
Mittelständler brauchen Software für Reporting und Analyse. Doch tun sie gut daran, die Eigenheiten des Marktes, der Technik und Projekte gründlich zu studieren, um nicht zu scheitern.
Die Anbieter von Business Intelligence (BI) haben den Mittelstand ins Visier genommen. Mit günstigen Angeboten werben Branchen-Riesen wie Oracle, SAP und SAS um die Gunst kleiner und mittlerer Unternehmen. Diese haben durch die Krise oft schmerzhaft lernen müssen, wie unentbehrlich valide und zugleich flexible Planung inzwischen geworden ist. Trotzdem setzt noch nicht einmal jede zweite Firma BI-Lösungen gewinnbringend ein.
Dass immerhin Bewegung im Markt ist, belegt eine Umfrage von RAAD Research unter mehr als 1800 IT-Leitern von mittelständischen Unternehmen aus dem vergangenen Herbst. 44 Prozent verfügen demnach über produktive BI-Landschaften, acht Prozent planen deren Aufbau. Zu den Vorreitern zählen Branchen unter permanent hohem Preisdruck wie Handel und Konsumgüterindustrie, in denen mehr als die Hälfte BI-Tools nutzt.
Und das nicht nur im Controlling als klassischem Anwendungsfeld auch im Mittelstand. So optimieren laut RAAD Research Handelsunternehmen auch ihre Lagerhaltung mit Hilfe von BI. Alles in allem konzentriert sich BI im Mittelstand auf den Bereich Reporting. Das Potenzial zur Entscheidungsoptimierung mit Hilfe intelligenter Tools bleibt unausgeschöpft, so das Fazit von RAAD Research.
Ungenutzte Möglichkeiten also allenthalben? Einerseits ja. „Excel regiert im Mittelstand immer noch, das sehe ich aus vielen Kundenkontakten und Diskussionen“, sagt Berater Wolfgang Martin. Vor einem Jahr hat er gemeinsam mit dem Stuttgarter Institut für Business Intelligence herausgefunden, dass 66 Prozent der Mittelständler ihre Daten mit Hilfe von Excel erfassen. Unter Fachleuten gilt die manuelle Datenerfassung über Anwendungen wie Excel sowohl als vermeidbar aufwendig als auch als steter Quell von Fehlern (Lesen Sie auch unsere Praxistipps für Excel).
Andererseits dürfte dieses Problem in einem mittelständischen Umfeld weniger durchschlagen als in großen Unternehmen. Denn die IT-Systeme in kleinen und mittleren Unternehmen sind in der Regel nicht allzu heterogen: Gut ein Drittel arbeitet mit einer zentralen Datengrundlage, bei weiteren 53 Prozent beschränken sich die Datenquellen auf zwei oder drei Systeme. Das bedeutet, dass die Dringlichkeit für eine Datenbereinigung weniger stark ausgeprägt ist. Umso direkter ließe sich in die Datenanalyse einsteigen. Indes waren die Erwartungen an eine schnellere und bessere Performance durch BI im Mittelstand bislang bescheiden. Laut der ein Jahr alten Studie des Instituts für Business Intelligence hegte nur die Hälfte der Firmen in dieser Hinsicht größere Hoffnungen.
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