CFO und Controller müssen wie Berater arbeiten und denken. Dies erfordert Geschäftssinn, Prozesswissen und immer ein Ohr am Markt, mahnt CFO Beirat Michael Böhme.
CFOworld: Was ist heute Ihre Rolle im Unternehmen?
Böhme: Der Controllingbereich bei Eschenbach Optik [9] hat sich zu einer Finanzberatung weiterentwickelt. Mit unserer kleinen Mannschaft gehen wir betriebswirtschaftlichen Fragen nach und versorgen unsere Entscheidungsträger über eine verlässliche, leicht zu nutzende Business-Intelligence-Plattform mit Informationen.
CFOworld: Bedeutet dies in der Praxis eine Aufgabenteilung im Controlling zwischen einem operativen und einem eher strategisch-beratenden Bereich?
Böhme: Ja, allerdings hat die technische Weiterentwicklung bei der Informationsaufbereitung erheblich dazu beigetragen, dass sich der Controllingbereich stärker in Richtung Beratung und Managementunterstützung entwickeln konnte. So hatten wir schon vor einigen Jahren ein Managementinformationssystem für das Finanzreporting eingeführt, das Unternehmensdaten heute ansprechend und vor allem schnell anzeigt.
Wichtig ist, dass wir neben klassischen Finanzdaten wie Umsatz und Rohertrag über dieses Modul permanent eine Vielzahl weiterer Informationen über Qualität, Lagerauslastung, Einkauf etc. im Focus haben. Ohne Technik für Business Intelligence [10] wären das Rechnungswesen, Controlling und eine moderne Unternehmensführung nicht mehr denkbar.
CFOworld: Woran arbeiten Sie gerade?
Böhme: Aktuell führen wir eine technische Plattform für das Konzernrechnungswesen ein. Sie ist auch deshalb dringend nötig, um die in der letzten Zeit zugekauften Firmen besser in unsere Prozesse zu integrieren (siehe auch den Projektbericht zum Konzerncontrolling beim Süddeutschen Verlag [11]).
CFOworld: Welche Aufgaben gehören noch zu Ihrer täglichen Arbeit? Und welche Rolle spielt hierbei das Risikomanagement?
Böhme: Neben den klassischen Controllingtätigkeiten und der Verantwortung für unsere Business-Intelligence-Systeme, bin ich der zentrale Ansprechpartner für viele betriebswirtschaftliche Fragen aller Bereiche. Das Risiko-Management [12] versuchen wir u.a. über unsere IT-Systeme abzudecken.
CFOworld: Gehört auch die Strategieentwicklung zu Ihren Aufgaben oder bleibt das der Geschäftsleitung belassen?
Böhme: Strategie ist immer ein wesentliches Geschäftsführungsthema. Bei den Strategiemeetings unserer 3 Geschäftsbereiche bin ich jedoch normmalerweise dabei.
CFOworld: Was steuern Sie in solchen Gesprächen bei? Die Kennzahlen aus dem Controlling?
Böhme: Das auch. Es geht darüber hinaus aber um weiche Faktoren wie die Bewertung von Märkten und eigenen Ressourcen jenseits der rein quantitativen Betrachtung. Jeder Controller muss heute das Geschäftsmodell, die Organisation und ihre Prozesse wirklich verstanden haben (auch Jürgen G. Schulze, Leiter Konzerncontrolling im Süddeutschen Verlag ist gegen Eigenbrötler [13]).

Firmensitz der Eschenbach Optik GmbH in Nürnberg
CFOworld: War es eine steile Lernkurve für Sie vom klassischen Controlling zum strategischen Finanzmanager?
Böhme: Ich habe mich immer schon für die internen Prozesse, aber auch für Märkte und das Wettbewerbsumfeld interessiert. Das Verständnis über den Controller hat sich die letzten Jahre, gerade auch im deutschsprachigen Raum, deutlich geändert. Weg vom klassischen Zahlenaufbereiten, hin zum kritischen Counterpart für das Management. Dies entspricht von jeher auch meinem eigenen Verständnis von Controlling (CFO Beirat Henning Dehler spricht bezüglich seiner Aufgaben und Selbstverständnisses von Accuracy, Clarity und Value [14]).
CFOworld: Wie sieht denn aktuell das Wettbewerbsumfeld für Eschenbach Optik aus?
