
Gerade in der Krise müssen Unternehmen schnell auf plötzliche Veränderungen im Markt reagieren. Ein Schlüssel dazu sind analytische Anwendungen.
Wenn es für das Controlling eine Lehre aus den vergangenen Monaten gibt, dann die, dass eine langfristige Planung - was in diesem Fall schon pro Quartal bedeutet- in Krisenzeiten keinen Sinn ergibt. Stattdessen brauchen Finanzabteilungen Prozesse und Techniken, mit denen sie Änderungen im Budget und Forecast schneller und flexibler als bislang vornehmen können (siehe auch die Arbeiten des ICV an Konzepten für eine moderne Budgetierung).
Gerade das Krisenjahr 2009 war daher nicht nur aus Sicht der Anbieter von Software für Analyse und Reporting und deren Dienstleister ein Beleg dafür, dass Unternehmen mehr in Technik für das Datenmanagement und - analyse benötigen, um wirklich agil und wirksam auf Marktveränderungen regaieren zu können. Vielmehr sehen sich auch Analysten und Wissenschaftler, die seit langem den systematischeren Einsatz entsprechender Tools und Methoden fordern, bestätigt.
Einer ihrer prominenten Vertreter ist Thomas Davenport, Leiter des Instituts für Informatik und Management am Babson College, Massachusetts. Auf der Veranstaltung "Premier Business Leadership Series", zu der kürzlich der Softwarehersteller SAS Institute Führungskräfte und Vordenker aus aller Welt nach Berlin geladen hatte, schilderte der Experte gegenüber CFOworld die Lage großer Unternehmen in den USA.
Danach beklagten gerade in den schwierigsten Monaten viele Großunternehmen, die unflexiblen Zyklen ihrer Budgetierungs- und Planungsprozesse. Es sei allerdings nicht so, dass Unternehmen grundsätzlich schnellere Prozesse in der Datenbereitstellung und -auswertung bräuchten, sondern vielmehr, die richrigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt. "Unternehmen müssen sich mehr Gedanken machen, welche Informationen sie in welcher Geschwindigkeit benötigen."
Es wird laut Davenport also künftig darum gehen, je nach Informationen eigene Zyklen zu implementieren. "Nach unseren Umfragen sind gerade Informationen über Kosten und Budgets besonders lange unterwegs. Dies führt beispielsweise dazu, dass Kostenkürzungen ohne angemessene Entschiedungsbasis erfolgen". Es sei selbst in Krisenzeiten wirtschaftlich nicht der richtige Ansatz Personal und Ressourcen nach dem Rasenmäherprinzip zu kürzen, da dies immer auch profitable Abteilungen und wichtige Talente treffe.
Auf der Konferenz "Premier Business Leadership Series" in Berlin diskutierten (von links) Giles Pavey, Head of Analysis, dunnhumby, Jim Davis, Senior Vice President and Chief Marketing Officer, SAS und Thomas H. Davenport über den erfolgreichen Einsatz von Business Analytics. (Quelle: SAS Institute)
Doch schnelle, integrierte Datenprozesse und Auswertungen zu fordern ist das eine, die praktische Umsetzung das andere. So beklagt auch Davenport den bislang eher punktuellen Einsatz von Business Analytics, wie neuerdings Tools und Anwendungen für Analyse und Reporting bezeichnet werden (statt Business Intelligence beispielsweise). Es gebe zwar Beispiele wie etwa der Reifenhersteller Michelin, der in der Krise dank Analytics seine Warenbestände und Lieferkette besser und schneller auswerten sowie anpassen konnte als mancher Wettbewerber. Doch bleibt dies die Ausnahme: "Ich schätze, dass es weltweit vielleicht 50 Unternehmen gibt, die einen strategischen, unternehmensweiten Einsatz von Analytics verfolgen (lesen wie beispielsweise in der Öffentlichen Verwaltung geplant wird)."

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