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Im Visier der Dienstleister

Cloud Computing-Anbieter umgarnen CFOs

Auslagern und nur für IT-Services zahlen, die auch genutzt werden: Das Prinzip Cloud Computing klingt erst einmal gut. Belastbare ROI-Szenarien fehlen aber immer noch.

von Werner Kurzlechner, am 19. Juli 2010

Werbung soll es sein, doch klingt es fast wie eine Drohung: „Lieber CFO, Ihre IT-Infrastruktur steht am Beginn einer wichtigen Veränderung“, heißt es bedeutungsschwanger auf der Homepage des Service-Anbieters enStratus [1]. „Wer die "Cloud-Conversation" mit CIO [2] oder CTO noch nicht geführt hat, sollte dies schleunigst nachholen.“ Diese Worte machen deutlich: Sie als Finanzchef sind ins Visier der Cloud Computing [3]-Anbieter gerückt - diesem angeblichen „IT-Megatrend [4]“. Aber woher wissen, ob es wirklich sinnvoll ist?

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Zu viel Intuition, zu wenig Fakten

Das Problem: Die Kampagne zielt bislang mit Wucht auf die Intuition der Zahlenstrategen. Doch das reicht am Ende nicht. Dabei liegt es weniger an der Überzeugungskraft der Auslagerung in die Cloud. Kosten können durch signifikant weniger Ausgaben für Server reduziert werden, weniger Speicherplatz und sogar Strom bei höherer Effizienz der IT-Dienstleistungen sind von Nöten. Doch diese Thesen können die Hersteller bislang nicht mit validen Berechnungen [8] unterfüttern.

„Die Hersteller und Dienstleister arbeiten mit Hochdruck an tragfähigen Lösungen und belastbaren ROI-Szenarien [9]“, stellte IDC [10]-Analyst Rüdiger Spies in einer Prognose zu Jahresbeginn fest. Cloud Computing habe das Potenzial, den IT-Markt in seinen Grundfesten zu erschüttern. „Gleichzeitig stehen die Anbieter unter Druck, das richtige Lizenzmodell zu finden und die Sicherheitsbedenken auszuräumen“, so Spies weiter. Eine weitere Bringschuld sei die Anpassung der Cloud-Angebote an die Bedürfnisse von Großunternehmen.

Die Wolke wirft Schatten

Viel Licht also, doch die Wolke wirft noch Schatten. Nach Wunsch der Anbieter sollen die CFOs die Sonnenseite in all ihrer Pracht erkennen. Yan Ness, CEO des Service-Anbieters Online Tech [11], wendet sich mit einem bildhaften Text an die Zielgruppe in den Finanzabteilungen, um den Nutzen eines Private Cloud Service zu veranschaulichen. Der CFO möge sich vorstellen, für den öffentlichen Nahverkehr in einer Metropole zuständig zu sein. Die Aufgabe: Eine Busflotte einzukaufen, die den Anforderungen für die kommenden sieben Jahre genügt. Insgesamt würden voraussichtlich 1000 Sitzplätze benötigt, verfügbar seien Fahrzeuge mit 20, 30 oder 50 Plätzen. „Viel Spaß beim Ertüfteln des optimalen und nachhaltigen Einkaufszettels“, wünscht Ness.

Das ultraflexible Transportsystem

Im Gegensatz dazu möge man sich 1000 virtuelle Bussitze vorstellen, die man jederzeit beliebig arrangieren könne. Zur Messezeit pendeln dann vier 200-Sitzer zwischen Hotels und Veranstaltungsort; während der Sommerferien sind problemlos nur Busse mit halber Kapazität unterwegs. Genau so wie dieses ultraflexible Transportsystem funktioniere Cloud Computing, schreibt Ness: „Der Traum eines jeden IT-Finanz-Managers [12] wird wahr.“

Acht Punkte für den Geschäftsnutzen

An Strahlkraft und Gehalt solcher Szenarien zweifelt auch Mark Skilton, Global Director bei Capgemini [13] Global Applications Outsourcing, in einem auf CIO.com [14] veröffentlichen Beitrag nicht. Der etwa von Amazon Web Services propagierte absolute Einklang von Kapazitäten und ihrer Nutzung werde sich bald zu einem stilbildenden Modell entwickeln, vermutet Skilton. Der Haken: Die Sicht auf IT-Kapazitäten, gemessen etwa durch Indikatoren wie Speicherplatz oder CPU-Zyklen, und IT-Nutzung sei allzu sehr durch die Brille von Technologie-Anbietern geprägt. Für Business-Vertreter wie den CFO müsse die Kurve aus Kapazität und Gebrauch in Metriken für den Geschäftsnutzen übersetzt werden. Skilton nennt dafür acht Ansatzpunkte:

1. Change-Rate und -Geschwindigkeit

Kostensenkungen [15] lassen sich in der Wolke besonders schnell realisieren. Darüber hinaus können zusätzliche Transformationsgewinne eingestrichen werden, indem Entscheidungen durch Nutzung vorgefertigter Services und einer schnellen Transitions-Rate ohne Verzögerung getroffen werden können. Attraktiv ist dies inbesondere dann, wenn trotz Mangel an Ressourcen und Zeit Business Improvement-Programme greifen sollen.

2. Optimierung des Total Cost of Ownership

Ist möglich, weil die Anwender nach den jeweiligen Business-Anforderungen Infrastruktur und Anwendungen auswählen und anpassen können.

3. Schnelle Beschaffung

Die Ressourcen können nach Bedarf hoch und herunter gefahren werden – und zwar innerhalb von Stunden.

4. Größere Gewinnspannen und Kostenkontrolle

Gelingt das, entstehen Freiräume für strategische Weiterentwicklungen wie die Jagd nach neuen Kunden, die Eroberung von Marktanteilen und Service-Optimierung.

5. Dynamische Nutzung

Elastische Beschaffung und Service-Management-Ziele sorgen dafür, dass neue Lösungen bei verändertem Bedarf der User schnell entwickelt werden.

6. Risk und Compliance

Skilton hält hier eine Verbesserung durch Shared Service für möglich. Grundsätzlich darf dieser Punkt als eine Stelle in der Cloud Computing-Euphorie gelten, der gerade CFOs vorsichtig stimmen dürfte. Die Angst vor dem Verlust sensibler Daten in der Cloud ist ebenso vorhanden wie viele ungeklärte rechtliche Fragen [16]. Experten raten deshalb, im Zweifel auf juristischen Rat [17] zu vertrauen.

7. Ausnutzung der IT-Kapazitäten

IT-Services werden so gut wie möglich auf Business-Anforderungen abgestimmt.

8. Zugang zu verbesserten Funktionalitäten

Neue Lösungen sind bei Bedarf in der Wolke stets verfügbar.

Scorecard als vorläufige Abhilfe

Für den Capgemini-Analysten Skilton könnten die genannten Indikatoren Basis einer Scorecard [18] sein, mit deren Hilfe Unternehmen den Nutzen von Cloud Computing für sich bewerten können. Ein Hilfsrahmen also bis elaboriertere Verfahren verfügbar sind.

Umstrittene Sicherheitsfrage

Im Moment haben die Schatten der Wolke zum Teil noch unscharfe Konturen. So bestehen weithin Sicherheitsbedenken, während etwa Andrew Milroy, ICT Director bei Frost & Sullivan [19] in Australien und Neuseeland, das Gegenteil erkennt. Seine These: Cloud Computing könne die Security-Kosten senken, weil Daten in der Wolke sicherer aufgehoben seien als etwas auf tragbaren Geräten wie Laptops und Smartphones.

Die viel beschworene neue Flexibilität zeigt sich bereits dadurch, dass einzelne Abteilungen schon jetzt speziellen Service-Bedarf an der IT-Abteilung vorbei decken. Das ärgert CIOs, die sich um die Konsistenz ihrer IT-Infrastruktur sorgen, und so mancher CFO teilt die Bedenken über eine wildwuchernde „Schatten-IT“.

Warnung an den CFO

Die Analysten von Deloitte [20] warnen speziell CFOs vor zwei Gefahren neben dem Sicherheitsrisiko: Weil verschiedene Cloud-Anbieter zum Teil nicht kompatible Betriebssysteme und Prozesse nutzen, kann die Migration von der einen zur anderen Wolke schwierig und teuer werden. Das sollte immer mitbedacht werden, denn die Notwendigkeit eines Anbieterwechsels kann sich jederzeit ergeben. Außerdem kann die Zuverlässigkeit der Angebote in der Cloud zum Problem werden. Deshalb sollten sich Kunden vor Vertragsabschlüssen genau über vorgesehene Abläufe im Fall eines Absturzes erkundigen.

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Quellen-URL: http://www.cfoworld.de/cloud-computing-anbieter-umgarnen-cfos

Links:
[1] http://enstratus.typepad.com/blog/2010/05/every-cfo-needs-to-have-the-cloud-conversation.html
[2] http://www.cfoworld.de/so-versteht-der-cfo-den-cio
[3] http://www.cfoworld.de/philips-bezieht-cloud-computing-services
[4] http://www.cfoworld.de/wie-it-im-jahr-2030-aussieht
[5] http://www.cfoworld.de/33/management
[6] http://www.cfoworld.de/49/it-management
[7] http://www.cfoworld.de/gefahren-im-cloud-computing
[8] http://www.cfoworld.de/cfos-koennen-ihre-zahlen-nicht-lesen
[9] http://www.cfoworld.de/tipps-fuer-business-process-management
[10] http://www.idc.de/
[11] http://www.onlinetech.com/
[12] http://www.cfoworld.de/cfo-und-cio-rivalen-in-einem-boot
[13] http://www.capgemini.com/services-and-solutions/outsourcing/
[14] http://www.cio.com/
[15] http://www.cfoworld.de/reisekosten-effizienter-verwalten
[16] http://www.cfoworld.de/../../../../../../../../gefahren-im-cloud-computing
[17] http://www.cfoworld.de/datenschutz-der-fuchs-ist-im-bau
[18] http://www.cfoworld.de/die-balanced-scorecard-kommt
[19] http://www.frost.com/prod/servlet/frost-home.pag
[20] http://www.deloitte.com/view/de_DE/de/index.htm
[21] http://www.cfoworld.de/forward?path=cloud-computing-anbieter-umgarnen-cfos
[22] http://www.cfoworld.de/print/cloud-computing-anbieter-umgarnen-cfos