Böhme: Wir haben aktuell drei Geschäftsfelder. Zwei Drittel unseres Umsatzes erwirtschaften wir mit Brillen, der Rest verteilt sich auf die Optik (Sehhilfen) und technische Optik (Komponenten für z.B. Beleuchtungs- oder Sicherheitstechnik). Die Wirtschaftskrise macht sich bei Eschenbach sehr unterschiedlich bemerkbar. So hatten wir im letzten Jahr beispielsweise Absatzrückgänge bei Brillen in Ländern wie Spanien, während wir hierzulande ein erfolgreiches Jahr verzeichnen konnten . Bei der Optik ist die Marktentwicklung vergleichbar stabil. Nur in der technischen Optik, im Industriegeschäft, ist die Wirtschaftskrise für alle Marktteilnehmer deutlich spürbar (siehe auch wie CFO Ertl sich gegen die Wirtschaftskrise stemmt [15]).
CFOworld: Wird von Ihnen in dieser Situation verlangt, Strategien gegen den Umsatzrückgang bzw. für mehr Umsatz zu finden?
Böhme: Der Brillenmarkt konsolidiert sich weltweit, ist aber nicht unmittelbar von der Wirtschaftskrise beeinträchtigt. Dennoch müssen wir stets darauf achten, dass wir auch die regionalen Märkte gut bedienen und eine Unternehmensgröße haben und weiter ausbauen, die es uns erlaubt, gegen den Wettbewerb zu bestehen.

Eschenbach-Werbeträger Jürgen Prochnow ("Das Boot")
CFOworld: Wie innovativ müssen Sie dabei sein?
Böhme: Wir müssen permanent unser Ohr am Puls des Marktes haben. Große Bedeutung hat aber auch, dass wir, gerade in diesen Zeiten, als verlässlicher und qualitativ hochwertiger Partner anerkannt bleiben. Dies gilt es täglich neu zu bestätigen (Vom Spagat zwischen Innovationen und Kostenrechnung berichtet auch CFO Beirat Fréderic Ferrari [6]).
CFOworld: Woher holen Sie sich die Erfahrung, um als Berater erfolgreich zu sein?
Böhme: Ich halte mich über die Fachpresse, Fortbildungen und mein persönliches Netzwerk auf dem Laufenden. Wichtig ist zudem der regelmäßige Austausch mit Kollegen in der Firma.
CFOworld: Wie sind Sie zu Ihrem Job gekommen und welche beruflichen Ziele haben Sie noch?
Böhme: Ich kam vor acht Jahren zu Eschenbach Optik. Zuvor hatte ich das Controlling in einem mittelständischen Handelsunternehmen eingeführt, arbeitete dann eine Weile in einem Konzern, sehnte mich in den Mittelstand zurück, wo ich mehr Entscheidungsmöglichkeiten für mich sehe. Ich finde es in einem mittelständischen Untenehmen wie Eschenbach Optik sehr spannend, als Generalist statt als Spezialist zu arbeiten.
Zugleich ist Eschenbach ein sehr komplexes international aufgestelltes Unternehmen mit eigener Fertigung. Die Kundenbandbreite reicht vom kleinen Optiker bis zum Industriekonzern. Ich decke in meinem Verantwortungsbereich also eine enorme Bandbreite ab. Zukünftig könnte ich mir schon vorstellen, die Gesamtverantwortung des Finanzbereichs in einem Unternehmen als CFO zu übernehmen. Wichtig ist mir v.a. aber, aktiv mitmischen zu können.
CFOworld: Was macht für Sie einen guten CFO aus?
Böhme: Er muss die Erreichung der Unternehmensziele permanent im Focus haben, die Firma finanziell souverän führen. Wichtig ist, dass er das Unternehmen wie auch die Märkte exzellent versteht (mehr zur gewandelten Rolle des CFO finden Sie hier [7]).
Links:
[1] http://www.cfoworld.de/32/leadership
[2] http://www.cfoworld.de/172/chief-financial-officer
[3] http://www.cfoworld.de/14/controlling
[4] http://www.cfoworld.de/49/it-management
[5] http://www.cfoworld.de/24/karriere
[6] http://www.cfoworld.de/es-gibt-keine-tabuthemen-mehr
[7] http://www.cfoworld.de/wer-bin-ich-und-wenn-nicht-wann-dann
[8] http://www.cfoworld.de/so-versteht-der-cfo-den-cio
[9] http://www.eschenbach-optik.com/de/
[10] http://www.cfoworld.de/11/business-intelligence
[11] http://www.cfoworld.de/konzerncontrolling-mit-sap-bw-und-palo
[12] http://www.cfoworld.de/9/risk
[13] http://www.cfoworld.de/kein-platz-fuer-eigenbroetler
[14] http://www.cfoworld.de/accuracy-clarity-value
[15] http://www.cfoworld.de/mit-gespuer-gegen-die-krise
[16] http://www.cfoworld.de/forward?path=blick-ueber-die-brille
[17] http://www.cfoworld.de/print/blick-ueber-die-brille