bei etwa zehn Prozent. Zur Spitzengruppe mit einem Frauenanteil von mehr als 25 Prozent im Aufsichtsrat zählen die mittlerweile insolvente Karstadt (35 Prozent), Sanofi Aventis (33,3 Prozent) sowie VR-LEASING (27,3 Prozent).

"Die weiblichen Aufsichtsratsmitglieder werden allerdings überwiegend von den Arbeitnehmern gestellt", sagte die DIW-Expertin Elke Holst. Viele Unternehmen propagieren inzwischen mehr Vielfalt ("Diversity") bei der Personalentwicklung (wie lange Top-Manager im Schnitt ihren Job behalten, lesen Sie hier)

Brauchen wir verbindliche Regeln?

Das Problem sei kein rein deutsches, sondern bestehe – in unterschiedlichem Ausmaß – in vielen Ländern, so das Institut. Ein positives Beispiel bilde Norwegen, wo der Anteil an Frauen in den Aufsichtsräten bei 42 Prozent liegt. In Norwegen wurden die Unternehmen gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Aufsichtsräte zu 40 Prozent mit Frauen zu besetzen.

"Das Beispiel Norwegen zeigt, dass wir verbindliche Regeln brauchen, um den Frauenanteil in Führungspositionen deutlich zu erhöhen", so Holst. "Ohne verbindliche Regelungen wird es keine Trendwende geben."

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