
Kleine und mittelständische Unternehmen fühlen sich über die Anforderungen von Basel III schlecht informiert und befürchten eine Verteuerung von Krediten. Entsprechend wenige sind vorbereitet.
Durch die Einführung von Basel III werden die Kapitalanforderungen verschärft, denn Banken müssen unter anderem bei Kreditvergaben mehr Eigenkapital vorhalten, was sich wiederum negativ auf die Vergabepraxis bei Unternehmenskrediten auswirken könnte (sehen Sie hier einen Überblick der Reformvorhaben).
Wie hierzulande kleine und mittelständische Unternehmen diese Gefahrenlage wahrnehmen, wollte jetzt die Deutschen Bank herausfinden. Sie befragte nach eigenen Angaben rund 200 Firmem mit einem Jahresumsatz von weniger als 25 Millionen Euro zu deren Erwartungen bezüglich Basel III.
Danach befürchten etwa zwei Drittel, dass sich Kredite verteuern werden. Mehr als die Hälfte fühlt sich außerdem über die Anforderungen von Basel III schlecht informiert. 77 Prozent der befragten Mittelständler erwartet genauere Prüfungen von Finanzierungen sowie steigende Rating-Anforderungen (76 Prozent).
Entsprechend gering ist bislang das Engagement der Unternehmen: nur jedes dritte Unternehmen bereitet sich bislang konkret auf Basel III vor (auch CFOs untersschätzen die Änderungen durch Basel III). Von diesem Drittel beabsichtigen 77 Prozent speziell auf Basel III zugeschnittene Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen, weitere 83 Prozent dieser Gruppe wollen zur Vorbereitung auf Basel III ihre Liquidität optimieren. Darüber hinaus geben drei Viertel dieser Unternehmen an, bestehende Finanzierungen überprüfen zu wollen.
Besorgnis über die künftige Kredtivergabe, äußert auch der Verband "Die Familienunternehmer - ASU e.V." Er kommt in einer neuen Studie zum Ergebnis, dass die Reform der Bankenaufsicht die Mittelstandsfinanzierung beeinträchtigen könnte, da die höheren Kreditzinsen zu steigenden Finanzierungskosten führen werden. Besonders die ohnehin schon schlechtere Bonität der kleineren Unternehmen würde dadurch weiter geschwächt (Erfahren Sie hier mehr zu den verschärften Regelungen zur Eigenkapitalunterlegung).
In einer Reaktion auf die ASU-Studie erklärte Ernst Burgbacher, Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) sowie Beauftragter für Mittelstand und Tourismus, dass die Sorgen der mittelständischen Unternehmen berücksichtigt werden müssten. Die Weichen für das neue Regelwerk seien noch nicht endgültig gestellt.
So ist laut Burgbacher noch nicht entschieden,
- wie die genaue Festlegung bestimmter Kennziffern unter Basel III ausehen wird;
- wie mögliche Wechselwirkungen mit weiteren Regulierungvorhaben aussehen;
- wie Basel III in europäisches Recht umgesetzt werden soll.
Die EU-Kommission hat angekündigt, die Ausfallrisiken der Mittelstandskredite zu überprüfen und eventuell die Risikogewichtung für solche Kredite in den Legislativvorschlag aufzunehmen. Diese Thematisierung der Auswirkungen durch die Regulierungsvorhaben ist laut Aussage Burgbachers sehr wichtig, damit die Mittelstandsfinanzierung nicht gefährdet werde.
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