Strategische Planung

Nachhaltigkeit in Familienbetrieben

Strategische Planung: Nachhaltigkeit in Familienbetrieben
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Warum findet man unter den sogenannten Hidden Champions so viele Familienunternehmen? Eric Schreyer mit dem Versuch einer Antwort.

24. Jan 2013

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Hidden Champions sind hochspezialisierte und technikorientierte mittelständische Unternehmen, die in rentablen Nischen Weltmarktführer sind. Dies scheint ein deutsches Phänomen zu sein. Bei uns gibt es mehr als 1000 Hidden Champions, von denen zwei Drittel familiengeführt sind.

In Familienunternehmen hängen Philosophie und Kultur und somit die Strategiewahl immer von den Zielen der Familie ab. In der Regel verfolgen sie zwei übergeordnete Ziele:

  1. Die Familie ist auf lange Sicht materiell zu sichern.
  2. Die Familie bleibt über Generationen hinweg an der operativen Unternehmensführung beteiligt (Nachfolgeregelung).

Ein strategischer Planer sollte diese beiden Unterschiede zu anderen Unternehmen bei seiner Arbeit besonders berücksichtigen, indem er Familie und Unternehmen parallel plant. In diesem parallelen Planungsprozess arbeiten Familienmitglieder und Unternehmensplaner als Team zusammen. Außerdem erfordert die langfristige Orientierung von Familienunternehmen ein nachhaltiges Führungskonzept. Wettbewerbsvorteile sollen dauerhaft gesichert werden; auch dann, wenn dies zu Lasten kurzfristig erzielbarer Gewinne geht.

Kultur

Die Familien- und Unternehmenskultur ist das übergeordnete Leitbild des Führungskonzepts und bildet so etwas wie einen ethischen Rahmen für eine gesunde Wirtschaft. Deshalb besteht die wichtigste Aufgabe der Unternehmensführung darin, die Werte der Familie allen Mitarbeitern zu vermitteln und tagtäglich zu leben. In Familienunternehmen wird häufig eine besondere Denkart gepflegt.

Diese Denkart orientiert sich an Traditionen und am Mut zu Veränderungen sowie an stärkenden Gemeinsamkeiten mit Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten und Banken. Dabei spielt der Bezug zur Region eine große Rolle. Familienunternehmen sitzen ganz bewusst zumeist abseits der großen Zentren. Dort hat die Familie Einfluss und nimmt ihre soziale Verantwortung durch die zuverlässige Unterstützung regionaler Institutionen wahr.

Langfristige Orientierung

Empirische Untersuchungen zeigen, dass von Familienunternehmen, die länger als 60 Jahre bestehen, zwei Drittel nicht mehr wachsen. Dies widerspricht der allgemeinen Annahme, wonach Wachstum zur Sicherung von Arbeitsplätzen unverzichtbar ist. Familienunternehmen wollen ihre Überlebensfähigkeit nicht durch kurzfristige Wachstumsschübe sichern.

Stattdessen konzentrieren sie sich langfristig auf besondere Fähigkeiten und Nischen. Gemäßigtes Wachstum, eine überschaubare Unternehmensstruktur sowie sorgfältig überdachte Investitionen sorgen für Stabilität. Ein ebenso wichtiger Grund für das Überleben wird in der Übertragung der unternehmerischen Verantwortung auf eine einzige Person gesehen, die langfristig im Unternehmen verbleibt.

Soziale Strategien

Eine offene Kommunikation und regelmäßige Zusammenkünften halten das Konfliktpotenzial klein. Durch hohe Eigenverantwortung, ständige Weiterbildung und eine gute Bezahlung wird den Mitarbeitern gezeigt, dass die Unternehmensführung sie wertschätzt. Dies stärkt den Zusammenhalt, schafft Vertrauen und Zufriedenheit, wodurch die Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen gebunden werden. Eine gut ausgeprägte soziale Kompetenz der Unternehmensführung schafft ein soziales Gleichgewicht, das in Nicht-Familienunternehmen häufig fehlt.

Eric Schreyer arbeitet als Manager auf Zeit sowie als beratender Unternehmer. Er war viele Jahre als Geschäftsführer in mittelständischen Unternehmen tätig. Zuvor stand er 18 Jahre bei der Deutsche Bank AG unter Vertrag. Schreyer ist gelernter Bankkaufmann und diplomierter Ökonom. Er schreibt ebenso für seinen Blog Valuation-in-Germany sowie für das Handbuch Unternehmensbewertung im Bundesanzeiger-Verlag. Sie errreichen ihn unter es.mittelstandsberatung(at)googlemail.com. Die letzten Beiträge von Eric Schreyer: