Compliance-Programme bleiben hierzulande unbeliebt. Nicht einmal jedes zweite Großunternehmen hat entsprechende Vorgaben und Maßnahmen zum eigenen Schutz etabliert.
Ginge es nach Freiwilligkeit und Sympathie, gäbe es heutzutage wohl kaum ein Unternehmen auf der Welt, das sich ein Compliance [1]-Programm und Hinweisgebersysteme auferlegen würde. Solche Maßnahmen, die eigentlich für mehr Schutz gegen Wirtschaftskriminalität und Transparenz in den Unternehmensabläufen sorgen sollen, stehen in dem Ruf aufwändig, teuer und bürokratisch zu sein (mehr zum Ausmaß der Wirtschaftskriminalität hierzulande offenbarte kürzlich eine Studie von KPMG [2]).
Das sich dennoch entsprechende Richtlinien und Kontrollen in den Organisationen verbreiten, sei laut einer aktuellen Untersuchung der Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouseCoopers [6](PwC) vor allem gesetzlichen Auflagen geschuldet. So habe in den USA insbesondere der Sarbanes-Oxley Act die Anforderungen an Kontroll- und Präventionsmaßnahmen derart verschärft, dass börsennotierte Unternehmen reagieren mussten.
In Deutschland hingegen seien Großunternehmen, die ein Compliance-Programm implementiert haben, immer noch die Minderheit, attestiert PwC. So sei deren Anteil seit der letzten Studie im Jahr 2007 um lediglich drei Prozentpunkte auf nun 44 Prozent aller Befragten gestiegen. Dem gegenüber stehe eine Mehrheit (57 Prozent), die kein Compliance-Programm habe und dies zumindest in den nächsten zwei Jahren auch nicht einführen wolle. Als Gründe nennen die Befragten einen unverhältnismäßigen Aufwand (54 Prozent), zu viele bürokratische Kontrollen (58 Prozent) und die zu hohe Kosten (53 Prozent), die durch die Einführung eines Compliance-Programms enstehen würden.
Geht es zudem um Präventionsmaßnahmen beispielsweise gegen Wirtschaftskriminalität, auch "Hinweisgebersysteme" genannt, ist die Ablehnung in Unternehmen noch spürbarer: Nur ein gutes Drittel (34 Prozent) der Befragten hat laut PwC bislang ein derartiges Verfahren eingeführt. Weitere zehn Prozent wollen derartige Verfahren intern einsetzen (siehe auch die Rechtssprechung zu Schmiergeldern [4]).
Laut PriceWaterhouseCoopers sei einer der Haupteinwände gegen Hinweissysteme die Furcht vor Denunziationen (44 Prozent). Das Missbrauchsrisiko werde aber laut der Wirtschaftsprüfer überschätzt. Die Hälfte der befragten Unternehmen berichtete über keine Vorfälle von Missbrauch. Neun Prozent schätzten den Anteil missbräuchlicher Nutzung auf ein bis fünf Prozent und weitere elf Prozent der Befragten auf fünf bis zehn Prozent. Nur jedes vierte Unternehmen machte schlechtere Erfahrungen.
Angesichts der teilweise deutlichen Ablehnung bei den Unternehmen zieht PwC den Schluss, dass Compliance-Programme und insbesondere Hinweisgebersysteme sich nur in solchen Organisation wirklich durchsetzen, wo es eine "positive Kultur" für sie gibt. Diese charakterisieren die Wirtschaftsprüfer mit Teamatmosphäre, Bereitschaft zur Mitteilung von Fehlern und Toleranz gegenüber Regelverstößen.
Die Studie können Sie bei PwC kostenlos bestellen [7].
Links:
[1] http://www.cfoworld.de/10/compliance
[2] http://www.cfoworld.de/eine-frage-der-mehre
[3] http://www.cfoworld.de/34/strategie
[4] http://www.cfoworld.de/schmiergelder-bitte-beim-chef-abgeben
[5] http://www.cfoworld.de/zu-viele-offene-flanken
[6] http://www.pwc.de/portal/pub/cxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLd4p3dgrVL8h2VAQAPWV4ng!!?siteArea=49c4e38420924a4b&content=e5c07a48a89ccad&topNavNode=49c4e38420924a4b
[7] https://www.pwc.de/portal/pub/!ut/p/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLd4p3dnMCSkWaxxvEm4Q4h-lH5aSmJyZXgqThYpEwMSP98MRkkH79sOJEvfyilNSigNKknMxksKHBJYlFJfoF2RGVxY6KigB4wP98?orderMode=Publication&paramTitle=Compliance%20und%20Unternehmenskultur&paramISBN=&paramPreis=kostenlos&wcmdoc=e5c07a48a89ccad&paramReceiverMailAddress=x#7_0_4TCV
[8] http://www.cfoworld.de/forward?path=compliance-das-ungeliebte-kind
[9] http://www.cfoworld.de/print/compliance-das-ungeliebte-kind